Heimische Wirtschaftsforscher sehen Licht am Konjunkturhimmel

20. Dezember 2012, 13:25
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Die Perspektiven haben sich verbessert, Angst herrscht aber vor der Eurokrise und budgetären Wahlzuckerln

Das Konjunkturtief in Österreich dürfte mehr oder weniger bald überwunden sein. Die heimischen Wirtschaftsforscher erwarten ab dem Jahreswechsel eine leichte Belebung. Für 2013 rechnen Wifo und IHS mit 1,0 bzw. 0,8 Prozent realem BIP-Zuwachs für Österreich, 2014 sollte sich das Wachstum dann auf 1,8 Prozent beschleunigen. Heuer dagegen legt das BIP nur um bescheidene 0,6 bis 0,7 Prozent zu, erklärten die Institute am Donnerstag.

Die Arbeitslosenquote wird trotz eines anhaltenden Beschäftigungswachstums leicht steigen und 2013 und 2014 hoch bleiben. Die Inflation sollte durch die schwache internationale Konjunktur und die deswegen gedämpfte Entwicklung der Energie- und Rohstoffpreise zurückgehen. Nach 2,4 (Wifo) bzw. 2,5 Prozent (IHS) in diesem Jahr soll die Inflation 2013 auf 2,1 bzw. 1,8 Prozent sinken und 2014 bei etwa 2,0 oder 1,9 Prozent liegen.

Warnung vor budgetären "Wahlzuckerln"

Die Chefs von Wifo und IHS, Karl Aiginger und Christian Keuschnigg, warnen indes die Politik angesichts des "Superwahljahres" 2013 vor budgetären Wahlzuckerln. Aiginger versteht darin die Bedienung einer "bestimmten Klientel, die laut schreit", ohne dass es sich dabei um sinnvolle Investitionen handelt. Man sollte solchen "Versuchungen nicht erliegen", ergänzte Keuschnigg.

Auch wenn sinnvoll in die Zukunft investiert werde - etwa in Kindergärten, Schulen, Universitäten -, sollte das "aus dem bestehenden Volumen" geschehen, etwa durch Bürokratie-Abbau, forderte Aiginger. Die mit rund 50 Prozent ohnedies schon hohe Staatsquote sollte dafür nicht erhöht werden, meinten Aiginger und Keuschnigg unisono.

Leicht verbessert

Die österreichische Volkswirtschaft dürfte im zweiten Halbjahr 2012 stagniert haben. Bedingt durch die umfangreichen öffentlichen Sparprogramme im Euro-Raum und eine anhaltend schwierige Wirtschaftslage in den Nachbarländern bleibt das Wachstum verhalten.

Allerdings haben sich die Perspektiven für die österreichische Volkswirtschaft gegenüber der September-Prognose des heimischen Wirtschaftsforschungsinstituts (Wifo) etwas verbessert. Das Risikoumfeld sei aber weiterhin differenziert. Der Export bleibe ein Fragezeichen, hängt er doch von der Kaufkraft Resteuropas und der Welt ab. Die Situation sei geprägt von der zum Teil tiefgreifenden Rezession in einigen Euro-Ländern und von der Verlangsamung der weltweiten Dynamik.

Das IHS erwartet für heuer eine Defizitquote (laut Maastricht) von 3,1 Prozent des BIP, für 2013 dann 2,6 Prozent und für 2014 schließlich 1,5 Prozent. Das Wifo rechnet für heuer mit einem negativen Finanzierungssaldo des Gesamtstaates von ebenfalls 3,1 Prozent, für 2013 werden 2,6 und für 2014 dann 2,0 Prozent des BIP angenommen. (red, derStandard.at, 20.12.2012)

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    Aufhellung am Konjunkturhimmel sehen die Wirtschaftsforscher.

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