IWF fordert für Zypern Schuldenschnitt

20. Dezember 2012, 08:27

Der Währungsfond will ein Hilfspaket der Euroländer nicht mittragen und plädiert auf Schuldenerlass

Berlin/Brüssel - Der Internationale Währungsfonds (IWF) ist einem Zeitungsbericht zufolge nicht dazu bereit, das geplante Hilfspaket der Euroländer für Zypern in der bisher diskutierten Form mitzutragen. Der IWF verlange einen Teilerlass der zypriotischen Staatsschulden ähnlich dem bereits erfolgreich umgesetzten Forderungsverzicht privater Gläubiger für Griechenland, berichtete die "Süddeutsche Zeitung" vorab unter Berufung auf Verhandlungskreise. Andernfalls werde das Land auch nach Abschluss aller Reformen nicht in der Lage sein, seine Zinslast zu tragen.

Der Vorschlag sei unter den Euroländern umstritten, berichtete das Blatt weiter. Während einige Regierungen einen Schuldenschnitt für Zypern befürworteten, sähen andere Euro-Staaten einen solchen Schritt skeptisch. Schließlich habe man beim erzwungenen Forderungsverzicht der privaten Banken gegenüber Griechenland stets betont, dass es bei diesem Einzelfall bleiben solle. Breche man dieses Versprechen nun, werde die gesamte Eurozone erneut an Vertrauen und damit an Kreditwürdigkeit verlieren.

Um Notkredite angesucht

Eine Lösung ist offenbar nicht in Sicht. "Die Lage in Zypern ist wesentlich dramatischer als die in Griechenland", sagte ein ranghoher EU-Beamter der Zeitung. Für Deutschland dürfte ein Hilfspaket für Zypern ohne Beteiligung des IWF keine Option sein. So hat Kanzlerin Angela Merkel in der Vergangenheit ein Mitwirken des Fonds bei Hilfsprogrammen stets als essenziell bezeichnet. Als eine denkbare Lösung gilt dem Bericht zufolge, dass Russland fünf Milliarden Euro an den IWF überweist, der das Geld seinerseits nach Nikosia weiter reicht. Damit bliebe der Fonds formal an Bord, müsste aber kein eigenes Geld in die Hand nehmen. Russische Bürger haben riesige Guthaben auf zypriotischen Konten geparkt.

Zypern hatte im Sommer als drittkleinstes Mitgliedsland der Währungsunion beim Euro-Rettungsschirm ESM einen Antrag auf Notkredite in Höhe von 17,5 Milliarden Euro gestellt. Davon dürften mehr als zehn Milliarden Euro in den relativ großen Bankensektor des Landes fließen, der eng mit dem Krisenherd Griechenland verflochten ist. (APA, 20.12.2012)

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21 Postings
Warum "Eurokrise" und nicht einfach "Schuldenkrise"?

Was ich seit Beginn dieser Krise nicht verstehe ist warum die Krise immer als "Eurokrise" bezeichnet wird. Es handelt sich doch eindeutig um eine klassische Schuldenkrise so wie sie in der Geschichte schon oft vorgekommen ist. Die Nachteile einer nicht erfolgten Abwertung (teurere Exporte) werden doch auf der anderen Seite von großen Vorteilen wie weitgehende Preisstabilität und geringere Kapitalflucht ausgeglichen. Hätten Gr, Sp, Port, etc. ihre nationalen Währungen und diese würden massiv abwerten würde doch noch viel mehr Kapital fluchtartig das Land verlassen um einer weiteren Abwertung zu entgehen. Viele Euro Staaten wie D, Ö, Nl,etc. stehen sehr gut da. Ich kann also die "Eurokrise" einfach nicht erkennnen. Kann mich jemand aufklären?

Bail out für die Russenmafia ?

Das sollen die Russen machen, allein und ohne EU-Geld.

Und dann gehört untersucht, wer dieses Land in den Euro gelassen hat, und für wie viel.

Schuldenschnitt ja, aber ordentlich.

Hilfsgelder soll es nur geben, wenn auch die Gläubiger bereit sind zu verzichten. Im Gegenzug könnte diesen Anleihen des EFSF angeboten werden.

Um den guten Ruf braucht sich Europa nicht mehr zu sorgen. Den haben sie schon in GR verloren. Wenn Europa nun zeigt, dass es einen Schuldenschnitt ohne Konkursverschleppung zusammenbringt, dann kann es seinen Ruf sogar verbessern.

Dass ein Staat pleite gehen kann, sollte den Investoren stets bewusst sein - auch in Europa (No-Bailout-Klausel). Es kann aber nicht sein, dass die Investoren verzichten müssen, während weiterhin Rüstungsgeschäfte angewickelt werden und die Reichen des Landes keinen steuerlichen Beitrag leisten.

Ein großzügiges Weihnachtsgeschenk für alle.

Die Zyprioten sollten ein Weihnachts-Paket vom Staat erhalten. Darin enthalten:

1) Ein Konto und ein Wertpapierdepot bei einer zypriotischen Staatsbürgerbank
2) Ein Gutschein für einen Kredit in der Höhe der Pro-Kopf-Staatsverschuldung zu 1 % Zinsen
3) Ein Vorkaufsrecht für Staatsanleihen in der Höhe des Kredits mit 3 % Anleihezinsen

Nach Weihnachten werden die Kreditgutscheine und Vorkaufsrechte eingelöst, Zypern kauft mit dem Erlös der Bürger-Anleihen seine Schulden (Anleihen am Markt) zurück und ist damit de-facto schuldenfrei.

Dabei verzichtet der Staat am besten auf Spekulationsgewinne beim Rückkauf der Anleihen, damit sind die Gläubiger des Staates (Hedgefonds, Banken) auch glücklich.

http://niveus.at/umschuldung

"Gutschein für einen Kredit"

Und warum sollte sich ein Bürger verschulden? Also, ich würde, wenn ich Zypriot wäre und Ihr Modell umgesetzt werden würde, den "Gutschein für einen Kredit" verfallen lassen und mich sicher nicht verschulden. Denn Schulden bedeuten immer Abhängigkeit und in weiterer Folge ein Art Sklaventum. Ausserdem ist das doch reine Zockerei.

Bessere Ideen:

1. Die EZB stellt unlimitiert Geldmittel zur Verfügung. Über die zu gründende z. Staatsbank dieses Geld nehmen und damit Schulden "rückkaufen". Siehe Griechenland.

oder

2. Zypern in den Bankrott schicken. Dafür gibt es Versicherungen wie diese "Kreditausfallssicherungen". Die zahlen den Schaden und alles ist wieder ohne neue Schuldenmacherei gut.

PS: Kleines Detail am Rande

ad 1) Die Idee des Schuldenrückkauf ist nicht von der EZB sondern stammt vom Weißbuch Niveus (vormals Ökonetik) und wurde von der EZB kopiert. Die Idee ist nicht besser sondern die gleiche - eine kreditfinanzierte Umschuldung auf einen Kreditnehmer:
http://niveus.at/umschuldung

Im Forum wird darüber schon seit Juni gepostet:
http://derstandard.at/plink/134... id27240452

Die EZB hat den Fehler gemacht in Zeiten einer weitreichenden Finanzkrise die Banken zu Bail-out-Debitoren zu machen. Damit setzen sie das gesamte Eurosystem aufs Spiel.

Ist ja o.k., wenn sie eine andere Ideen haben, interpretieren sie aber deswegen meine nicht falsch.

Ist doch klar - wir zahlen doch gerne. Überhaupt deshalb, weil sich Zypern so lieb um unsere Steuerflüchtlinge kümmert.

Zypern soll erst mal die Steuern für Kaptial und Gewinne erhöhen

Zypern ist schließlich die EU eigene Steueroase, die stehen den Caymans um nichts nach.

...gerade deshalb bleibt's ja so....;-)

Es werden auch hier EU-Gelder fließen

Es ist natürlich vollkommen falsch, in diesem Zusammenhag zu suggerieren, dass hier keine EU-Gelder fließen müssten. Da ein Schuldenschnitt Zyperns fast ausschließlich die ohnehin bankrotten griechischen Banken als größte Gläubiger Zyperns treffen würde, müssten diese wieder über EU-Zahlungen rekapitalisiert werden. Der IWF bedingt sich, wie gehabt, anders als bei den nachrangigen EU-Krediten, ein vorrangiges Rückzahlrecht aus, sodass dann Russland mit dem kleinstmöglichen Risiko sich mit dem entsprechenden Pomp und Renommee als hilfreicher Bruder sowohl seiner Oligarchen als auch der Eurozone gebärden kann. Es ist inzwischen tatsächlich nicht mehr zu fassen, in welchen Abgrund diese völlig missratene Währungsunion noch führen wird.

Arroganz und Ignoranz wird irgendwann bestraft...

Der Norden kann sich auf tolle Zeiten einstellen...

Schuldenschnitt für alle!

Für alle Privaten, Firmen, Staaten...

*Ironie off*

wieso ironie?

nennt sich währungsreform und findet ca. alle 60 - 70 jahre statt, die letzte bei uns war 1948.....

ist allerdings nicht nur ein schuldenschnitt, sondern natürlich auch ein guthabensschnitt, der sämtliche papierwerte auf einen schlag entwertet.

besser wäre ein gereglter staatsbankrott für alle mit anschließendem neustart unter einem NACHHALTIGEN geldsystem, das nicht alle 2 generationen aufgrund seiner eigenen mathematik explodiert

nennt sich Währungsreform und findet in Zentraleuropa und der dritten Welt immer wieder statt. Nicht aber in Staaten, die wirtschaften können.

"Breche man dieses Versprechen nun, werde die gesamte Eurozone erneut an Vertrauen und damit an Kreditwürdigkeit verlieren."

So ist es! Und genau daher kann der Euro auch nicht "gerettet werden: Bald werden auch die angeblich "soliden" Staaten einen Schuldenerlass brauchen, was zu einer Vernichtung von Guthaben in Billionenhöhe führen wird (Lebensversicherungen, Privatpensionen etc.), hierauf wird die große Flucht aus allen Staatsanleihen beginnen, welcher nur noch mit absurd hohen Zinsen begegnet werden kann: Game Over!

Nach dem Griechenlanddesaster folgt Zypern

Nicht nur Griechenland, Zypern sondern auch Portugal, Spanien und Belgien sind bankrott und die Grande Nation steht kurz vor dem Abgrund. Wenn alle gerettet sind, ist auch Österreich pleite. Das Volk hat ein Recht und die Politik die Pflicht zur vollständigen Information.

Rund 4 Jahre Krisenbewältigung durch die Machthaber und heute stehen die EU-Staaten schlechter da als 2008, womit wohl die Vergemeinschaftung der Schulden sich letzten Endes als falsches, jedoch für die Steuerzahler überaus teures Konzept herausstellt.

http://www.wienerzeitung.at/meinungen... litik.html

Der Währungsfond will das geplante Hilfspaket der Euroländer nicht mittragen

Österreich zahlt sicher ist ja nur Steuergeld!

Zypern ist das größte Steuerparadies der Währungszone!

Spezialisiert hat man sich auf Schwarzgeld dubioser Herkunft (vor allem aus Russland). - Also wenn das jetzt mit europäischem Steuergeld unterstützt wird, ist der Ofen aus.

Es gibt auch für eine Zypernhilfe keine Mehrheit in Deutschland und anderen Ländern. - Aber wenn schon und den Auflagen eines radikalen Umbaus der Steuergesetzgebung und des Bankensektors!

Wie soll da nur annähernd etwas wie eine "Wirtschaftsregierung" der Eurozone zustandekommen, wenn man derartige parasitäre Volkswirtschaften duldet?

lösungsorientierte politik vs. Moral & Ethik

auf der einen seite ist es verständlich, dass die europ. union sich nicht wg. relativ kleiner summen eine neue flanke eröffnen will, andererseits halte ich es tatsächlich für geradezu verwerflich die guthaben jener mit dem steuergeld der billa kassiererin zu retten, die sich freiwillig und ohne not der solidargemeinschaft entzogen und ihr geld lieber steuerschonend in ihrer zypriotischen briefkastenfirma geparkt haben.
wir retten hier herrn grassers schwarzgeld-konten.
man sollte sich mal grundsätzlich die frage stellen, ob ein konstrukt wie die eu oder der euro, das so ein vorgehen notwendig und sinnvoll macht, überhaupt mit unseren grundwerten vereinbar ist.
ich bin aber kein eu gegner...ich habe für mich noch keine antwort gefunden.

Das ist eine richtige Analyse!
Ich unterstütze auch den Verbleib von Griechenland in der Währungszone - solange es für die Griechen volkswirtschaftlich noch Sinn macht.

Aber ich bin der festen Überzeugung, dass die Kapitalverkehrsfreiheit endlich mal hintangehalten werden muss. - Sie ist für den normalen EU-Bürger die nebensächlichste der Grundfreiheiten.

Nicht verbieten, aber absolut transparent machen! - Und Steuerschlupflöcher (auch in Österreich) abstellen. Das gezielte Ausnützen von steuerschonend abfließendem Kapital in kleine Volkswirtschaften gehört abgestellt!

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