Innenbandriss, WM-Aus, Saisonende

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Schild mit den behandelden Ärzten Karl Golser (links) und Gernot Sperner nach erfolgter Knieoperation: "Schauen, ob das Gefühl wieder kommt".
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    foto: apa/parigger

    Marlies Schild mit den behandelden Ärzten Karl Golser (links) und Gernot Sperner nach erfolgter Knieoperation: "Schauen, ob das Gefühl wieder kommt".

Marlies Schild hat sich bei ihrem Sturz in Aare einen Innenbandriss zugezogen. Damit ist die WM-Saison für die Titelverteidigerin im Slalom gelaufen. Für ÖSV-Sportdirektor Hans Pum ist die Diagnose "ein Schock"

Innsbruck - Noch während die Teamkolleginnen am Freitagvormittag auf der Heimreise aus Schweden waren, lag Marlies Schild im Innsbrucker Sanatorium Kettenbrücke bereits unter dem Messer. Nach ihrem Trainingssturz am Donnerstag in Aare hatten die Unfallchirurgen Gernot Sperner und Karl Golser einen Riss des inneren Seitenbandes im rechten Knie diagnostiziert. Eine konservative Ausheilung war nicht zu erwarten, also entschlossen sich die beiden Ärzte zu einem sofortigen Eingriff.

Durch zwei Krücken gestützt und sichtlich bedrückt zeigte sich die Patientin dann am Samstag bei einer Pressekonferenz der Öffentlichkeit. Die Salzburgerin versuchte tapfer zu sein, ein Ende ihrer Karriere wollte sie jedoch nicht ausschließen. "Es ist noch nicht die Zeit, um konkret darüber nachzudenken. Ich möchte wieder topfit werden, der Rest muss sich dann ergeben", meinte Schild.

Wieder keine WM

Am Sonntag wird die 31-Jährige die Klinik verlassen können. Schild muss nun sechs Wochen eine Schiene tragen, drei Wochen lang darf das verletzte Knie nicht bewegt werden. Ab der vierten Woche kann mit dem Stabilisierungs- und Aufbautraining begonnen werden, damit ist die WM-Saison für die Slalom-Weltmeisterin definitiv gelaufen.

"Ich bin natürlich sehr enttäuscht, aber es gibt Schlimmeres. Im Vergleich zu anderen Verletzungen sind das Peanuts", sagte die leidgeprüfte Schild, die sich 2008 bei einem Trainingssturz in Sölden einen schweren Trümmerbruch im Schien- und Wadenbein zugezogen hatte. Die behandelnden Ärzte zeigten sich optimistisch. "Die Operation war komplikationsfrei und dauerte 35 Minuten", berichtete Sperner. Golser erwartete eine eine völlige Ausheilung der Verletzung ohne Einschränkung.

"Schock"

"Wenn die stärkste und beständigste Slalomläuferin der vergangenen Jahre kurz vor der Heim-WM mit einer schweren Verletzung ausfällt, ist das natürlich ein Schock für uns", sagte Hans Pum, der Sportdirektor des Skiverbandes (ÖSV). "Jetzt geht es aber einzig und allein darum, dass Marlies wieder fit und gesund wird."

Damit verpasst Schild nach 2009 (WM in Val d'Isere) das nächste Großereignis. Im Oktober 2008 hatte sich Schild während des Riesentorlauf-Trainings auf dem Rettenbachferner ob Sölden bei einem Sturz einen Trümmerbruch im linken Schien- und Wadenbein und einen Bruch des Schienbeinkopfes zugezogen. Sie wurde in Innsbruck von Sperner und Golser operiert und verpasste die gesamte Saison.

Die neuerliche Verletzungspause, die ein Antreten bei der WM in Schladming unmöglich macht, nahm Schild natürlich schwer enttäuscht zur Kenntnis, sagte Sperner. "Letztlich hat sie dem aber gefasst ins Auge geschaut." Ob und wann Schild in den Weltcup zurückkehrt, ist noch nicht bekannt. Österreichs Sportlerin des Jahres nannte am Anfang der Saison die Heim-WM und die Winterspiele 2014 in Sotschi als nächste Ziele. Eine olympische Goldmedaille fehlt der Zweiten von Vancouver 2010 noch.

Lange Krankengeschichte

Willensstärke nach Verletzungen hat die Weltmeisterin von Garmisch-Partenkirchen 2011 schon oft genug bewiesen. Mit 15 erlitt sie ihren ersten Kreuzbandriss, mit nur 19 Jahren hatte sie bereits fünf Knieoperationen hinter sich. Schild wandte sich daraufhin zunehmend den technischen Disziplinen zu.

Trotz der Rückschläge ist Schild mit 33 Siegen die zweitbeste Slalomfahrerin aller bisherigen Zeiten. Auf die Einstellung des Rekordes der Schweizerin Vreni Schneider fehlt ihr nur noch ein weiterer Erfolg. Schild gewann zudem 2004 den Riesenslalom auf dem Semmering und 2006 die Super-Kombination auf der Reiteralm. Ihrem Comebacksieg am 29. Dezember 2009 in Lienz nach mehr als einjähriger Verletzungspause ließ Schild eine beeindruckende Serie folgen. Zwei Jahre lang fuhr sie in allen Slaloms, die sie beendete, auf das Podest.

In dieser Saison blieb Schild ein Erfolg allerdings versagt. In Levi schied sie aus, in Aspen wurde sie hinter Teamkollegin Kathrin Zettel Zweite. Ohne die Slalom-Dominatorin enttäuschten die ÖSV-Damen beim Premierensieg der erst 17-jährigen US-Amerikanerin Mikaela Shiffrin am Donnerstagabend in Aare. Zettel scheiterte bereits im ersten Durchgang, Michaela Kirchgasser wurde Neunte, Nicole Hosp fuhr auf Rang 16. Nach Weihnachten und noch vor dem Jahreswechsel folgen am 28. und 29. Dezember ein Riesentorlauf und ein Slalom auf dem Semmering. Dort hat Schild bisher dreimal gewonnen. (krud/red/APA - 22.12.2012)

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