Strahlende Wahlsiegerin und umstrittene Erbin

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    foto: reuters/kim

Park Geun-hye wird erste Frau an der Spitze Südkoreas

Ihre Gegner bezeichnen sie als "Eisprinzessin", sie selbst nannte jüngst in einem Interview die englische Königin Elisabeth I. ("die jungfräuliche Königin") als Vorbild. Südkoreas Wahlsiegerin und zukünftige Präsidentin Park Geun-hye ist nicht gerade für ihre Leutseligkeit bekannt; Parteikollegen schätzen dafür ihre Prinzipientreue und vor allem ihr Wahlkampftalent.

Trotz ihrer unaufgeregten Art polarisiert die 60-Jährige die koreanische Gesellschaft. Grund dafür ist vor allem ihre Familiengeschichte: Sie ist die Tochter des ehemaligen Diktators Park Chung-hee, der das Land von 1961 bis zu seiner Ermordung durch den eigenen Geheimdienstchef 1979 mit eiserner Hand regierte und Oppositionelle einsperren und foltern ließ. Viele Südkoreaner rechnen ihm aber auch den rasanten wirtschaftlichen Aufstieg des Landes an.

Dieses ambivalente Erbe stellte Park im Wahlkampf vor Probleme. In einer Rede entschuldigte sie sich bei den Opfern der Diktatur. Sie warb aber auch mit dem Schlager "Lasst uns gut leben!" aus den 1970er-Jahren, der an die wirtschaftlichen Erfolge ihres Vaters erinnern sollte. Seine Machtübernahme bezeichnete sie als "Revolution zur Rettung des Landes".

Lieber erinnert Park aber an ihre Mutter Yuk Young-soo, die für ihren Einsatz für Schwächere in Erinnerung ist. 1974 wurde sie bei einem versuchten Anschlag auf ihren Mann getötet.

Park ist die erste Frau an der Spitze des noch immer stark männlich dominierten Landes. Sie selbst warb mit dem Durchbrechen der "gläsernen Decke", Fraueninitiativen erwarten aber wenig von ihrer Politik. Die politische Konkurrenz versuchte mit Hinweisen darauf zu punkten, dass Park unverheiratet und kinderlos ist.

Ihr Talent, konservative Grundsätze mit einem Gespür für öffentliche Meinung zu verbinden, verhalf ihr als Chefin der konservativen Großen Nationalpartei von 2004 bis 2006 zu zahlreichen Wahlerfolgen. Ein internes Votum um die Präsidentschaftskandidatur 2008 verlor die "Königin der Wahlen" aber.

Ihr Konkurrent Lee Myung-bak wurde Präsident, wegen seiner Sparpolitik sank sein Stern aber schnell. 2011 holte die Partei in der Krise Park zurück an die Spitze. Diese verpasste ihr eine "neue konservative Politik", die mehr Rücksicht auf Benachteiligte nehmen soll. Ein Überraschungssieg bei den Parlamentswahlen zu Beginn des Jahres ebnete ihr den Weg zur Präsidentschaftskandidatur. (Manuel Escher /DER STANDARD, 20.12.2012)

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