Radlerwünsche ans Christkind

Kolumne |
  • Das Wiener Christkindl sollte sich angesprochen fühlen. Vielleicht auch der irdische Adressat im Bild rechts.
    foto: apa/oceret

    Das Wiener Christkindl sollte sich angesprochen fühlen. Vielleicht auch der irdische Adressat im Bild rechts.

Ganz oben auf der Liste: Rechtsabbiegen bei Rot

Weil Weihnachten die Zeit ist, in der Wünschen erlaubt ist, schickte dieser Tage auch der VCÖ ein Brieferl ans Christkind in die Welt.

Eigentlich war es ja eine aufmunternde Einladung an Politik und Medien, sich eines alten Radfahrerwunschthemas wieder einmal anzunehmen.

Doch da man weiß, wie Verkehrspolitiker hierzulande reagieren, sobald Radagenden Autofahrer ärgern könnten (und Auto-Lobbyisten ärgert ja schon das R-Wort an sich), macht sich VCÖ-Sprecher Christian Gratzer keine Illusionen: Seine Anregung, "die positiven Erfahrungen in Belgien sollten Anlass sein, einen Pilotversuch in Österreich zu starten", wird entweder beim Christkind, beim Salzamt oder in der politischen Rundablage landen.

In Belgien durften Radler nämlich versuchsweise, was in den USA mancherorts sogar Autos dürfen - hierzulande aber als großes Rad-Verbrechen gilt: Rechtsabbiegen bei Rot nämlich.

Kein Blech-, kein Blutzoll

An acht Brüsseler Kreuzungen, an denen der Abbieger sich in Bus- oder Radspuren einordnet, wurde das Unglaubliche per eigenem Verkehrszeichen gestattet. Ein halbes Jahr lang. Siehe da: Der Blech- und Blutzoll war, entgegen manchen Unken- und "Wahnsinn"-rufen, exakt null. Grund genug, das Abbiegen auch anderswo zu gestatten. Laut Brigitte Grouwels, Belgiens Staatssekretärin für Verkehr, bei bis zu 255 Brüsseler Kreuzungen.

Radfahrer in Österreich bekommen da sehnsüchtig leuchtende Augen - und fangen an zu träumen, oder zu wünschen. Und auch wenn es nix bringt: Zu Weihnachten ist das ja wohl erlaubt. (Thomas Rottenberg, DER STANDARD, 21.12.2012)

Share if you care