Zwei Schelme im Performancehemd

20. Dezember 2012, 18:58
posten

Esoterische Wurzelsuche als genussvolles Spiel über Dilettantismus und Korruption: Die Performer Frans Poelstra und Robert Steijn überprüfen mit "ghost exit" unser Naturbild

Wien - Das Verhältnis zwischen Mensch und Natur wird heute wieder verstärkt mit allerlei Esoterik aufgeladen. Das tanzen seit vergangenem Februar die beiden aus den Niederlanden stammenden Wiener Performer Frans Poelstra (58) und Robert Steijn (54). Diese Woche nun wird der Abschluss ihres Green Conversations-Jahresprojekts unter dem Titel ghost exit im Konzerthaus-Keller des Brut-Theaters feierlich begangen. Zum letzten Mal heute, Freitag, und passend für Esoterikfreunde zu unseren letzten Stündchen. Nach der Performance legt Sängerin Gustav als DJane auf.

Das formal beinahe schon anarchische Improvisationsstück der zwei Schelme im Performancehemd, die seit Jahren unter dem Label United Sorry zusammenarbeiten, ist von einer verheißungsvollen Ironie getragen, sobald sich anfangs aus der geisterhaften Düsternis eines auf die Wand gezeichneten nächtlichen Waldes ein Paar grün bemützter Trolle schält. Mit gnadenloser Hingabe absolviert das neckische Duo ein künstlich-mystisches Ritual, bewegt sich harmonisch in den Winden der Zeit und von mit Absicht falsch gesungenen Tönen.

Nackend schmiegen sich Steijn und Poelstra aneinander, stützen und halten einander und alles drum herum. Sie verstehen sich da unter anderem als Personifikationen einer Pappel und einer Ulme aus dem Stadtpark. Damit bringen sie den Geist ihrer in diesem Jahr erfolgten Auftritte, unter anderem im Wienerwald, Nada-Lokal und Türkenschanzpark, auf der Vogeltennwiese und im Institut français, mit in den Brut-Keller. Teile dieses Geists sind auch entschiedene Statements gegen Korruption in Politik und Wirtschaft. So wird bei den Green Conversations gleichsam nebenher ein Aufstand geprobt, der sich, wie die beiden - Selbstbezeichnung - "Psychonauten" meinen, eher unsichtbar ausbreite.

Gerne proben sie das am Schluss mit einer "Zufallsbegegnung" auf der Bühne, Jaschka Lämmert, die ein gerüttelt Maß Provinztheater-Schauspiel mitbringt und so das provokante Spiel verschärft. Der Witz im darstellerischen Stolpern, die angedeutete Natur-Erotik mit Eso-Ausschlag und vorsätzlich begangene Verbrechen an der Dramaturgie machen diese Arbeit zum Genuss.   (Helmut Ploebst, DER STANDARD, 21.12.2012)

Brut Konzerthaus, 20.00

  • "Pappel" und "Ulme" im Doppelporträt: Robert Steijn und Frans Poelstra verkleiden sich mit großem Genuss als Trolle.
    foto: united sorry

    "Pappel" und "Ulme" im Doppelporträt: Robert Steijn und Frans Poelstra verkleiden sich mit großem Genuss als Trolle.

Share if you care.