Generationenvertrag, vollendet künstlich aufgekündigt

20. Dezember 2012, 22:56
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Ewald Palmetshofers "räuber. schuldengenital" unter der Regie von Stephan Kimmig im Wiener Akademietheater

Ewald Palmetshofers Stück „räuber. schuldengenital" erzählt von der einseitigen Aufkündigung des Generationenvertrages. Die Wohlstandsbewahrer stehlen den Kindern die Zukunft. Sie essen ihnen die letzten Krümel vor der Nase weg und leben sorglos in die Gegenwart hinein: ein trostloser Befund, den der oberösterreichische Dramatiker, zuletzt Hausautor am Mannheimer Nationaltheater, in Verssprache von vollendeter Künstlichkeit hineinpackt.

Von angestrengtem Kunstwollen auch die Uraufführung im Wiener Akademietheater, die Stephan Kimmig inszeniert hat: Zwei Brüder, Karl (Philipp Hauß) und Franz (Christoph Luser), wandeln eher ungefähr auf Schillers Spuren. Die Heimsuchung ihrer allerdings genial monströsen Eltern (Barbara Petritsch, der große Martin Schwab) zeitigt eine Art theatralischer Dauererhitzung.

Am Schluss weiß man nicht recht: Besitzen wir in Palmetshofer einen neuen Ferdinand Bruckner („Krankheit der Jugend"), einen expressionistischen Großdramatiker? Oder übertreibt die Inszenierung aus reiner Notwehr die Absurdität? Ein höchst zwiespältiges Vergnügen, von einem aus ganz Deutschland angereisten Fachpublikum überaus wohlwollend akklamiert. (poh, DER STANDARD, 21.12.2012)

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