Können Kinder nicht mehr zuhören?

Ohne Zuhören kein gegenseitiges Verstehen. Doch was, wenn Kindern das nicht mehr gelingt? Dann gilt es, ihnen Gehör zu schenken. Denn sie lernen durch Nachahmung

"Die Gesellschaft wird durch Millionen von Gesprächen gebildet", schreibt der schwedische Schriftsteller Henning Mankell. "Wenn ein Mensch seine Geschichte erzählen kann, wird er Teil einer Gesellschaft. Wem man nicht zuhört, der existiert nicht."

Auch wer nicht zuhören kann, hat es schwer. Eine Untersuchung der Universität Bielefeld aus dem Jahr 2000 hat etwa gezeigt, dass aktives Zuhören und schulische Leistungen zusammenhängen: 70 Prozent der Kinder, die sich schon im Vorschulalter mit dem Zuhören schwer tun, haben später schulische Probleme.

Wer zuhören kann, lernt leichter

Umgekehrt können Kinder, die gut zuhören können, besser mit Konflikten umgehen. Das bestätigt Marion Glück-Levi, ehemalige Vorsitzende der deutschen Stiftung Zuhören. Das Zuhören ist die Basis für den Erwerb vieler anderer Fähigkeiten. Psychologen nennen es nicht zufällig eine Basiskompetenz.

So weiß man heute, dass Kinder, die zuhören können, besser und sicherer sprechen können und achtsamer gegenüber anderen sind. "Es ist die Schlüsselkompetenz für gelingende Kommunikation", sagt Simone Groos von der Stiftung Zuhören. Eine Schlüsselkompetenz, die allerdings immer weniger Kinder haben - glaubt man entnervten Lehrern und Eltern. 

Als Kompetenz vernachlässigt

"Aktives Zuhören braucht Zeit und Raum", betont Groos. Es setze den Willen zur Aufmerksamkeit voraus und die Fähigkeit, Wichtiges von Unwichtigem zu filtern. "Die Zeit dafür nimmt man sich heute nicht mehr. Man müsste es aber tun, um einander zu verstehen, um verbale Informationen zu sammeln."

Obwohl Zuhören als soziale Kompetenz und Voraussetzung für Wissenserwerb außer Frage steht, war es lange Zeit nicht Teil nationaler Bildungsstandards. "Zuhören zu können wird einfach vorausgesetzt", so Simone Groos. Vielleicht auch, weil es gerne mit dem einfachen Hören verwechselt wird.

Dabei sind Hören und Zuhören zwei Paar Schuhe: Zuhören ist ein aktiver Prozess. "Es entsteht nicht von selbst", betont Groos. "Es bedeutet, dass wir dem, was wir hören, eine Bedeutung geben. Aktives Zuhören ist die Voraussetzung für Empathie, für Anteilnahme und für das Verstehen, wie es einer anderen Person geht." Nur wer zuhört, könne die Welt wahrnehmen, sie sich erschließen, sie begreifen und mitgestalten.

Hören passiert heute nebenbei

Studien zeigen, dass das Hören für Kinder und Jugendliche immer mehr zur Nebenbei-Beschäftigung wird. Auch bei Musik. So zeigt eine deutsche Untersuchung aus dem Jahr 2002, dass das konzentrierte Hören von Musik bei Jugendlichen seit den 80er Jahren abnimmt - zugunsten eines diffusen Nebenbei-Hörens.

Dem Dauerrauschen entgehen

Dazu kommen ein akustisches Dauerraschen vor allem in größeren Städten durch Autoverkehr und Umgebungsgeräusche, mediale Reizüberflutung und eine allgemeine Beschleunigung in vielen Lebensbereichen. Dass die akustische Reizfülle zu Konzentrations- und Aufmerksamkeitsstörungen bei Kindern führen kann, gilt heute als erwiesen.

"Um das Angebot der Umwelt einzugrenzen, lernen Kinder und Jugendliche, den Reizen keine Bedeutung zuzuweisen", heißt es in einer Studie aus dem Jahr 1995. Das bedeutet: Heranwachsende reagieren mit Weghören auf das Dauerrauschen. Doch erst durch aktives Zuhören entsteht Bindung. Und Bindung zu Eltern, Erziehungsberechtigten und Lehrern ist die Voraussetzung für Lernerfolge.

Eltern als Zuhör-Vorbilder

Was also, wenn Kinder nicht mehr zuhören können? Was tun, wenn Jugendliche nicht mehr die Aufmerksamkeit aufbringen, einem längeren Gespräch ohne Unterbrechung zu lauschen? Dann müssen Eltern und Erziehungsberechtigte bei sich selbst ansetzen, sagt Simone Groos. Sie seien Zuhör-Vorbilder. Kinder und Jugendliche, die nicht gehört werden, lernen selbst nicht zuzuhören.

Es gelte, die eigene Haltung den Kindern gegenüber zu überprüfen: Höre ich meinem Kind wirklich zu? Lasse ich es ausreden? Nehme ich ernst, was es sagt - und wie reagiere ich darauf?

"Kinder lernen aus unserem Verhalten und werden auch uns zuhören", schreibt die deutsche Pädagogin Ingeborg Becker-Textor. "Mit der harschen Aufforderung 'Jetzt hör endlich zu!' werden wir nie ein Kind zum Zuhören bringen."

Keine Bringschuld

Zuhören zu können werde immer noch als Bringschuld der Kinder und Jugendlichen gesehen, sagt Simone Groos. "Also als etwas, was Erwachsenen und Erziehungsberechtigte einfordern können, ohne selbst etwas dazu beizutragen."

Aktives Zuhören durch die Eltern bestehe darin, das vom Kind Gesagte zu wiederholen, um zu prüfen, ob man es richtig verstanden hat. So lassen sich Missverständnisse vermeiden. Es besteht darin, mit Mimik und Gestik auf das Gesagte zu reagieren, Fragen zu stellen.

Kinder spüren sehr genau, ob Eltern ihnen zweckfrei oder zweckgebunden zuhören. Sie spüren, ob man ihnen um ihrer selbst willen zuhört. (Lisa Mayr, derStandard.at 19.12.2012)

Info

Die deutsche Stiftung Zuhören betreibt 2.000 Hörclubs in Schulen und Kindergärten. Hier lernen Kinder auf spielerische Art und Weise, wie man gekonnt hört und zuhört.

Link

Stiftung Zuhören

  • Zuhören zu können wird meist als Bringschuld der Kinder gesehen.

    Zuhören zu können wird meist als Bringschuld der Kinder gesehen.

  • Simone Groos ist Projektleiterin bei der deutschen Stiftung Zuhören.
    foto: privat

    Simone Groos ist Projektleiterin bei der deutschen Stiftung Zuhören.

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reicht ja

eh scho wissen,
Leonardo, Einstein, Ich, genial u. Linkshaender

Mich wundert ja, daß Sie sich nicht als Ersten geschrieben haben...

Angst war bis weit in die 70er Jahre ständig präsentes Erziehungsmittel.
Gewalt in der Kindererziehung wurde auch erst 1989 gesetzlich verboten.

Noch Fragen?

aber doch nicht überall.

Ja, noch Fragen !

Wie kommen Sie dazu, daß Angst ein ständig präsentes Erziehungsmittel bis weit in die 70er Jahre war ?
Ich nicht und auch niemand aus meiner Bekanntschaft, Verwandtschaft, Freundeskreis jat jemals darüber berichtet, daß er/sie als Schüler/in
seinerzeit mal Angst vor den Lehrern gehabt hätte.
Eher haben damals schon einzelne Lehrer Angst gehabt, denn manche wurden ganz schön geärgert.
Es gibt immer Einzelfälle, daß jemand vor bestimmten Menschen Angst hat.
Aber Angst als "ständig präsentes Erziehungsmittel" in der seinerzeitigen Schule zu bezeichnen ist großer UNSINN !
Heute gibt es mehr Angst: Nämlich schüchterne Kinder haben vor gewalttätigen Mitschülern Angst weil Lehrer wegen der heutigen Disziplinlosigkeit nicht mehr Herr der Lage sind

Also, wenn Leute, die zu den Zeiten in die Schule gegangen sind, davon geredet haben, was für einen Respekt sie von ihren Lehrern hatten, habe ich nachgefragt, ob sie wirklich Respekt oder doch eher Angst gehanbt haben. Die Antwort war dann ohne Ausnahme, dass es eigentlich Angst war, es hat damals nur ein anderes Schilderl gehabt.

Aha, damals hat mal also aus Angst sich ruhig verhalten, wenn jemand was erzählt hat.

Ja und es ist heute nicht respektlos, wenn man ständig die anderen beim Zuhören stört, dazwischenruft, nicht ausreden läßt usw.

Halten Sie mal einen Vortrag und ich störe sie dauernd und wenn sie mich fragen warum ich nicht ordentlich zuhören kann und nicht ruhig bin, werde ich sagen: Ich habe heutzutage keine Angst mehr !

Nur um das geht es hier: Wenn die Kinder damals nur aus Angst ruhig gewesen wären, hätten sie nicht so begeistert die gehörte Schulfunk-Geschichte nacherzählt.

Unsinn!
Man war heilfroh, so etwas geboten zu bekommen! War ja nicht selbstverständlich.

Es gab auch wunderbare Radiohörspiele, vom Märchen zum Krimi etc.

Das WAR eben anders - KEIN NEBENBEI sondern mit Freude Erwartetes!

Sie werdens auch noch erleben, dass Sie mal unsere Zeit als die gute alte Zeit , in der alles anders war, bezeichnen.;)

Bin in den 1960-ern aufgewachsen und liebe und höre gespannt das wöchentliche Hörspiel am Sonntag in Ö1. Das Fernsehkastl habe ich abgeschafft, Ö1 hat alles, was ich brauche.

Ich nehme an, Sie meinten den Samstag.

Wo ist hier von Gehorsam aus Angst die Rede ??

Was soll das ?

Glaube nicht, dass das heute nicht möglich wäre

Meine Kinder hören beide unheimlich gerne Kassetten(Cds) mit Märchen, Kasperltheater, div. Geschichten . Der Jüngere seit er drei ist. Das machen alle Kinder in unserem Umfeld.
Ich bin nicht begeistert, von dem Trend, die "heutigen" Kinder mies zu machen. Ich finde, sie haben im Allgemeinen mehr Kompetenzen, sind selbstständiger, insgesamt engagierter und wissen auch mehr, als meine Generation (vor 20-30 Jahren).
Sie sind aber auch desorientierter und wachsen in einer chaotischeren und eher angstbesetzten Welt. Vielleicht macht sie das etwas aggressiver- aber so sanftmütig ging es in den 80ern auch nicht zu.

Stimmt

Mißverständnis

Es war nicht gemeint, die heutigen Kinder mies zu machen. Daß einzelne oder in kleinen Gruppen nach wie vor gerne zuhören, beweisen ja viele Eltern.
Es war die Rede davon, daß heute in einer SCHULKLASSE sowas nicht mehr so leicht möglich ist, da irgendeiner immer stört !
Außerdem waren die damals nicht aus Angst ruhig beim Zuhören ! Mein Vater berichtete, daß die Lehrerin sehr beliebt war und niemand jemals Angst hatte. Ja und weil da schon wieder welche motzen wegen "Ja,ja, früher war alles besser": Ja, darf man heute nirgends mehr jemand seine Erlebnisse aus der Vergangenheit erzählen lassen ohne daß man blöd angeredet wird ? Von der Zukunft kann niemand was erzählen !

ich bin mir sicher dass es 1960 leute gab, die solche methoden als zu technikaffin verurteilt haben - und darauf verwiesen haben, dass 60 jahre zuvor skills gelernt wurden, die nun fehlen oder unmoeglich waeren.

ob das lange sitzen und zuhoeren die art und weise ist, in der kinder am besten lernen? frontalunterricht dieser sorte ist fuer lehrer freilich angenehm, aber ist sie fuer kinder foerderlich? waren die kinder damals intelligenter als die heutigen? ich wuerde das stark bezweifeln.

Schon wieder so ein Unsinn !!

Für niemanden war 1960 das Radio in der Schule
eine zu "technisch-affine" Möglichkeit, sich zu bilden !
Schulfunk bzw. Lehr-Sendungen insbesonders Sprachkurse im Radio gibt es seit 1924 !!

Lernen Sie Geschichte und behaupten sie nicht solchen Blödsinn !

fuer niemanden? haben sie wirklich alle archive durchgesehen?

Ja niemanden !

Und sie haben in den also Archiven Beweise gefunden, daß damals der Schulfunk als "zu technisch affin" verurteilt wurde ?

man könnte das hörspiel ja in

SENSURROUND abspielen, dann wärs nicht "frontal"!

Es geht um ein Hörspiel und nicht um Frontalunterricht!

frontalunterricht = einseitige berieselung von passiven kindern.
was ist da bei einem hoerspiel fundamental anders?

es sei denn freilich, die kinder haben das hoerspiel selbst aufgenommen.

Damit sie selbst eines aufnehmen können, müssen sie aber vorher schon mal wenigstens eines als Beispiel anhören können !

mit verlaub, nein.
kinder koennen auch wunderbar selber zeichnen, ohne vorher zeichnungen gesehen zu haben.
die erwachsenen koennten hilfestellungen geben, und los geht's mit dem theaterspiel. da braucht man sich nichts abschauen. das ist kreativitaet, kommt von innen.
viele leute koennen sich das gar nicht vorstellen, glauben, dass kopieren essentiell ist um was hervorzubringen.

Ein Hörspiel hören und erleben heißt ja nicht kopieren !

Stimmt nicht !

Die Natur des Kindes ist auf Nachahmen ausgelegt !
Erst danach kann das Erlebte kreativ verändert werden.
Wenn es nie einen Baum gesehen hat, kann es auch keinen zeichnen.
Aus dem NICHTS ensteht auch keine Kreativität !
Um zu wissen, was ein Hörspiel ist ( eine spannende Kombination aus Erzähl-Sprache, aus Dialogen, Geräuschen, Musik ) muß man erst wenigstens einmal ein Hörspiel gehört haben. Dabei wird auch die Erfahrung gemacht, daß es beim Hörspiel hören auch RUHIG sein muß, sonst geht irgendein Gestaltungselement unter, z.B. ein zeitlich perfekt eingesetztes Geräusch in der Geschichte.
Das muß es erlebt haben !
Dann kann man kreativ auch ein eigenes gestalten !
Welche pädagogische Ausbildung haben SIE denn ??

Gemeinsames Zuhören der Schulklasse

Kinder waren von Grund auf damals nicht anders wie heute !
Außerdem ist nicht die Rede davon, daß sie IMMER lange ruhig sitzen sollen und zuhören.
Aber mal eine Stunde lang sollte man das schon können. Zuhören und konzentrieren kann man eben nur in RUHE !
Heute ist es im Unterricht leider meistens laut und unruhig. Weil scheinbar auch zeitweise Ruhe und Disziplin in einer Schulklasse schon verpönt ist,
kann sich keine Zuhörkultur mehr entwickeln.
Daß Kinder dann einzeln den Eltern oder der Oma gern beim Geschichten erzählen zuhören, beweist ja, daß sie das auch heute können und gerne tun.
Aber in einer Schulklasse ist das heute displinär nicht mehr möglich, so war das gemeint und nicht, daß es die Kinder einzeln nicht mehr könnten.

die schule, so wie wir sie kennen, leitet sich von militaerischem training ab.

dass 30 kinder einer person lauschen und dabei still sitzen muessen, ist eine historische gewachsenheit, die wir als selbstverstaendlich nehmen.

es gibt keinerlei hinweise darauf, dass das DIE richtige art ist, kindern fundamentales wissen beizubringen.

dass kinder nicht stundenlang stillsitzen wollen, ist natuerlich und auch gut so. kinder lernen am besten, wenn sie taetig sind. kinder brauchen aktivitaet, mitgestaltung, anregung, nicht passives zuhoeren.

was kinder zum lernen kaum brauchen, ist disziplinierungsmassnahmen und stillsitzen.

reproduzieren von vorgekautem blabla ist vieles, aber nicht intelligenz, nicht kreativitaet und auch nicht wissen.

Nichts als Unsinn hier !

Die Kinder damals hatten mehr Bewegung als heute !
Mein Vater ging schon als 6 jähriger täglich 5 km hin und 5 km nach Hause von der Schule. Zu Fuß mit allerlei Schabernack auf dem Schulweg !
Manchmal spielten sie noch vor dem Heimweg Fußball vor der Schule.

Sie waren geradezu glücklich, mal eine halbe Stunde ruhig sitzen und eine interessante Geschichte hören zu DÜRFEN, sei es daß die Lehrerin sie erzählt hat oder eben als Hörspiel im Radio.

Sie durften solche Sachen dann eh nacherzählen oder selbst dann im Schülertheater nachspielen.

Erzählen Sie doch nicht den Unsinn, daß noch in den 60er Jahren Kinder STÄNDIG frontal ängstlich vor dem Lehrer stillsitzen mußten. Das war noch 50 Jahre vorher in der Kaiserzeit. Aber doch nicht 1960!

zur schule und von der schule zu gehen ist optional. und freilich blieb den kindern damals nichts anderes uebrig, als selber zu gehen, wer hatte schon ein auto damals?

mir gings um zustaende IN der schule, und nicht was davor und danach passiert.

von "aengstlich" hab ich nicht geredet, das haben sie hineininterpretiert. wohl nicht so aufgepasst beim nacherzaehlunterricht damals?

zeigen sie mir die studien, die belegen, dass kinder damals kreativer und intelligenter waren als heute, und ich werde ihnen zustimmen.

anektotisches wissen vom vater, der einem was erzaehlt hat, ist NICHT repraesentativ.

Die Grundintelligenz war sicher nicht höher, nur das, was daraus gemacht wurde, ist mit heute nicht zu vergleichen. Die Menscheit verblödet immer mehr und daher auch unsere Kinder!
Kleiner Test gefällig: Fragen Sie einfach einmal Absolventen der Pflichtschule z.B. nach den Nachbarländer von Österreich, nach dem Bundespräsidenten, machen Sie kleine Kopfrechnungen... und Sie werden Ihre Wunder erleben.
Und daran sind sicher die Lehrer schuld, gell?

das war damals nicht anders.

dass die menschheit verbloedet, ist nicht erwiesen.
im gegenteil. intelligenzquotienten muessen angeglichen werden, weil der durchschnitts-iq der westlichen bevoelkerung staendig steigt (flynn-effekt).

http://de.wikipedia.org/wiki/Flynn-Effekt

konzentrationsschwächen gibt es mehr als früher

es ist nachgewiesen, dass kleinkinder durch übermäßigen fernsehkonsum an schnelle bildabfolgen regelrecht gewöhnt werden. sieht man sich kindersendungen von heute an, dann muß immer was los sein, aktion von anfang bis zum schluss mit rasend schnellen bildabfolgen. sich dann auf eine sache zu konzentrieren fällt eben nicht leicht.

Ja, die Menschheit verblödet zusehends! Das gilt aber nicht für die einzelnen Individuen.

Die heutigen Pflichtschulabgänger wissen dafür Dinge, von denen viele vor 50 Jahren noch nicht einmal zu träumen wagten. Ihr Beispiel mit den Nachbarländern triffts ganz gut - es ist peinlich was man da zu hören bekommt. Ich denke aber, dass es hier viel mehr um die Organisation und die Hirarchie der Bildung und des Wissens geht, die heute zunehmend verloren geht. Die Wertigkeiten stimmen in Anbetracht der umfangreichen aber amorphen Kenntnisse nicht mehr - und deshalb: Die Menschheit verblödet zusehends.

Daran sind wir alle schuld, natürlich auch die Lehrer als für die Schulbildung Verantwortliche, die mit der auf sie einströmenden Vielfalt an Informationen überfordert sind und keine deutlichen Prioritäten mehr zu setzen in der Lage sind.

dazu kommen eltern,

welche schulnoten der kinder bei gericht bekämpfen!

ALLE haben eine einwandfreie Nacherzählung einer 25 minütigen Schulfunk - RADIO - Sendung geschrieben !

Einwandfrei.
Das Credo der 50er und 60er Jahre. Für die Großen in der Politik (Bundeskanzler Klaus und seine schwarze klerikal - DDR auf österreichisch mit Dackel für alle und Reisefreiheit zum Millstättersee und für die brav Sparenden sogar nach Dubrovnic) und für die Kleinen beim Bastelonkel Herrn Studienrat Franz Kotscher.
Das war aber bereits auch zum Zusehen "wer bastelt mit?" gedacht.
In dieser Sendung waren auch die Studiokinder zum Zusehen und Zuhören abkommandiert wenn der strenge Herr Bastelonkel im bodenlangen Arbeitsmantel vorzeigte, wie man einwandfrei das Vogelhäuschen abschleift bevor man es lackiert.
Zuhören ist gut und wichtig. Aber wenn es nur zur Einwandfreiheit führt, so war es wohl anders gemeint.

Außerdem:

Das Beispiel mit dem Bastelonkel im RADIO sollte nur als Faktum dienen, daß man Kindern damals zutraute, daß sie allein GEHÖRTES umsetzen konnten. "Nehmt das Dreieck und falzt im rechten Winkel das Papier und faltet es dann".
Welches Kind kann das umsetzen ohne es zu sehen ?
Wenn man im Fernsehen das sieht, ist es keine Kunst.
Als der Bastelonkel dann ins Fernsehen wanderte, war eine Transferleistung vom Gehörten zum Tun nicht mehr notwendig. Die Bilderflut hat viel Hören ( und Lesen) unnötig gemacht. Ein Bild sagt mehr als tausend Worte, aber dafür üben die Kinder von heute viele weniger das Umsetzen von Worten ( ob gehört oder gelesen) in Bilder im Kopf.

Was soll das ?

Was reiten Sie hier auf dem Wort "einwandfrei" herum und bringen politische Zusammenhänge ?
Dann waren die Nacherzählungen halt nicht "einwandfrei" sondern fehlerfrei, gut, in Ordnung, lobenswert oder " OK " wenn Ihnen das Wort "einwandfrei" nicht paßt oder für sie eine andere Bedeutung hat.
Mein Gott, Probleme haben Leute !

Was sagt man dazu, früher war alles besser...

Das heißt, Sie sind sehr wahrscheinlich ca. in meinem Alter :-)

Kinder ahmen nach, was ihnen vorgelebt wird.

Meine Kinder hören zu - gut, sie ignorieren mich mitunter mit ihren jungen alter, aber sie hören was ich sage und wenn mein Tonfall anscheinend ein anderer ist, dann wissen sie auch, dass es kein Jux und keine Bitte sondern grad eine Pflicht ist (zB: auf der Straße)

...vielleicht liegt es auch daran, dass ich auch den Kleinen zuhöre wenn sie mir was erzählen!

Sehe ich genauso

und möchte hinzufügen, daß die Chancen für gutes Zuhören heute viel besser sind als um 1960 (als ich in die Schule kam). Es gibt zahllose gut erzählte Kindergeschichten auf CD. Meine sechsjährige Tochter, noch nicht in der Schule, kann denen stundenlang zuhören. Ich lese ihr aber auch täglich vor. Das ist ein gemeinsames Vergnügen, keine Pflicht. Die Chancen sind heute besser - warum werden sie weniger genützt?

Hallo, Herr Federmair!

"Chancen für gutes Zuhören heute viel besser"/"zahllos auf CD" (??) und "stundenlanges Zuhören" (?!) ihrer dann wahrlich bemitleidenswerten Tochter; armer Herr Federmair! Und das von Ihnen! Sollten Sie den obenstehenden Artikel, insbesondere dessen Aussagekern noch nicht zur Kenntnis genommen resp. erfasst haben (diesen Eindruck erweckt Ihr Kommentar), wäre dies im Anschluß (bei Interesse, Muße & gutem japanischen Tee) vielleicht ein gegebener Anlaß, sich mit dieser wichtigen Thematik etwas intensiver auseinanderzusetzen.

Die Fähigkeit aktiv (!) zuhören (und diese auch weitergeben) zu können, setzt vor allem Authentizität, Achtsamkeit, Empathie und ehrliches (!) Interesse voraus. Besonders Kinder spüren/vermissen das sehr empfindlich!

Klar, bei Erzählungen zuhören ist nur ein Aspekt des Themas, aber für die Entwicklung von Kindern schon wichtig, jedenfalls hilfreich. Meine Tochter will oft länger CDs anhören, als es möglich ist, aus jeweils verschiedenen Gründen kommt es vor, daß wir sie unterbrechen. Sie ist aber auch kein CD-Freak, falls Sie das glauben. Und zuhören tut sie sicher aufmerksamer als ich selbst, auch zusehen, sie bekommt mehr mit. Das weiß ich, weil wir uns über Gehörtes oder Gelesenes unterhalten. Neulich zum Beispiel über die Frage, was Seelen sind (Odysseus in der Unterwelt)... Und ja, Eltern müssen zuhören können. Auch lernen, von den Kindern. Ein weites Feld, aber das Postingfeld ist begrenzt...

Weites Feld / begrenztes Feld

... Ja & ja leider, aber immerhin (mal) ein Feedback.

Gruß aus Berlin

Im Radio

gabs damals viel mehr zum ZUHÖREN als heute !
Kinderstunde, Märchenstunde, Schulfunk, Rätsel und Quizsendungen bis zum täglichen Traummännlein.
Gibts heute alles nicht mehr.
Das Radio wäre doch das ZUHÖR-Medium und ist heute nur noch Berieselungsmaschinerie für Hintergrundkrawall ohne daß man genau zuhört.

Stimmt schon. Die Wortsendungen wurden im Lauf der Jahre immer mehr gestrichen. Bedenkliche Entwicklung, überall nur noch Gedudel.
Trotzdem haben Eltern die Möglichkeit, CDs zu beschaffen. Nicht wenige sind Aufnahmen von mehr oder weniger alten Radiosendungen. Ist wirklich viel Gutes dabei.

Achtung ! Achtung ! Sprachpolizei !

Da soll laut meinem Vater eine lustige Sendung gewesen sein in der man viel über die deutsche Sprache ( richtige ausdrücke, Wortschatz) lernte !

Aber das wäre ja heute unmöglich nach neuen "wissenschaftlichen Studien", denn laut den heutigen Pseudo-Pädagogik-Besserwissern wäre das ja schon wieder was zum "braven ruhigen passiven, frontalen Zuhören", was ja soo verpönt ist.

Zu dem Thema kann ich das Buch familienkonferenz von Thomas Gordon empfehlen. Hab's schon mehrmals gelesen und auch versucht vieles davon umzusetzen, es gelingt mir ehrlichgesagt aber nur wenig davon, weil ich immer wieder auf mein mehr als 30 jähriges einprogrammiertes verhalten zurückfalle....

Gilt aber auch in die andere Richtung:
Viele Eltern hören ihren Kindern nicht mehr richtig zu...

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