Wieder mehr Waffenverkäufe in den USA

  • Newtown wurde auch vier Tage nach dem Amoklauf noch von Kamerateams belagert. Erstmals gingen die Kinder in der Stadt am Mittwoch nach dem Massaker wieder zur Schule.
    foto: ap/cortez

    Newtown wurde auch vier Tage nach dem Amoklauf noch von Kamerateams belagert. Erstmals gingen die Kinder in der Stadt am Mittwoch nach dem Massaker wieder zur Schule.

US-Vizepräsident Joe Biden soll eine Kommission leiten, die sich mit einer Reform des Waffenrechts befassen soll

Die National Rifle Association äußerte sich erstmals öffentlich zu dem Amoklauf in Newtown.

 

Vier Tage nach dem Amoklauf von Newtown hat sich die mächtige US-Waffenlobby NRA erstmals zu der Bluttat geäußert und einen "bedeutenden Beitrag" zu Verhinderung derartiger Taten in der Zukunft angekündigt. Für Freitag setzte die NRA eine "große" Pressekonferenz zu dem Thema in Washington an.

US-Präsident Barack Obama wollte seinen Vizepräsidenten Joe Biden am Mittwoch zum Leiter einer Kommission ernennen, die nach dem Amoklauf von Newtown Antworten auf die Waffengewalt finden soll. Die Kommission soll sich nicht nur mit einer Reform des Waffenrechts befassen, sondern auch mit Gewalt in Filmen und Computerspielen sowie der Behandlung von psychisch Kranken in den USA.

Bereits am Dienstag hatte Obama sich hinter Pläne zur Verschärfung des Waffenrechts gestellt. Die demokratische Senatorin Dianne Feinstein hatte eine Gesetzesvorlage angekündigt, nach der bestimmte Sturmgewehre und Magazine nicht mehr verkauft werden dürften.

Der Handel reagiert bereits: Walmart, mit seinen riesigen Supermärkten die Nummer eins des amerikanischen Einzelhandels, hat die Bushmaster AR-15 aus seinem Online-Angebot gestrichen, jenes halbautomatische Gewehr, mit dem Adam L. in der Volksschule von Newtown um sich schoss. In den Filialen der Kette soll die Waffe, eine Weiterentwicklung der im Vietnamkrieg verwendeten M-16, zunächst weiter verkauft werden, aber auch da wächst der Druck. Dick's Sporting Goods, eine Handelskette, die neben Turnschuhen und Tennisschlägern auch Waffen im Sortiment hat, nimmt halbautomatische Flinten aus seinen Regalen. Der Aktienkurs von Smith & Wesson fiel allein am Dienstag um zehn Prozent und setzte seine Talfahrt am Mittwoch fort, nachdem er sich im Laufe des Jahres fast verdoppelt hatte.

Zugleich aber bewirkt die neu angefachte Diskussion über strengere Paragrafen Effekte, wie sie auf den ersten Blick paradox erscheinen, aber auf jeden Amoklauf in den USA folgen. Seit dem Massaker von Newtown ist der Absatz von Sturmgewehren um etwa ein Viertel nach oben geklettert. Waffenfreunde decken sich noch schnell reichlich ein, weil sie fürchten, der Kongress in Washington könnte ab Januar die Regeln verschärfen. (Frank Herrmann aus Washington /DER STANDARD, 20.12.2012)

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