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Politik gilt als besonders prädestiniertes Spielfeld für die Kunst des Kompromisses. Gelingt ein solcher, dann haben zumindest zwei Beteiligte etwas zum Freuen. Der Gesetzesentwurf für die Implementierung einer " kapazitätsorientierten, studierendenbezogenen Universitätsfinanzierung" alias "Studienplatzfinanzierung" ist so ein (partei-)politischer Kompromiss, zu dem sich SPÖ und ÖVP ächzend und stöhnend durchgerungen haben - aber für diese Version des Gesetzes gilt das, was der deutsche Schriftsteller Peter Maiwald so formuliert hat: "Zum Unglück der Politiker wollen die Fakten mit ihnen keine Kompromisse machen."
Die, die davon betroffen sein werden, haben nämlich nichts zum Freuen - im Gegenteil. Es ist ein Gesetz mit schweren Fehlern, die den Unis und Studierenden enorm zusetzen werden, weil vor lauter Rücksichten auf irgendwelche Parteibefindlichkeiten die Sache aus den Augen geraten scheint. Anders ist nicht erklärbar, warum die Regierung, wissend, dass die großen Problemstudienbereiche schon jetzt teilweise universitäre Desasterlandschaften sind, nicht ehrlich darangeht, diese Zustände wirksam zu verbessern. Stattdessen werden einige Unis mit Studienplatzfinanzierung sogar mehr Studierende aufnehmen müssen (!) als zuletzt - ohne entsprechend aufgestocktes Budget und obwohl es schon bisher inakzeptable Betreuungsverhältnisse gab.
Wem nutzt das - außer zwei Parteien, die in der Bildungspolitik heilfroh sind über jede kleine Einigung, weil die großen Nummern nicht und nicht gelingen?
Faktum ist, dass eine ehrliche, funktionierende Studienplatzfinanzierung, die die Kapazitäten der Universitäten auch ernst nimmt als definierbare begrenzte Gefäße, die nicht unbegrenzt befüllt werden können (sehr wohl aber politisch vergrößerbar sind!), weil es sie sonst irgendwann sprengen könnte, mehr Geld kosten würde. Das aber gibt es nicht. Zumindest nicht für die Unis. Darum ist dieser weder an Kapazitäten noch an Studierenden orientierte Finanzierungstorso unehrlich, und er wälzt die Folgekosten auf die Unis ab.
Dabei sind die Rektoren der Regierung ohnehin schon in fast staatstragender Art entgegengekommen und haben sich vorläufig damit abgefunden, dass die Fakten - es fehlt nach wie vor viel Geld im Hochschulsystem, wenn die Besten die Messlatte sein sollen und nicht nur der anspruchslose Status-quo-Anspruch exekutiert werden soll - wenig zählen im politischen Kompromissgeschäft. Das Ergebnis sind dysfunktionale Gesetze.
Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle, vor seinem Wechsel in die Bundesregierung selbst Rektor der Uni Innsbruck, sagte zur leidigen Budgetsituation: "Natürlich ist es nie genug. Das wissen wir alle." Ja. Das wissen wir alle. Schon recht lange. Zu lange für ein System wie das Universitätssystem, das von der inneren Logik her Fortschritt repräsentiert, Dynamik, Vorwärtsdrang, Erkenntniszuwachs, Neugier, Aufklärung der finsteren Winkel in der Welt. Die finanzielle, aber auch strukturell-organisatorische Festkettung der österreichischen Unis auf einem, gelinde gesprochen, suboptimalen Level, ist da eine fatale Zukunftsberaubung. Oder politisch institutionalisierte Kleinheit.
Ja, das, was die Universitäten von der Politik bekommen, ist nicht genug. Nicht nur in finanzieller Hinsicht. "Natürlich" ist das nicht. Es ist gemacht. Von der Politik. (Lisa Nimmervoll, DER STANDARD, 21.12.2012)
Das Alter als politische Waffe sollte sich jedem verbieten
Auf gleichwertige akademische Ausbildung muss gleiche Bezahlung folgen
Die Sprachförderung darf keine zusätzlichen Kosten verursachen - Das ist ein realitätsfremder, alibihaft anmutender Zugang
Damit ist passiert, was irgendwann zu erwarten war: Jemand wehrt sich gegen die politisch fahrlässig verschuldeten Zustände an den Unis
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Aber die Nichtstuer haben bekanntlich die meiste Zeit, ihre Überlastung und Unterfinanzierung "nachzuweisen".
http://de.wikipedia.org/wiki/Cyri... _Parkinson
wie sehr die Politik generell am Sand ist. Die versteht sich selbst nur mehr als Finanzssektor des Staatsapparats; dementsprechend wird auch nur über Studiengebühren und Zugangsbeschränkungen geredet.
Bei den großen Problemen aber hat die Politik, denke ich, gar keinen Einfluss mehr, bzw. hat sie diesen erfolgreich von sich geschoben. Diese Probleme liegen in den Universitäten: im Verständnis von Universität, Studium und Bildung der StudentInnen und ProfessorInnen, in den verschulten Voraussetzungsketten, in der Unmöglichkeit sich mit seinem Studienfach >>im Rahmen des Studium<< wirklich auseinanderzusetzen.
Ich find die Kommentare von Fr. Nimmervoll immer sehr passend zu diesem Thema; schön, dass sie noch nicht resigniert haben ;).
auch dadurch bedingt das es zumindest in den letzen 12 Jahren (so lange kann ich es selbst nachvollziehen) keine Unipolitik gab außer dem Studiengebührenthema. aber unterfinanziert sind unsere Unis allemal.
Aber in einer Welt in der halt massiv Steuergeschenke verteilt werden müssen bleibt auch für die Bildung wenig über. In Wahrheit ist es beschämend das sich einer der reichsten Staaten der Welt es nicht leisten kann seine Universitäten zu finanzieren.
Aber in der neuen schönen neoliberalen Welt wird halt alles priwat gemacht, wie toll das funktioniert und was das am Bildungssektor für Auswirkungen hat sieht man in den USA. Anderrseits, ein Akademiker mit Schulden von 150.000 aufwärts lässt sich natürlich schon viel leichter "führen"..
Recht einfach und ohne immer alles analytisch zerlegen zu müssen..
In Salzburg wurden kürzlich mehrere hundert Millionen Euro verspekuliert und man kennt noch immer nicht den endgültigen Gesamtverlust. Wir auf der Uni hören ständig:"Sorry Leute aber uns fehlt das Geld alles zu finanzieren".
Ganz ehrlich, man kommt sich ziemlich verarscht vor.
Hauptsache die "herrschende Klasse" kann ihre Festtagsente wie üblich geniessen. Wir Studis sind (wie es in Österreich so schön heisst) "wuascht".
Vor kurzem wurde Gen-AU, ein grossangelegtes Forschungsförderungsprogramm, dass den Life Sciences in diesem Land EXTREM gut getan hat, ersatzlos gestrichen. Einfach so. Studienverräter Töchterle dazu: "Die Institute sollen sich halt auch beim FWF um Gelder bemühen"...nur hat der FWF immer noch dasselbe Budget...um das sich jetzt noch mehr Institute balgen müssen.
Kostenpunkt des Projekts: 100 Mio. Euro IN ZEHN JAHREN.
Mit anderen Worten...mit dem Geld, das unsere korrupten Sche***politiker in Salzburg mal eben verzockt haben, hätte man Gen-AU für die nächsten 35-40 Jahre sichern können.
DANKE, DASS SO VERANTWORTUNGSVOLL MIT UNSEREM GELD UND UNSEREN UNIS UMGEGANGEN WIRD IHR DRECKSPOLITIKER!
Ich frage mich, ob die endlos misere der unis nicht letztlich doch mit mangelnden studiengebuehren zu tun hat. Bis jetzt dachte ich, dass es schoen sei, eine freie uni zu haben. Aber dann lese ich lob des bummelns und andere absurde empfehlungen. Falls man $7 000 pro jahr verlangte, wie an der oeffentlichen uni Berkeley, der zweitbesten der welt, aenderte sich sicher manches. Vielleicht bestuende dann eine chance, dass nicht alles einfach verschlampt wird. Natuerlich empfehle ich entsprechende stipendien von etwa $20 000 pro jahr fuer etwa 3/4 der studenten in Oe ausschliesslich nach leistung.
Und wie finanzierst du die Stipendien, ohne den Unis mehr Geld zu geben?
Sagen wir, ein Student tut wirklich nichts. Du schmeisst ihn nach 10 Semestern raus. Bis dahin hast du 100.000 Euro allein an Stipendien investiert...die Ausbildung abschliessen kann er nicht mehr, das Geld ist also futsch.
Vom Studenten selbst wirst du es nicht zurückfordern können, weder rechtlich noch praktisch. Der macht Privatkonkurs und dreht dir die lange Nase.
Und dann musst du den nächsten Studenten anstellen. Und den wieder finanzieren...dein System führt schlicht nirgendwohin.
Du bist eben nur einer dieser Typen, der meint "Ja die Gstudiertn, das brauchma net, gell, das soll sich alles selbst erhalten" Aber zum Onkel Doktor willst du dann schon gehen.
Wie definierst du denn Leistung? Studiendauer? Cool. Den Jus Studenten wirds freuen, der ist nach 6 Semestern fertig. Der Architekt wird weniger Freude mit dir haben. Genauso der Typ in den Naturwissenschaften, wo die Zeiten naturgemäss stark schwanken. Sind die Leute die da rauskommen weniger gut als die die schnell durchkamen? Nö, sie waren vielleicht einfach neugieriger, haben ihr Wissen auf eine breitere Basis gestellt. Meist sind das nacher die besseren Wissenschaftler. Willkommen in deinem System der Fachtrottel.
Abgesehn davon...es würde NICHTS ändern. Gut, du schmeisst den Typen nach zwei Semestern drüber raus...gratuliere, dann ist das ganze investierte Geld weg.
Und schon beginnst du die nächste Lotterie mit dem nächsten Stud.
Und die Stipendien finanzieren Sie auch durch die Studiengebühren?
Nehmen Sie einen Stift und rechnen Sie es sich einfach überschlagsmäßig durch wie hoch die Studiengebühren sein müssten damit sie an 75% der Studierenden wieder Stipendien ausgeben können.
Die Stipendien müssten genau von denen zur Verfügung gestellt werden, die an hoch qualifizierten Absolventen interessiert sind. Und das ist ja bekanntlich nicht nur "die Wirtschaft".
Die Unis selbst benötigen für das was die Gesellschaft von ihnen verlangt nur einen vergleichsweise geringen Anteil der Absolventen, die sie ausbilden, und die können sie mit entsprechend angesetzten Studiengebühren durchaus finanzieren. Aber da sollten zur Vermeidung intellektueller Inzucht strenge Regeln gelten, die sicher stellen, dass höchstens 20 % des lehrenden und forschenden Personals aus den Absolventen der eigenen Uni rekrutiert werden dürfen.
Was auch immer die Aussage des Artikels sein soll, eines ist sicher: studieren wird normal. Irgendwann werden wohl auch alle Matura haben. Die Angstphantasien der Möchtegern-ElitemacherInnen werden wahr. Auch die Formel, mit der man Geldmittel in ProfessorInnen und Studierende umrechnen kann, ist keine Konstante. Der Hebeleffekt heisst Effizienz. Es ist keine Abgemachte sache, dass jedeR StudierendeR jeder Studienrichtung möglichst von einer eigenen Lehrperson direkt am Händchen gehalten werden muss, damit nacher auch was Vernünftiges herauskommt. Mit der alten Elite-Beschränke-Denke werden wir aber aus dem bildungspolitischen Mittelalter nicht so schnell herauskommen.
kann es ihnen nicht an Zeit fehlen, also braucht man auch keine weiteren Professorenstellen.
Wenn sie wirklich mit dem Andrang nicht zurecht kämen, würden sie ja wohl das Niveau senken und jedem das gewünschte Zeugnis in die Hand drücken.
Dass sie das nicht tun, entlarvt sie als eliteversessene Prestigebewahrer, die ihren feuchten Träumen von der amerikanischen Eliteuni, für die sie selbst viel zu schlecht waren, nachhängen und eine Karikatur davon an ihrer eigenen Uni aufziehen wollen.
Es ist aber nicht Aufgabe der Universitäten der Republik, die feuchten Eliteträume der Totalversager, die ihre selbst konzipierten Bachelorstudien selbst nicht bestehen würden, umzusetzen.
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Gerade die Beispiele Architektur/Raumplanung und Informatik an der TU Wien zeigen, dass die Lehrer/innen dort auf der Freien Wildbahn namens Arbeitsmarkt nicht überlebensfähig wären. Nur vermitteln sie den Grund ihrer Unvermittelbarkeit und Flucht an den warmen Herd Uni noch an tausende Studis, denen damit eine Beschäftigung, wie sie Universitätsabsolvent/inn/en angemessen wäre, lebenslang verunmöglicht.
Soviele prekäre Arbeitsverhältnisse ausgebildeter Akademiker gibt's wohl kaum sonst wo. Befristungen sind an der Tagesordnung, mit der zwingenden (!) Aussicht auf das AMS nach sechs Jahren wegen der unseligen Kettenvertragsregelung. Dass da bei den (jungen) Uni-Lehrern eher weniger Motivation aufkommt, dürfte verständlich sein, zumal die Lehre im neuen Kollektivvertrag nicht mal bezahlt wird.
wird sich nichts ändern und die Verarschung der Öffentlichkeit durch die Politik (Bildung ist wichtigste Zukunftsinvestition) wird weitergehen.
Den Versuch gab es, der wurde ausgesessen, zT durch Rektoren verhindert, od mit staatlichem Zwang ohne Ergebnis befriedet. Und die Generation, die der unibrennt-Generation nachgefolgt ist, hat sich schon eher mit den Zuständen abgefunden. Hoffentlich reinschaffen, schnell durch und weg. Ganz im Sinne der Erfinder der Bologna-Uni, die effiziente Heranzucht der zukünftigen höheren Funktionsträger.
Da bleibt halt nicht viel von Uni, von kritischem Denken, und ähnlich jetzt Unerwünschtem über. Daher sehe ich Protest od Widerstand von seiten der Uni derzeit nicht kommen, außer vllt flehentlichen Appellen. Und dem Verhindern und Bekämpfen kleinerer Proteste bereits auf Ebene der Univerwaltung. Schade, aber ist so.
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