Österreich droht nächster Wirtschaftseinbruch

  • Nicht mehr oben auf: Der Aufschwung habe in Österreich an Dynamik verloren
    foto: apa/jens büttner

    Nicht mehr oben auf: Der Aufschwung habe in Österreich an Dynamik verloren

ÖGB-Chef Foglar und die Ökonomin Merz-Gehring sehen schwarz, Österreich droht die Gefahr eines Double-Dips

Wien - ÖGB-Chef Erich Foglar und die Wiener Ökonomin Monika Merz-Gehrig sehen Österreich kurz vor dem nächsten Wirtschaftseinbruch. In Österreich und Deutschland spreche man nicht gerne über die Rezession in der Eurozone, die Österreich auch bald wieder einholen könnte, warnte Merz-Gehring am Mittwochabend bei einer Veranstaltung in Wien. "Die Rezession in Europa wird auf professionellste Art und Weise herbeigespart, die man sich nur vorstellen kann", kritisierte Foglar die Sparpolitik der europäischen Regierungen.

Die Wiener Ökonomin warnte vor einer "double dip"-Rezession - einem Wirtschaftsabschwung mit zwei Talsohlen - in Österreich. Der Aufschwung habe hierzulande an Dynamik verloren. Der "Wachstumstrend" vor der Wirtschaftskrise sei in Österreich bisher nicht wieder erreicht worden, sagte sie beim Symposium der Akademie der Wissenschaften, das sich mit dem Thema "Langfristige Beschäftigungssicherung in Österreich: Arbeitsentlohnung und Umwelterhaltung" befasste.

Asynchron

"Erstmals seit dem 2. Weltkrieg entwickeln sich die Konjunkturzyklen in den USA und Europa nicht mehr synchron", erinnerte die Volkswirtschaftsprofessorin, die sich an der Universität Wien vor allem mit Arbeitsmärkten beschäftigt. Das deutlich höhere Wachstum in den USA nach der Wirtschaftskrise 2008/09 als in Europa sei auf die expansive Geldpolitik der US-Notenbank Fed und die stärkeren Handelsverflechtungen mit Asien zurückführen. Dennoch hätte sich das höhere Wachstum in den USA nicht in höheren Beschäftigungszahlen niedergeschlagen, man spreche dort von "jobless growth". Für Österreich empfahl die Ökonomin im Bildungssystem Fachkenntnisse in den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik verstärkt zu fördern, um zusätzliches Wirtschaftswachstum zu stimulieren.

Laut ÖGB-Chef Foglar hat Österreich die Wirtschaftskrise 2008/09 besser überstanden, weil der heimische Wohlfahrtsstaat mit seinen "automatischen Stabilisatoren", wie der Arbeitslosenversicherung, die Krise abgefedert habe. Auch hätten exportorientierte Länder mit guter Industrie- und Gewerbestruktur die Rezession besser überstanden. Foglar erinnerte, dass sich sogar der Anteil der Industrie an der Wirtschaftsleistung in Österreich zwischen 1960 und 2007 von 16 auf 20 Prozent erhöht hätte, während es in anderen europäischen Ländern zu einer Teils massiven Deindustrialisierung gekommen sei. (APA, 19.12.2012)

Share if you care