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vergrößern 750x500Kontemplativ und gewaltig: Welle und Wellenbrecher in Hans Weigands aktueller Ausstellung bei Senn.
Wien - Auf den Bildern von Hans Weigand hat es bis dato von Menschen nur so gewimmelt: Fasziniert von Hieronymus Bosch, hat der Künstler zum Teil auch Personen der Kunstwelt in seine riesigen Landschaftspanoramen montiert; Bilder, die atmosphärisch betrachtet eine eher unheilvolle Stimmung vermitteln. Ausgehend von seinem zentralen Topos, der Westküsten-Surfromantik und den damit verbundenen Freiheitsversprechen, wird der Surfer auf seinen postapokalyptisch wirkenden Leinwänden zu einem der Weltende-Reiter; die Luft ist schmutzig, der Himmel in dramatische Farben getaucht.
Seine jüngsten Bilder haben im Gegensatz dazu beinahe etwas Versöhnliches: Auf den Großformaten sind weder Menschen noch Surfer zu sehen, sondern nur noch einzelne Wellen. Weigand hat sie im Stil des japanischen Ukiyo-e (etwa "Bilder der fließenden Welt") gemalt. Im ansonsten eher überbordenden OEuvre von Weigand erscheinen die comichaften, aber gewaltigen Formen fast wohltuend farblos und entsprechend dem Vergänglichkeitscredo des Ukiyo-e durchaus kontemplativ.
Ein In-sich-Versinken wird im Ausstellungsraum jedoch von vier Wellenbrechern verhindert: Es handelt sich dabei um silberne, einigermaßen martialisch anmutende Objekte, mit denen Weigand die Betrachter aus den Imaginationen herausführt, hin zur körperlichen Erfahrbarkeit.
Auf einer gemeinsam mit Elfie Semotan produzierten Collage tauchen die Wellenbrecher abermals auf: Zwischen einem Porträt von Franz West und vielen weiteren Bildern findet man dort eine Fotografie aus einer neuen Serie von Elfie Semotan.
Daran interessiert, den nackten weiblichen Körper von seinen traditionellen Zuschreibungen zu befreien, hat die Künstlerin versucht, "andere" Bilder zu produzieren. In einer Serie von Schwarz-Weiß-Aufnahmen sieht man eine sehr schöne etwa 50-jährige Frau, die nackt auf einer Matte am Boden liegt. Um Posen bemüht, die mit klassischen Aktbildern brechen, sind Kopf und Körper vom Kameraobjektiv immer leicht abgewandt. Eine etwas jüngere Frau zeigt die zweite bei Gabriele Senn präsentierte Fotoserie, die wiederum an Valie Exports Arbeit Aktionshose Genitalpanik erinnert.
Beide Serien Semotans vermitteln eine Vertrautheit zwischen den Modellen und der Fotografin, die diesen Raum für eine individuelle Darstellung gibt. Für echte Alternativen in der Darstellung von Weiblichkeit ist die Grande Dame der österreichischen Modefotografie aber offenbar doch zu sehr Profi in einem Metier, das der Ästhetisierung von Körpern gilt. (Christa Benzer, DER STANDARD, 20.12.2012)
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