Wahlkampf in Italien: Professor und Cavaliere

Kommentar | Gerhard Mumelter, 20. Dezember 2012, 17:54

Monti und Berlusconi gehen mit unterschiedlichen Voraussetzungen in den Wahlkampf

Dass Mario Monti und Silvio Berlusconi einander nicht mögen, ist ein offenes Geheimnis. Zwar hat der Cavaliere selbst den Professor 1994 zum EU-Kommissar gemacht, doch seither haben sich beide gründlich auseinandergelebt. Da Monti Berlusconis populistische Auftritte verabscheut, dürfte er die Einladung des Cavaliere zu mehreren TV-Duellen ablehnen. Beide gehen mit unterschiedlichen Voraussetzungen in diesen Wahlkampf: Montis Popularität ist in einem Jahr von 75 auf 43 Prozent gefallen. Seine eindeutige Parteinahme könnte diesen Wert nun halbieren. Berlusconi hat hingegen nichts zu verlieren: Seine Partei lag noch vor einer Woche bei bei kläglichen zwölf Prozent und ist in wenigen Tagen auf 17 angestiegen. Dass Berlusconis bizarrer Auftritt in einer TV-Talkshow von 2,2 Millionen Zuschauern verfolgt wurde, ist bedenklich.

Monti hätte seinerseits locker zum Staatspräsidenten aufsteigen können. Doch er hat es sich in den Kopf gesetzt, die Italiener von der Güte seiner Reformen zu überzeugen. Ein waghalsiges Unterfangen angesichts schlechter Wirtschaftsdaten und wachsender Frustration.

Bleibt die Frage, was der Premier jetzt, wo er den Ruf des Unparteiischen los ist, mit den 20 Prozent anfangen kann, die die Meinungsforscher ihm zubilligen. Da hat es Berlusconi einfacher: Er kann einfach dreinschlagen und hat dafür eigene TV-Sender zur Verfügung. Nicht auszuschließen, dass beide am Schluss fast gleichauf liegen werden. (Gerhard Mumelter, DER STANDARD, 21.12.2012)

Integrität versus Korruption, Intellekt versus Populismus, Anstand versus...

...

Es ist schon gut, daß Monti kandidiert. Bislang war er, dem gern vorgeworfen wird, "nicht gewählt" worden zu sein (als ob die anderen Premiers "gewählt" wurden), vom Parlament abhängig, das bei seiner Einsetzung da war. Und weil er kein Diktator ist, mußte er alle Reformversuche in diesem Parlament durchbringen. Daher sein oft kritisiertes "Scheitern", das am egoistischen und privilegienversessenen Parlamentsapparat lag.

Jetzt haben die Italiener die Chance, Monti zu "wählen": D.h. eigentlich v.a. jene korruptionsanfällige, in Einzelfällen mafiahörige, Angehörige anderer Parteien nicht zu wählen, indem sie für Montis Gruppe stimmen.

Forza Mario! In bocca al lupo!

...

Das Wahlergebnis wird allerdings auch ein Licht auf die Wählerschaft werfen:

Integrität vs Korruption, Anstand vs Laszivität, etc. ...

ich wünsch mir beide weg (bzw. zumindest nicht in der nächsten regierung). der eine repräsentiert die italienische mafia, der andere die internationale finanzmarktmafia.

In Italia geht's wenigstens ehrlich zu!

Da weiß man, was man hat: Pest oder Cholera, Goldman gegen Mafia - möge der "Bessere" (zwinker, zwinker) gewinnen!

Das gute ist, dass es jetzt nicht mehr einen Wahlkampf mit dem rechten und linken Lager gibt. Bersani kann da nur profitieren. Berlusconis Angst Schüren von den ehemaligen Kommunisten wird nicht mehr so wirken.

es gibt immer noch

den Spread, der sich wohl gegengleich zu Berlusconi bewegen wird

je grösser die mumie, desto grösser der spread,

hätte ich gemurmelt. aber wer kennt schon die märkte ...

uno stato

largamente nirwanico hat Monti das Italien Berlusconis gerade beschrieben, habe gebruellt vor lachen

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.