Bienensterben: Einschränkungen bei Beizmitteln empfohlen

21. Dezember 2012, 12:38
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EU-Studie belegt Gefährlichkeit von Neonicotinoiden

Wien - Schon seit Jahren wird der Zusammenhang zwischen dem Bienensterben und insektizidgebeiztem Saatgut diskutiert. Eine Studie im Auftrag des europäischen Parlaments belegt nun die Gefährlichkeit für Bienen durch Beizmittel aus der Gruppe der Neonicotinoide. Laut dem Report ist das Vorsorgeprinzip, wie es in der EU-Verordnung über Pestizide drinsteht, anzuwenden. Dafür sind laut den Wissenschaftern zumindest Einschränkungen bzw. ein Teilverbot für Beizmittel erforderlich.

Der Verein "Biene Österreich" hat die Ergebnisse der Studie, die vom österreichischen Umweltbundesamt erstellt wurde, zusammengefasst. Demnach hat der Rückgang der Bienenvölker multifaktorielle Gründe, aber der Einsatz der Neonicotinoide wird in den aktuellen wissenschaftlichen Studien immer häufiger als wesentlicher Faktor angesehen.

Chronische Vergiftung zeigt Folgen

Neonicotinoide sind synthetische Nikotinverbindungen, die als Nervengift wirken. Sie werden vor allem als Beizmittel zur Behandlung von Saatgut verwendet, um diese vor Insekten zu schützen. Laut der Studie haben sie eine hohe akute Toxizität auf Honigbienen, aber auch die chronische Kontamination der Bienenvölker mit subletalen Dosen kann ernste negative Effekte verursachen. Diese reichen von Verhaltensstörungen, Problemen mit der Orientierung, verringertem Lernvermögen, schlechterer Sammelleistung bis zur Reduktion der Widerstandsfähigkeit gegen Krankheiten und Parasiten. Die Maßnahmen zur Verringerung des Risikos für Honigbienen auf EU- und nationaler Ebene konzentrieren sich auf die Reduktion des Risikos einer akuten Vergiftung der Bienen. Sie berücksichtigen jedoch nicht das Risiko einer chronischen Kontamination mit subletalen Dosen.

"Der Zusammenhang zwischen dem Einsatz der Maisbeizmittel und dem Bienensterben sehen wir Imker seit Jahren. Auch eine Studie der Agentur für Ernährungssicherheit hat eindeutig den Zusammenhang von Pestizid-Einsatz bei der Maisaussaat und dem Bienensterben nachgewiesen. Wir brauchen endlich einen wirksamen Schutz, denn die Maisbeize vernichtet ja nicht nur Honigbienen, sondern auch Wildbienen, Hummeln und eine Menge anderer Insekten, welche für die Bestäubung immens wichtig sind", erklärt Maximilian Liedlbauer, der Präsident des österreichischen Imkerbundes.

"Die ÖVP muss ihre Blockadehaltung beenden"

"Seit über drei Jahren fordern wir ein Verbot der Neonicotinoide bei der Maisbeizung und seit über drei Jahren verschleppt die ÖVP den Bienenschutz. Die Folge ist ein massives Bienensterben in Österreich. Die ÖVP muss ihre Blockadehaltung beenden und den Weg für den Schutz der Bienen freimachen", forderte Wolfgang Pirklhuber, Landwirtschaftssprecher der Grünen in einer Aussendung.

Seit Mai 2012 beschäftigt sich im österreichischen Parlament der Unterausschuss zum Landwirtschaftsausschuss "Pflanzenschutz" mit dem Einsatz der Neonicotinioide. Ein für Dezember avisiertes Ende konnte laut den Grünen nicht eingehalten werden. (APA/red, derStandard.at, 21. 12. 2012)

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