Wiener Votivkirche: Flüchtlingspolitik im Gotteshaus

Irene Brickner
19. Dezember 2012, 18:19

Im Konflikt um die protestierenden Flüchtlinge des Wiener Refugee-Camps gibt es Entwarnung: Caritas und Erzdiözese haben ihnen Schutz zugesichert, das Innenministerium ist bereit, an einem runden Tisch der Caritas auch mit ihnen zu diskutieren

Wien - Bitterkalt ist es in der Wiener Votivkirche, die dicken Mauern scheinen die tiefen Minusgrade der vergangenen Woche zu konservieren. Kein Ort zum Verweilen - doch die protestierenden Flüchtlinge harren hier schon zwei Tage aus. Und, so Caritas-Wien-Sprecher Klaus Schwertner, auch Mittwochabend wird das Tor für sie geöffnet bleiben: " Das sind Menschen in Not. Sie sind hier zu Besuch, die Kirche bietet ihnen Schutz."

Drei Wochen lang, seit dem "Protestmarsch" aus dem Flüchtlingslager Traiskirchen, campierten die mehreren Dutzend Asylwerber im Sigmund-Freud-Park vor dem neogotischen Gotteshaus. Warum sie das Refugee-Camp errichtet haben, interessierte die Öffentlichkeit nicht.

Schutz zugesichert

Dann, am Dienstag, fassten sie den Entschluss, eine angekündigte Pressekonferenz kurzfristig in die Kirche gegenüber zu verlegen. Von " Besetzung" war die Rede - und in der darauffolgenden Aufregung geriet einiges in Fluss:

Am Mittwoch versicherten Caritasdirektor Michael Landau und Bischofsvikar Dariusz Schutzky den Flüchtlingen ihre Unterstützung. Vor Journalisten forderten sie einen Runden Tisch von Regierung, NGOs und Religionsvertretern, um "strukturelle Probleme im Asylbereich" zu diskutieren - Forderungen der Refugees inklusive.

"Zum Dialog bereit"

Das Innenministerium zeigte sich daraufhin interessiert. Zu einem " Dialog in der Flüchtlingsfrage mit der Caritas" sei man bereit, sagte Ministeriumssprecher Karlheinz Grundböck: "Und wenn die Caritas dazu auch Flüchtlingsvertreter einlädt, werden wir uns nicht verschließen."

Besagter Runder Tisch solle so rasch wie möglich stattfinden, meint dazu Caritas-Sprecher Schwertner im Standard-Gespräch. Er sieht weitere Gespräche als dringlich an, über das Asylwesen insgesamt ebenso wie mit den protestierenden Flüchtlingen selbst.

Pfarrer warf Nerven weg

Deren Lage nämlich sei "verzweifelt", sagt Schwertner, der in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch in der Votivkirche als Vermittler eine zentrale Rolle gespielt hat: Er und zwei weitere Caritasleute mischten sich ein, als der Pfarrer angesichts der ausharrenden Flüchtlinge fast die Nerven wegwarf.

Via Kathpress kündigte der Gottesmann an, die Polizei involvieren zu wollen. Doch als sich die Flüchtlinge bereit erklärten, Delegierte zu wählen, beruhigte er sich wieder.

Später übersiedelten 20 Menschen - Flüchtlinge, Unterstützer, Caritasleute und der Pfarrer - in die Sakristei. Neun Stunden, von 18 bis drei Uhr früh, diskutierten sie, bei Temperaturen um den Gefrierpunkt: Ein schwieriges, von Missverständnissen immer wieder unterbrochenes Gespräch. Vor allem manche Unterstützer hätten eine zweischneidige Rolle gespielt, kritisiert der im Flüchtlingskonflikt um Deeskalation bemühte Schwertner. Er warnt vor " Instrumentalisierungsversuchen", während ein Unterstützer im Standard-Gespräch die "rein salbungsvollen Worte" und "Scheinlösungen" von Caritas-Vertretern kritisiert.

Konkrete Forderungen

Die Flüchtlinge ihrerseits beriefen Mittwochvormittag in der Kirche eine weitere Pressekonferenz ein. Sie präsentierten eine neue Forderungsliste - von "Grundversorgung für alle AsylwerberInnen, unabhängig vom Rechtsstatus" über "Zugang zum Arbeitsmarkt" hin zur "Anerkennung von sozioökonomischen Fluchtmotiven neben den bisher anerkannten Fluchtgründen".

Der "effektive Zugang zum Arbeitsmarkt" für Asylwerber nach sechs Monaten werde von der Caritas schon seit Langem verlangt, meinte dazu Caritasdirektor Landau. Während sich im Innenministerium Sprecher Grundböck dazu nicht inhaltlich äußerte. Denn: "Arbeitsmarktzugang ist eine Sache des Sozialministeriums." (Irene Brickner, DER STANDARD, 20.12.2012)

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"Anerkennung von sozioökonomischen Fluchtmotiven neben den bisher anerkannten Fluchtgründen"

Die Linken sollten einmal lernen zwischen Asyl und Wirtschaftgsmigration zu differenzieren. Hier wird die hohe Idee von Asyl missbraucht, um eine totale Öffnung der Grenzen voranzutreiben.

Jetzt Ochs und Esel noch rein

dann hätt ma a schöne Weihnachtskrippe beisammen! ;)

Landau und Patzelt haben sich eh schon angesagt.,.

Dass sie alles wollen

und noch dazu alles gratis, das ist verständlich. Welcher Mensch will das nicht?
Aber sie sind Gäste hier.
Und sollten sich auch als Gäste gebärden.
Fordern und Schimpfen passt da nicht...

Jetzt bin ich einmal mutig und werfe einmal folgenden gedanken in die runde. und an alle rotstrichler – habt nun soviel charakter eure meinung kund zu tun. Ich poste hier um mich auszutauschen und meinungen zu sammeln über die ich nachdenken kann. Hier ist ein link zu einer wunderbar einfachen erklärung des art. 3 wer als flüchtling gilt inkl. beispiele die ein jeder versteht. www.jugendweb.asyl.admin.ch/php/get_p... php?id=122
bitte erklärt mir nun was daran so schwer zu verstehen ist

Von mir bekommen Sie deswegen rot, weil Sie hier nicht Ihre eigenen Gedanken zum Thema formulieren, sondern einfach ohne Kommentar auf irgend einen anderen Link verweisen.

wieso kann sich ein teil der bevölkerung herausnehmen dagegen zu verstoßen – egal in welche richtung mit nicht rechtlichen methoden. Egal ob es die hetze von rechts oder dieses „gutmenschgetue“ von links. Entweder sind sie flüchtling dann haben sie hier zu bleiben oder sie sind keine – was machen sie dann noch hier. Ich bin dafür dass ihr ngos, aktivisten auch ihr abgehobenen weltverbesserer euch mit den verantwortlichen stellen zusammensetzt und sie in grund und boden argumentierts – wenn ihr es könnts. Ihr habt jedes recht die bevölkerung zu überzeugen dass eure ansichten richtig sind und dadurch den druck auf die politiker zu erhöhen – mit legalen mitteln

ändert die gesetze. es tut mir wahnsinnig leid aber egal um welche art von gesetz es sich auch handelt – nie wird die gesamte summe aller menschen innerhalb eines staates einer meinung sein – aber wir müssen uns alle daran halten. ich bin froh in einem land zu leben wo die menschen noch miteinander reden können und die mehrheit sich durchsetzt also arbeitet mit legalen mitteln dafür. Euch ngos, aktivisten und menschen denen es ein ansinnen ist diesen menschen zu helfen wünsche ich viel mehr geld um in deren heitmatland tätig zu sein. Ich bin dafür dass studenten und junge menschen ein halbes jahr die mitarbeit für hilfsorganisationen in diesen ländern bezahlt bekommt

Welche regierung könnte sich bei einem so sozialem gedanken dagegenstellen. und bevor ihr wieder über mich herfallt – ich meine das absolut ernst. ich glaube dass wir den menschen so am besten helfen. wir können nicht alle zu uns holen und ich glaube auch nicht dass menschen ihre heimat verlassen wollen deren kinder unbeschwert aufwachsen können und nach unseren ernstgemeinten positiven werten auch leben können. den bereits abgelehnten asylwerbern wurde zugesichert dass sie unterstützung seitens der caritas erhalten. nehmt die caritas nun beim wort und hört mit euren überzogenen aktionen auf. lasst alles noch einmal prüfen helft mit um den menschen bei zu stehen aber akzeptiert auch das ergebnis.

... Telefonat Ordination Kardiologie ...

... eine OP-Freigabe
... kommen Sie in einer Stunde ...
... gibts eine Begleitperson als Dolmetsch ...
... Bitte den Asylausweis nicht vergessen ...

Der nächste freie Termin für andere Patienten ist in sechs Wochen.
Zu diesen abstrusen Forderungen und ob der Unverschämtheit der NGOs, kann man nur mehr den Kopf schütteln.

Quelle?

oder erfindest du deine fröhliche Hetze zur Weihnachtszeit selber?

ich entnehme daraus, dass die wartezeiten für op termine für österreicher zu lange sind. bin auch dafür dass wir diese zueitspannen verkürzen - nur auch noch eine frage - warum bekommen eigentlich österreicher mit privatversicherung ebenfalls einen schnelleren termin? sollten unsere ärzte nicht nach dringlichkeit vorgehen?

Hier werden Forderungen gestellt, die nicht erfüllbar sind.

Aus reiner Provokation.
Der gute Wille und die Geduld der Österreicher wird unnötig strapaziert.
Die beste "Lösung" wäre es wohl, die NGOs und die Asylwerber (falls überhaupt noch welche darunter sind) dort mitsamt ihren dümmlichen Forderungen zu belassen, bis es ihnen langweilig wird...
Eine gewaltsame Räumung wäre nur kontraproduktiv.

"Die beste "Lösung" wäre es wohl, die NGOs und die Asylwerber (falls überhaupt noch welche darunter sind) dort mitsamt ihren dümmlichen Forderungen zu belassen, bis es ihnen langweilig wird...
Eine gewaltsame Räumung wäre nur kontraproduktiv."

Volle Zustimmung. Die Forderungen sind in der öffentlichen Wahrnehmung mittlerweile ohnehin nur mehr ein Randthema, welches allenfalls noch Frau Brickner als wichtig erscheint.

"Aus reiner Provokation."

Eh klar.
Diese Menschen haben ja keine anderen Sorgen, als die heimischen rechten Hetzer ein wenig zu provozieren.
*facepalm*

meine Güte bist du armselig......
*mitleid*

Aber das du das thema "dümmliche Forderungen" anschneidest, ist natürlich schon passend, wenn man deine postings so liest....

Jetzt machen Sie sich doch nicht ins Hemd.

Beruhigen Sie sich. Und denken Sie nächstens ein bisschen nach, bevor Sie so wirr posten.
Schönen Abend noch, übrigens...

auszug aus einem bericht von hrn. akkilic - nachlesbar auf der homepage der grünen

"Es ist für mich seit den Verhaftungen von zwei tschetschenischen Flüchtlingen nach ihrer Abschiebung nach Russland noch klarer geworden, dass unsere Behörden mangelhaft arbeiten. Aufgrund dessen kann ich nicht ausschließen, dass bei den negativ beschiedenen Anträgen, die jene Flüchtlinge gestellt haben, die sich derzeit in der Votiv-Kirche aufhalten, auch Fehler von seiten der Behörden begangen worden sind."

Jetzt frage ich mich doch - warum schreibt hr. akkilic nichts darüber warum der antrag der tschtschenen abgelehnt wurde und warum selbige verhaftet wurden. durchsetzten ihres gedankengutes mit der waffe in der hand? wo waren die ngos während der zeit wo die asylverfahren am laufen waren?

kann mir jetzt der rotstrichler auch seine argumente schreiben warum ich wieder rot bekommen habe?

ich glaub Sie nehmen die paar roten pixel viel zu ernst...

vermutlich weil ausser dir (und dem thinky) keiner glaubt, daß die angeblichen Gründe der Verhaftung mit der Realität auch nur das geringste zu tun haben.

Um den Rachefeldzug Putins gegen Andersdenkende bzw. oppositionelle zu übersehen bedarf es schon einer ziemlichen verblendung.

Bei der Wahl der Mittel ist das Regime aber sehr kreativ: manche Gegner verschwinden einfach, andere werden plötzlich tot aufgefunden oder auf offener Straße von "unbekannt" erschossen, und wieder andere unter allen möglichen Vorwänden ins gefängnis geworfen.

@gutmensch Falsches Forum.

Jetzt bringen Sie schon alles durcheinander.
Hier gehts zum Forum über die Abschiebung der Tschetschenen:
http://derstandard.at/135320900... erichtshof

und die berechtigte frage nach dem verbleib div. vertreter von ngos während dem asylverfahren um fehler zu vermeiden bleibt unbeantwortet. warum setzen wir uns nicht einfach einmal mit den abgelehnten asylanten direkt zusammen und schauen uns die anträge an? mich würde es wirklich interessieren. ich glaube nämlich weder den grünen noch den braunen argumenten

warum wieder rot - ist doch eine normale legitime frage

meines bescheidenen wissenstandes nach gehörten die zwei tschetschenen zu einer gruppe von personen rund um einen rebellenführer.
mir ist schon klar dass das puitin regime nicht das netteste ist. andererseits wenn ich mich mit einem regime anlege muss ich es auch durchstehen. ich lobe mir den tunesier der mit seiner selbstverbrennung den arabischen frühling ausgelöst hat. ist genauso wie die situation die ich vor ein paar tagen erleben durfte - verkehrsteilnehmer rauscht bei rot über die äusser mariahilferstr. ich bremse mich gerade noch ein, er fährt weiter auf die andere straßenseite und schreit mir dann aus sicherer entfernung arsch...... nach. wenn schon solche aktionen dann auch bitte mit der notwendigen courage die antwort abzuwarten.

Völlige Zustimmung!

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