Wiener Grüne legen sich bei Isel-Kraftwerk quer

Chorherr gegen Wien-Energie-Investition und für generellen Schutz des Virgentales

Wien/Innsbruck - "Es gibt in Österreich Naturräume, die haben Stephansdom-Charakter; die sind ganz besonders schützenswert - und die Isel ist einer davon", betont Christoph Chorherr, Energiesprecher der Wiener Grünen im Standard-Gespräch. Anlass ist die jüngste Aussage der Wien Energie-Geschäftsführerin Susanna Zapreva, wonach die Wien Energie zwar derzeit nicht am geplanten Stauprojekt im Osttiroler Virgental beteiligt sei - "aber wir schauen uns viele Projekte an und verfolgen sie mit großem Interesse". Und sie kenne kein Wasserlaufkraftwerk, das ohne Widerstand errichtet worden sei (der Standard berichtete).

Chorherr erklärt dazu nun, dass er "ausdrücklich den neuen Kurs von Frau Zapreva und großen Teilen der Wien Energie unterstütze" - nämlich die Strategie, den Anteil der erneuerbaren Energieproduktion signifikant zu steigern. "Sowohl im Bereich Solar, wie auch Wind und Wasser - vor allem im Hinblick darauf, dass die Geothermiepläne für Aspern vorerst gescheitert sind."

Auflistung des WWF

Aber beim Kraftwerksprojekt Virgental ist für Chorherr und die Grünen Schluss mit lustig: "Ich fordere die Tiroler Behörden auf, dass sie ein für alle Mal klarstellen, dass die Isel eine freie Flussstrecke bleibt." Und von keiner Gesellschaft verbaut werde: "Es bringt der Isel ja nichts, wenn die Wien Energie nicht einsteigt - aber dafür die deutsche RWE das Kraftwerk errichtet."

Chorherr verweist auf die Auflistung des WWF, wo und in welchem Ausmaß ein Ausbau der Wasserkraft in Österreich noch möglich sei. Und gegen eine Verbauung des "letzten noch unverbauten Gletscherfluss der gesamten Ostalpen" spricht sich der WWF dezidiert aus.

Rückenwind hatten die Gegner des Osttiroler Kraftwerkprojektes vergangenen Sommer seitens der EU-Kommission bekommen: Diese hatte in einem Schreiben bestätigt, dass das Gebiet der Isel einer der zwei bedeutendsten "alpinen Flüsse mit Ufergehölzen von Myricaria germanica" sei - und daher als Natura-2000-Schutzgebiet nachgereicht werden dürfte. (Roman David-Freihsl, DER STANDARD, 20.12.2012)

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