Lohndumping: Kritik an neuer Dolmetschfirma in Traiskirchen

  • Asylwerber in Traiskirchen: Abhängig von Dolmetschdiensten, deren Qualität durch Umstrukturierungen merklich gesunken sei.
    foto: apa/hans klaus techt

    Asylwerber in Traiskirchen: Abhängig von Dolmetschdiensten, deren Qualität durch Umstrukturierungen merklich gesunken sei.

Übersetzer erhalten Bruchteil des früheren Tarifs - Beschwerden über mangelhafte Übersetzungsqualität

Der Austausch der Dolmetschfirma im Asyl-Erstaufnahmezentrum Traiskirchen sorgt für heftige Kritik. Die neuen Übersetzer seien für die nötige juristische Fachsprache nur bedingt ausgebildet und würden überdies zu einem Bruchteil der früheren und branchenüblichen Tarife entlohnt, berichtete das Ö1-"Morgenjournal" am Freitag. 

Christoph Pinter vom UNO-Flüchtlingshochkommissariat (UNHCR) in Wien bestätigte gegenüber dem Sender, dass es wegen der sinkenden Qualität der Übersetzungen zu Beschwerden gekommen sei. "Ob in einem Asylverfahren gut oder schlecht übersetzt wird, kann mitentscheidend sein, ob Schutz gewährt wird oder nicht", so Pinter.

Innenministerium zeigt sich nicht zuständig

Das Innenministerium zeigt sich in dieser Sache nicht zuständig. Zwar werde man den Beschwerden nachgehen, für die Erstbefragung der Asylwerber sei allerdings die Landespolizeidirektion Niederösterreich zuständig.

Dass es eine neue Dolmetschfirma gibt und es sich um eine Detektei handelt, die Übersetzer rekrutiert, bestätigt die Landespolizeidirektion. Laut einem Ö1 vorliegenden Dienstvertrag soll der neue Tarif bei 9,31 Euro pro Stunde liegen. Zuvor sollen 25 Euro je angefangene halbe Stunde bezahlt worden sein.

Der Geschäftsführer des Unternehmens, das als Kerngeschäft Privatermittlungen, Personen- und Gebäudeschutz anbietet, wollte gegenüber derStandard.at telefonisch keine Details zur Causa bekannt geben, weist den kolportierten geringen Betrag aber zurück.

"Dumping bei Dolmetschdiensten fatal"

Die Menschenrechtssprecherin der Grünen, Alev Korun, kritisierte das Vorgehen der Behörden in einer Aussendung: "Dumping bei den Dolmetschdiensten zu betreiben und dafür schlampige und schlechte Übersetzungen der Aussagen der AsylwerberInnen in Kauf zu nehmen wäre fatal."

Auch der Österreichische Verband der allgemein beeideten und gerichtlich zertifizierten Dolmetscher (ÖVGD) zeigt sich bestürzt: "Das Auslagern von Dolmetschdienstleistungen an Agenturen, um eine Kostenersparnis zu erzielen, hat noch nie zum Erfolg, sondern nur zum Einsatz von unqualifizierten 'Sprachexperten' und schlechter Qualität bei den Dolmetsch- und Übersetzungsleistungen geführt."

Eine ausreichende Qualität bei Übersetzungen war schon vor Wochen eine der Forderungen, für die sich die Demonstranten des "Refugee Camp" im Wiener Sigmund-Freud-Park starkmachten. Für Freitag war ein runder Tisch anberaumt, bei dem Asylwerber, NGOs und Vertreter mehrerer Ministerien anlässlich der Asylfrage debattieren wollten. (mm, derStandard.at, 21.12.2012)

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Klar sinkt die Qualität...

Einen Ferrari kriegen wollen, aber dabei nur für einen VW-Käfer bezahlen.

Nur umgekehrt geht's, wie uns unsere Bundespolitiker jeden Tag aufs Neue demonstrieren.

dolle Dolmetscherkarriere - ein Fallbeispiel

Ich bin gerichtlich beeidet und zertifiziert - Matura mit Auszeichnung, sieben Jahre Studium, ein Jahr im Ausland an der Uni unterrichtet, Gerichtsdolmetscherprüfung für zwei Sprachen absolviert, rezertifiziert, und habe mich immer für eine höhere Bezahlung von Gerichtsdolmetschern eingesetzt, da sich sonst niemand für den Beruf interessiert, der ausreichend qualifiziert ist. Anstelle dessen wird jetzt unser ohnehin schon mehr als dürftig bezahlter Beruf durch derartige Dumpingpraktiken noch unattraktiver - zugleich muss ich aber bis zu 2000 Euro Strafe zahlen, wenn ich einem Termin unentschuldigt fern bleibe - und bezahlt wird manchmal erst nach einem Jahr - möchte wer gern tauschen?

Lohndumping

All diejenigen, die es richtig finden, dass für Dolmetschleistungen noch weniger bezahlt wird als die offiziellen Dolmetschtarife bei Gericht, die auch schon nicht gerade hoch sind, möchte ich darauf aufmerksam machen, dass von den 9,31 Euro pro Stunde Sozialversicherungsbeiträge und Steuern abzuführen sind. Daher ist das Honorar natürlich nicht angemessen für eine hoch qualifizierte Tätigkeit wie das Dolmetschen, das eine lange Ausbildung voraussetzt. Und ich glaube nicht, dass die Befürworter der Maßnahme damit glücklich wären, wenn sie für ihre Arbeit nur circa 5 Euro netto bekämen.

pah.

da fühlen sich einige verdiente ngos des volkes um ihre futtertröge und versteckten subventionen aus steuergeldern geprellt, weil sie jetzt von jemandem aus der privatwirtschaft unterboten werden.

Sie haben keine Ahnung.

10 Euro verdient eine Putzfrau - der Tarif bezieht sich wohl eher auf Wach- und Sicherheitsdienste. Das sollte mal die Arbeiterkammer auf den Plan rufen.

27.12.2012, 11:54
mangelhafte Übersetzungsqualität ...

schlampige und schlechte Übersetzungen der Aussagen ... wenn man bedenkt dass die schlechte Qualität schon beim Wahrheitsgehalt der Originalaussagen beginnt verstehe ich das Problem nicht ganz ...

Preis sinkt, Qualität sinkt

Solange die Proportion Preis/Qualität dabei gleich bleibt, passt es. Denn es kommt im Prinzip immer nur auf das Preis-Leistungsverhältnis an.

Lohndumping ist es nur dann ein Problem, wenn wenig gezahlt und gute Arbeit gemacht wird. Oder viel gezahlt wird oder schlechte Arbeit.

Nur das Teuerste ...

... ist gut genug! Frag nach bei Birnbacher & Co.

Made my day ...

Übersetzen (bzw. bersetzer) und Dolmetschen (bzw. Dolmetscher) sind keine Synonyme, da besteht ein großer Unterschied, lieber Standard.

Wen Dumpinglöhne stören,...

...der sollte die Einwanderung von Menschen ohne Ausbildung verhindern.
(Nach amtlicher Statistik sind nur 10% der Asylwerber Flüchtlinge. Die anderen missbrauchen nur das Verfahren.)

Wieder Einer der null Ahnung von den österreichischen

.. Einwanderungskriterien hat.

Schwarz-Blau-Reloaded

Was hat der (mögliche) Asylmissbrauch mit dem Gehalt/Honorar von Übersetzern zu tun?

Ich denke, je besser die Übersetzer arbeiten, desto rascher können die Angaben der Asylwerber überprüft und die Asylverfahren bearbeitet werden.
Ein Übersetzer arbeitet (hier) nicht zum Stundentarif von 9,31 Euro brutto; da kann man gleich einen x-beliebigen Fahrgast der Wr. Sraßenbahnlinie 6 beauftragen ...

PS/ Da steckt mit ziemlicher Sicherheit das IM dahinter, nicht die LPD NÖ. Vielleicht sollte man sich mal genau anschauen, wem diese ominöse Detektei gehört, die diese Angelegenheiten regelt; würde mich nicht wundern, stünde da ein VP-naher GF dahinter.

Der Wahlkampf hat bereits begonnen:
Schwarz-Blau-Reloaded ist in Vorbereitung ...

bitte, ich hab mir vor kurzem eine englische urkunde übersetzen lassen von einem gerichtlich beeideten übersetzer.

ich habe vorher alle übersetzer aus dem verzeichnis des justizministeriums per e-mail angeschrieben und nach dem preis gefragt.

der billigste wohnt in wien und hat es um 20 euro gemacht, war noch dazu am schnellsten. wenn ich den teuersten genommen hätte, euro 150,- pro seite, wäre das um nix besser gewesen.

Das ist für mich nicht der Punkt.

Der Punkt ist, dass es hier üblicherweise überhaupt nicht interessiert, wenn irgendein Übersetzer wenig Geld kriegt. Aber so kann man natürlich weiter am Bild der aaaarmen Asylwerber feilen, man kann wiedermal die Unterscheidung von "Flüchtling" und "Einwanderer" verwischen und Österreich als Vorhölle darstellen, weil es immer noch Erstaufnahmezentren gibt, anstatt das jeder Einwanderer sofort eine Eigentumswohnung bekommt.
NLP in Reinkultur. Haiderismus in pc.

Denkst Du schon oder einzellst Du noch?

Denkst DU überhaupt, oder blökst Du den anderen Gut-Schafen nach?

Stimmt! Das massive Sozialdumping in Österreich lebt vom Zuzug dieser Leute. Und die eigenen bleiben auf der Strecke und laufen verärgert den Rechtspopulisten hinterher.

Ich wäre eher für Kontroll-Übersetzer,...

...die kontrollieren, ob das, was der Übersetzer aus der Asylwerber-Industrie sagt, überhaupt etwas mit der Aussage des Asylwerbers zu tun hat.

An wen haben Sie da gedacht?

HC oder Kickl?
Die beiden würden sich doch als "Sprachgenies" bestens für solche heiklen Aufgaben eignen, oder?

in diesem zusammenhang seh ich auch das problem des gerichtsdolmetschens, auch wenn es nicht immer mit flüchtlingen zu tun hat. in ö. darf jeder mensch zu dieser prüfung antreten, es gibt nur einen schriftlichen und einen mündlichen teil. aufgrund des fachvokabulars - versch. ausdrücke können in versch. ländern unterschiedliche bedeutung haben - sollte allerdings auch fürs gerichtsdolmetschen eine spezielle ausbildung verlangt werden.

SOS Gutmensch wollte doch neue Übersetzer

Die haben sie nun bekommen, wieder ein Punkt des Forderungskataloges abgearbeitet...

Diese Form von Perfidie korrumpiert & runiert über kurz oder lang jegliches Zusammenleben

... und die Adressaten solcher Niedertracht sind immer alle Hilfsbedürftigen, insbes. auch die "genuin" aus Österreich stammenden, also das Gros der auf Hilfe jedweder Art angewiesenen. Ihnen gelten diese Zeichen, diese Möglichkeitsformen des Umgangs!

Und warum ist es nicht mögliche den Dolmetscher per Videokonzerenz einzubinden?
So könnten z.B. auch Fachkräfte aus Indien die Leistung übernehmen.

Ich vergebe selbst immer wieder auch IT-Kleinaufträge nach Asien. Termintreue und Qualität ist ungleich besser als von lokalen "Fachleuten".

Unser hiesiges studiertes IT-Pack kann mir mit Forderungen von 100+ Euro pro Stunde gestohlen bleiben. Die drehen lieben den ganzen Tag Däumchen, anstatt für eine zivile Preisgestaltung zu sorgen.

"Ich vergebe selbst immer wieder auch IT-Kleinaufträge nach Asien. Termintreue und Qualität ist ungleich besser als von lokalen "Fachleuten"."

Soso, wir haben es 2x mit Indien versucht. Ging katastrophal schief. Jetzt entwickeln wir wieder selbst in der Firma.

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