Montis beredtes Schweigen macht Berlusconi nervös

20. Dezember 2012, 17:53
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Es gilt als ausgemachte Sache: Italiens parteiloser Premier Mario Monti wird sich nicht aus der Politik verabschieden, sondern mit Ferrari-Chef Luca di Montezemolo gegen Silvio Berlusconi antreten. Dieser schäumt vor Wut

Viel Getöse um wenig Konkretes. In Italiens hektischem Vorwahlklima scheint vorerst nur eines wirklich gewiss: der Wahltermin am 24. Februar. Fest steht aber auch, dass der scheidende Interimspremier Mario Monti ins Rennen geht - seine Absichten bleiben allerdings mit viel Geheimniskrämerei behaftet.

Dass Monti aber höchstpersönlich um einen Sitz als Abgeordneter kandidiert, gilt als unwahrscheinlich, da er bereits Parlamentarier ist, nämlich Senator auf Lebenszeit. Dennoch: Der Regierungschef und seine engsten Mitarbeiter wollen bis zum Wochenende eine Zentrumsunion mit starker katholischer Präsenz und möglichst wenigen Berufspolitikern aus der Taufe heben. Ihr sollen die Christdemokraten unter Pier Ferdinando Casini, Gianfranco Finis Futuro e Libertá (Zukunft und Freiheit) und Luca di Montezemolos Bewegung Verso la Terza Repubblica (Auf dem Weg zur Dritten Republik) angehören.

Für den Senat ist wegen der hohen Sperrklausel von acht Prozent eine gemeinsame Liste vorgesehen, für die Abgeordnetenkammer ein Bündnis aus zwei oder mehreren Listen.

Monti wird am Wochenende sein mit Spannung erwartetes "Manifest" vorstellen. "Dem Premier ist durchaus bewusst, dass sein Reformwerk unvollendet ist, und er zeigt daher großes Interesse, es zu vollenden", versicherte Minister Andrea Riccardi, einer von Montis Vertrauten.

Montezemolos Bewegung hat indes mit der Sammlung der nötigen 60.000 beglaubigten Unterschriften begonnen. Neben dem Ferrari-Chef sollen vor allem Vertreter der Zivilgesellschaft Wähler anlocken: Historiker, Wirtschaftswissenschaftler, Gewerkschafter und Universitätsrektoren.

"Opfer" für Italien

Unklar bleibt, wie viele Politiker Berlusconis PdL den Rücken kehren und zu einer der neuen Listen überwechseln. Im Gespräch sind u. a. der frühere Außenminister Franco Frattini und der Fraktionschef im EU-Parlament, Mario Mauro.

Silvio Berlusconi zeigt sich unbeirrt, verrät aber durch aggressive Rhetorik Nervosität. Monti sei "nichts weiter als einer kleiner Darsteller", ein "Deus ex Machina" , der Wahlhilfe für die Linke leiste. Vor einem TV-Duell habe er keine Angst. "Ich will jene Wähler wiedergewinnen, die uns bei den letzten Wahlen 40 Prozent beschert haben." Sein Comeback sei ein "Opfer" für Italien.

Der Vorsitzende des Partito Democratico, Pier Luigi Bersani, betrieb inzwischen Imagepolitur in Brüssel und traf dort EU-Präsident Herman Van Rompuy und Kommissionspräsident José Manuel Barroso. Als erste Amtshandlung würde er ein Gesetz zur Regelung von Interessenkonflikten erlassen, erklärte Bersani in Anspielung auf Berlusconi.

Gegen Monti werde er keinen Wahlkampf betreiben, versicherte der klare Favorit, dessen Partei am 29. und 30. Dezember die dritten Vorwahlen innerhalb weniger Wochen abhält: In allen Wahlkreisen der Halbinsel soll die Basis über die Kandidatenlisten entscheiden. Bersani: "Ein weltweit einmaliger Vorgang." Als erste Partei Italiens werde der Partito Democratico mehrheitlich Frauen ins Parlament bringen. (Gerhard Mumelter, DER STANDARD, 21.12.2012)

  • Alle einig im Bemühen, einen neuerlichen Wahlsieg von Silvio Berlusconi zu verhindern: Luca di Montezemolo,...
    foto: photo/michael probst

    Alle einig im Bemühen, einen neuerlichen Wahlsieg von Silvio Berlusconi zu verhindern: Luca di Montezemolo,...

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    ...Mario Monti...

  • ...und Pier Ferdinando Casini.
    foto: epa/isabella bonotto

    ...und Pier Ferdinando Casini.

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