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Pannoniasaurus inexpectatus, der erste bekannte Süßwasser-Saurier, konnte zumindest sechs Meter lang werden.
Budapest - Als beschaulicher Urlaubsort hätte die Region wohl nicht getaugt. Feuchter tropischer Wald bedeckte das Land, trübe Flussarme durchzogen es. Eine namenlose Insel im Südwesten der Tethys - des urzeitlichen und ausgedehnten Vorläufers des Mittelmeers. Vor mehr als 83 Millionen Jahren.
Zeit und Tektonik haben viel geändert. Wo sich einst ein unwirtliches Naturparadies mit seltsamen Tierarten erstreckte, befindet sich heute eine Bauxit-Tagebaumine, umgeben von der idyllischen Landschaft des Bakony-Gebirges im Westen Ungarns. Doch es gibt zahlreiche Überreste der prähistorischen Fauna und Flora. Im Jahr 2000 wurde auf dem Gelände der Iharkút-Mine, benannt nach einem ehemaligen Dorf, eine überaus ergiebige Fossilienlagerstätte entdeckt. Seitdem haben Experten dort versteinerte Baumstämme, Blattabdrücke sowie Knochen von mehreren Sauriern, Amphibien, Schildkröten, Fischen, primitiven Vögeln und anderem Getier ausgegraben. Eine erstaunliche Vielfalt.
Unter den Skelettteilen fanden Forscher auch immer wieder Wirbel einer bislang unbekannten Reptilienart. Zähne, Schädel- und Beckenknochen dieser Kreaturen konnten ebenfalls geborgen werden. Der Paläontologe László Makádi vom ungarischen Naturhistorischen Museum in Budapest und sein US-amerikanischer Kollege Michael Caldwell nahmen die Fossilien genau unter die Lupe. Atilla Osi, ein Geologe, lieferte wertvolle Zusatzinformationen über den damaligen Lebensraum.
Langsam, wie ein Puzzle, setzte sich ein Bild zusammen. Die Knochen, so stellten die Wissenschafter erstaunt fest, gehören offensichtlich einer Mosasaurier-, also Meeresreptilienspezies an. Sie tauften ihre Entdeckung auf den Namen Pannoniasaurus inexpectatus. Eine detaillierte Beschreibung wurde heuer im Internet-Fachmagazin "Plos One" (Bd. 7, e51781) publiziert.
Das Besondere an P. inexpectatus ist: Es sind die ersten bekannten Mosasaurier, die offensichtlich in Süßwasser lebten. Die Echsen wurden zumindest sechs Meter lang und dürften somit an der Spitze der Nahrungskette gestanden sein. Ihre Zähne waren gleichwohl nicht sehr groß. Die Forscher glauben deshalb, dass die Tiere vor allem Fische, Schildkröten und vielleicht auch Aas fraßen.
Zu Lebzeiten schon ein Fossil
Interessanterweise weist Pannoniasaurus' Knochenbau eher primitive Merkmale auf, vergleichbar mit jenen älterer Mosasauriergattungen. Wirbel und Becken sind robuster gebaut als jene der zur gleichen Zeit lebenden Meeresmosasaurier. P. inexpectatus lauerte vermutlich im Flachwasser auf Beute und konnte sich eventuell auch noch an Land fortbewegen.
Evolutionsbiologisch gesehen, gibt es noch einen weiteren bemerkenswerten Aspekt. "Pannoniasaurus ist deutlich jünger als seine nächsten Verwandten", sagt László Makádi zum Standard: 15 bis 20 Millionen Jahre. Die Flusssaurier dürften somit damals eine Art lebendige Fossilien gewesen sein. Das gilt auch für einige landlebende Reptilien aus dieser Region, meint Makádi. "Der Tethys-Archipel diente wahrscheinlich als Refugium für solche Spezies." Ähnlich wie heute Australien für Beuteltiere. (Kurt de Swaaf/DER STANDARD, 20. 12. 2012)
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