Unisex-Tarife: Brüssel mahnt Versicherer

20. Dezember 2012, 14:30
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Es dürfen keine Mehrkosten durch die neuen Tarife entstehen - Folgen der Neuregelung sind schwer vorhersehbar

Brüssel - Die neuen Unisex-Tarife bei Versicherungen sollen laut EU-Kommission insgesamt nicht mit Mehrkosten für die KundInnen einhergehen. "Insgesamt sollten sich die Änderungen mit der Zeit die Waage halten", erklärte die Kommission am Donnerstag in Brüssel. Allerdings seien "die tatsächlichen Auswirkungen der Änderungen schwer vorherzusagen", gestand die Behörde ein. Ab Freitag müssen Versicherer bei vielen Policen die gleichen Tarife für Männer und Frauen anbieten.

Klar ist, dass dann manche Tarife für Männer und andere für Frauen teurer werden können. Beispiel Kfz-Versicherung. Im Durchschnitt verursachen Frauen seltener Unfälle als Männer. Darum sind ihre Prämien meist niedriger. In Zukunft dürfen ungleiche Prämien nicht mehr vom Geschlecht abhängig gemacht werden, die Prämien gleichen sich demnach voraussichtlich an - Männer kommen demnach eher billiger davon als ehemals, für Frauen wird es teurer.

Autoversicherung: Nachteil für Frauen

Allerdings dürfen die Versicherer Risikofaktoren durchaus weiter berücksichtigen. Sie können zum Beispiel in Rechnung stellen, dass eine bestimmte Frau im bisherigen Leben als Autofahrerin weniger Unfälle gebaut hat als ihr Ehemann und sie deshalb weniger zur Kasse bitten als ihn, wie die Kommission klarstellte.

Pensionsversicherung: Vorteil für Frauen

Umgekehrt ist es bei Versicherungen zur privaten Rentenvorsorge. Hier galten bisher Frauen gleichsam als Risikofälle - weil sie länger leben und so länger Anspruch auf die Auszahlungen haben. Sie mussten daher oft teurere Prämien zahlen - hier dürfte sich das Prämienniveau zu ihren Gunsten verschieben.

Preisniveau ist unklar

Während dies voraussehbar ist, ist die Tendenz für das generelle Preisniveau unklar. Die EU jedenfalls mahnt die Branche zur Fairness: "Die Branche sollte imstande sein, den Verbrauchern attraktive Unisex-Produkte anzubieten, ohne dass dies ungerechtfertigte Auswirkungen auf das allgemeine Preisniveau hat", hieß es in einer Erklärung aus dem Haus der federführenden Justizkommissarin Viviane Reding. Aus der Unisex-Regel folgende Beitragssenkungen sollten die Versicherer demnach genauso an die Kunden weitergeben wie Erhöhungen.

Am Freitag läuft Übergangsfrist aus

Mit den Unisex-Tarifen wird ein Urteil des Europäischen Gerichtshofes vom März 2011 umgesetzt. Das Gericht hatte die pauschale Ungleichbehandlung von Frauen und Männern bei den Versicherungen als Diskriminierung beurteilt und für die Zukunft verboten. Am Freitag läuft die Übergangsfrist ab. (APA, 20.12.2012)

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