General Motors kauft sich von US-Regierung frei

GM löst sich weiter von der US-Regierung, binnen 15 Monaten will der Staat komplett ausgestiegen sein

Detroit  - Der vor drei Jahren vom Staat gerettete Autobauer General Motors kauft sich Stück für Stück von der US-Regierung frei. Wie die Opel-Mutter am Mittwoch mitteilte, will sie Aktien im Volumen von 5,5 Milliarden Dollar von der Regierung erwerben. Der Kauf der rund 200 Millionen Papiere zum Preis von 27,50 Dollar - ein Aufschlag von knapp acht Prozent auf den Schlusskurs von Dienstag - soll Ende des Jahres beendet sein. Damit sinkt der Anteil des Staates auf 19 Prozent von zuvor 26 Prozent und beschert den USA nach der 50 Milliarden Dollar schweren GM-Rettung einen Milliardenverlust.

Spätestens in 15 Monaten will die US-Regierung gar keinen Fuß mehr in der Tür des wiedererstarkten Detroiter Konzerns haben und auch die restlichen etwa 300 Millionen Aktien abgestoßen haben. Damit dürfte dann General Motors auch seinen ungeliebten Beinamen "Government Motors" wieder verlieren.

Investoren reagierten erfreut. Die GM-Aktie legte rund neun Prozent zu. Anleger rechnen damit, dass der Konzern an Handelsfreiheit gewinnt, wenn der Staat nicht mehr mit am Tisch sitzt. Das Finanzministerium erklärte, es reduziere bestimmte Vorgaben beispielsweise für die US-Produktion. Die Gehälter für Manager bleiben gedeckelt wie es das Tarp-Programm vorsieht.

USA machen mit GM-Rettung Verlust

Trotz des Aufschlags, den GM auf das Aktienpaket zahlt, ist die Rettung für die US-Regierung ein Verlustgeschäft. Zusammen mit nun eingehenden 5,5 Milliarden Dollar hat der Staat durch die Reduzierung der Beteiligung 28,6 Milliarden Dollar eingesammelt. Damit müssten die verbleibenden 300 Millionen Papiere zu einem Preis von mehr als 69 Dollar verkauft werden, um die Differenz zur Rettungssumme von 50 Milliarden Dollar wettzumachen. Das erscheint aber unrealistisch. Am Mittwoch lag der GM-Kurs bei 27,65 Dollar. "Die Regierung sollte nicht für unbestimmte Zeit Anteile an privaten Unternehmen besitzen", begründete das Finanzministerium dennoch den Ausstieg.

Um Arbeitsplätze in der Finanzkrise zu sichern, rettete der Staat neben GM auch Chrysler. Im Rahmen der GM-Rettung stieg das Finanzministerium 2009 über das sogenannte Tarp-Programm mit einem Anteil von fast 61 Prozent bei General Motors ein. Diese Beteiligung wurde um mehr als die Hälfte reduziert, als GM im November 2010 für rund 23 Milliarden Dollar an die Börse ging. Später wurde der Anteil weiter reduziert. GM wird wegen des jüngsten Rückkaufs im vierten Quartal Kosten in Höhe von 400 Millionen Dollar verbuchen.

Während GM auf dem US-Markt wiedererstarkt ist und in Schwellenländern gute Geschäfte macht, läuft es in Europa nicht gut, wo GM die Marken Opel und Vauxhall betreibt. Das Bochumer Automobilwerk mit 3365 Beschäftigten wird dichtgemacht. Opel begründet dies mit dem dramatisch geschrumpften Automarkt in Westeuropa und den Überkapazitäten in der gesamten Branche. (Reuters, 19.12.2012)

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8 Postings
Zunächst eine Frage:

Wenn 200 Millionen Anteilsscheine 7% entsprechen, warum entsprechen dann 300 Mio Aktien 19%?

Nun eine Aussage: GM steht kurz vor der nächsten Pleite, gerettet ist hier nichts.

Und hier die Begründung:

http://www.zerohedge.com/news/2012... ng-scandal

until ...

we meet again :)

D.

Man sollte noch hinzufügen: General Motors kauft sich von US-Regierung frei, nachdem der angeblich unfähige Staat den maroden Laden wieder in Schuss gebracht hat.

"Die Regierung sollte nicht für unbestimmte Zeit Anteile an privaten Unternehmen besitzen", begründete das Finanzministerium dennoch den Ausstieg."

Warum nicht? Genau das wäre doch eine Option, vor allem bei dieser Größenordnung von 50 Milliarden.

Die Schweiz hatte beim Rückkauf der UBS-Aktien einen Gewinn eingefahren und der amerikanische Staat bei einzelnen Akteuren (war es AIG?) auch. Es wäre ja auch in Ordnung, wenn es in summa einen Gewinn gäbe und die Krise am Ende einen Gewinn abwirft.

Wenn ein Unternehmen "too big to fail" ist, dann kann doch gerade der Staat die Papiere halten, bis die Nachfrage nach dessen Papieren wieder steigt.

Aber vllt kann mir jemand den Sinn dahinter oder meinen blinden Fleck erklären. Danke im Voraus.

Warum überhaupt wieder privat machen, wenns der Staat besser kann. :)

Weil es langfristig daneben geht.
Es ist grundsaetzlich ok wenn der Staat eine Finanzspritze gibt die er nach einigen Jahren wieder zurueckkriegt (bei GM war das absehbar).
Damit haben die Politiker nicht genug Zeit das Unternehmen Teil ihrer politische Agenda zu machen.

...wieder zurückkriegt ????

haben sie etwa den Artikel nicht aufmerksam genug durchgelesen ?

haha, ok da muss wohl ein teilweise eingefuegt werden. Obwohl, wenn sie die kosten einer pleite einrechnen, also Arbeitslosengeld etc., dann war das kein schlechtes Geschaeft…

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