Können Kinder nicht mehr zuhören?

Lisa Mayr
19. Dezember 2012, 18:34
  • Zuhören zu können wird meist als Bringschuld der Kinder gesehen.

    Zuhören zu können wird meist als Bringschuld der Kinder gesehen.

  • Simone Groos ist Projektleiterin bei der deutschen Stiftung Zuhören.
    foto: privat

    Simone Groos ist Projektleiterin bei der deutschen Stiftung Zuhören.

Ohne Zuhören kein gegenseitiges Verstehen. Doch was, wenn Kindern das nicht mehr gelingt? Dann gilt es, ihnen Gehör zu schenken. Denn sie lernen durch Nachahmung

"Die Gesellschaft wird durch Millionen von Gesprächen gebildet", schreibt der schwedische Schriftsteller Henning Mankell. "Wenn ein Mensch seine Geschichte erzählen kann, wird er Teil einer Gesellschaft. Wem man nicht zuhört, der existiert nicht."

Auch wer nicht zuhören kann, hat es schwer. Eine Untersuchung der Universität Bielefeld aus dem Jahr 2000 hat etwa gezeigt, dass aktives Zuhören und schulische Leistungen zusammenhängen: 70 Prozent der Kinder, die sich schon im Vorschulalter mit dem Zuhören schwer tun, haben später schulische Probleme.

Wer zuhören kann, lernt leichter

Umgekehrt können Kinder, die gut zuhören können, besser mit Konflikten umgehen. Das bestätigt Marion Glück-Levi, ehemalige Vorsitzende der deutschen Stiftung Zuhören. Das Zuhören ist die Basis für den Erwerb vieler anderer Fähigkeiten. Psychologen nennen es nicht zufällig eine Basiskompetenz.

So weiß man heute, dass Kinder, die zuhören können, besser und sicherer sprechen können und achtsamer gegenüber anderen sind. "Es ist die Schlüsselkompetenz für gelingende Kommunikation", sagt Simone Groos von der Stiftung Zuhören. Eine Schlüsselkompetenz, die allerdings immer weniger Kinder haben - glaubt man entnervten Lehrern und Eltern. 

Als Kompetenz vernachlässigt

"Aktives Zuhören braucht Zeit und Raum", betont Groos. Es setze den Willen zur Aufmerksamkeit voraus und die Fähigkeit, Wichtiges von Unwichtigem zu filtern. "Die Zeit dafür nimmt man sich heute nicht mehr. Man müsste es aber tun, um einander zu verstehen, um verbale Informationen zu sammeln."

Obwohl Zuhören als soziale Kompetenz und Voraussetzung für Wissenserwerb außer Frage steht, war es lange Zeit nicht Teil nationaler Bildungsstandards. "Zuhören zu können wird einfach vorausgesetzt", so Simone Groos. Vielleicht auch, weil es gerne mit dem einfachen Hören verwechselt wird.

Dabei sind Hören und Zuhören zwei Paar Schuhe: Zuhören ist ein aktiver Prozess. "Es entsteht nicht von selbst", betont Groos. "Es bedeutet, dass wir dem, was wir hören, eine Bedeutung geben. Aktives Zuhören ist die Voraussetzung für Empathie, für Anteilnahme und für das Verstehen, wie es einer anderen Person geht." Nur wer zuhört, könne die Welt wahrnehmen, sie sich erschließen, sie begreifen und mitgestalten.

Hören passiert heute nebenbei

Studien zeigen, dass das Hören für Kinder und Jugendliche immer mehr zur Nebenbei-Beschäftigung wird. Auch bei Musik. So zeigt eine deutsche Untersuchung aus dem Jahr 2002, dass das konzentrierte Hören von Musik bei Jugendlichen seit den 80er Jahren abnimmt - zugunsten eines diffusen Nebenbei-Hörens.

Dem Dauerrauschen entgehen

Dazu kommen ein akustisches Dauerraschen vor allem in größeren Städten durch Autoverkehr und Umgebungsgeräusche, mediale Reizüberflutung und eine allgemeine Beschleunigung in vielen Lebensbereichen. Dass die akustische Reizfülle zu Konzentrations- und Aufmerksamkeitsstörungen bei Kindern führen kann, gilt heute als erwiesen.

"Um das Angebot der Umwelt einzugrenzen, lernen Kinder und Jugendliche, den Reizen keine Bedeutung zuzuweisen", heißt es in einer Studie aus dem Jahr 1995. Das bedeutet: Heranwachsende reagieren mit Weghören auf das Dauerrauschen. Doch erst durch aktives Zuhören entsteht Bindung. Und Bindung zu Eltern, Erziehungsberechtigten und Lehrern ist die Voraussetzung für Lernerfolge.

Eltern als Zuhör-Vorbilder

Was also, wenn Kinder nicht mehr zuhören können? Was tun, wenn Jugendliche nicht mehr die Aufmerksamkeit aufbringen, einem längeren Gespräch ohne Unterbrechung zu lauschen? Dann müssen Eltern und Erziehungsberechtigte bei sich selbst ansetzen, sagt Simone Groos. Sie seien Zuhör-Vorbilder. Kinder und Jugendliche, die nicht gehört werden, lernen selbst nicht zuzuhören.

Es gelte, die eigene Haltung den Kindern gegenüber zu überprüfen: Höre ich meinem Kind wirklich zu? Lasse ich es ausreden? Nehme ich ernst, was es sagt - und wie reagiere ich darauf?

"Kinder lernen aus unserem Verhalten und werden auch uns zuhören", schreibt die deutsche Pädagogin Ingeborg Becker-Textor. "Mit der harschen Aufforderung 'Jetzt hör endlich zu!' werden wir nie ein Kind zum Zuhören bringen."

Keine Bringschuld

Zuhören zu können werde immer noch als Bringschuld der Kinder und Jugendlichen gesehen, sagt Simone Groos. "Also als etwas, was Erwachsenen und Erziehungsberechtigte einfordern können, ohne selbst etwas dazu beizutragen."

Aktives Zuhören durch die Eltern bestehe darin, das vom Kind Gesagte zu wiederholen, um zu prüfen, ob man es richtig verstanden hat. So lassen sich Missverständnisse vermeiden. Es besteht darin, mit Mimik und Gestik auf das Gesagte zu reagieren, Fragen zu stellen.

Kinder spüren sehr genau, ob Eltern ihnen zweckfrei oder zweckgebunden zuhören. Sie spüren, ob man ihnen um ihrer selbst willen zuhört. (Lisa Mayr, derStandard.at 19.12.2012)

Info

Die deutsche Stiftung Zuhören betreibt 2.000 Hörclubs in Schulen und Kindergärten. Hier lernen Kinder auf spielerische Art und Weise, wie man gekonnt hört und zuhört.

Link

Stiftung Zuhören

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zuhören ist eine frage der umgebung...
wenn ständig zb konsum-terror auf kinder wie erwachsene einprasselt, ob auf der straße oder über tv, internet, radio, videospiel, steht das soziale hint an...

selbst-versuch: in einem las vegas casino umgeben von blink blink und bling bling bling ein gespräch zu führen, das auf gegenseitigem zuhören basiert...

So einfach wirds auch nicht sein.

Ich und meine Geschwister haben dieselben Eltern, sind im selben sozialen Umfeld aufgewachsen, hatten in der Grundschule dieselben Lehrer: Die einen sind gute Zuhörer, die anderen könnten egozentrischer nicht sein, die hören nie zu, warten nur darauf, bis man eine kurze Redepause macht, um dann selbst weiterreden zu können.

kann ich bei meinen kids bestätigen... genau so: die eine kann super zuhören, geduldig, früh sehr klar gesprochen, jetzt super schülerin.
der andere: egozentrisch, ungeduldig (nicht mal beim täglichen vorlesen bringt er ein mindestmaß an geduld auf), zornig .... enorme schwierigkeiten, sprechen zu lernen. aber ich sehe auch den teufelskreis: er fordert mich bei weitem mehr heraus, meine nerven sind bei ihm angespannter, ich bin leichter ungeduldig bei ihm. sie hatte immerhin 3 jahre lang ungeteilte aufmerksamkeit.

"Ich und meine Geschwister"
"die anderen könnten egozentrischer nicht sein"

Nachdem du das "Ich" an die erste Stelle setzt, meinst du dich damit vermutlich selbst.

Weihnachten steht vor der Tür - d.h. gefühlsmäßig wird bei uns zuhause wieder ganz China da sein.

Da muss ICH jetzt schon üben, MICH mehr in den Vordergrund zu stellen (schon allein deswegen weil zwei meiner SChwestern schwanger sind, und sich so einen Vorteil verschaffen; sorgen ja für den ersehnten Familienzuwachs). Früher hab ICH zum heulen angefangen, oder so getan als hätte ich mir weh getan, damit MIR wer zuhört. Aber das zieht halt auch nicht mehr.

"oder so getan als hätte ich mir weh getan"

Mit der richtigen Ausrüstung und Special Effects geht das immer.

Ein gutes Beispiel dafür,

was wirklich wichtig ist, aber in unserem Bildungssystem absolut ignoriert wird. Ja, es ist die Aufgabe des Bildungsystems, das zu fördern, da die meisten Kinder als Kleinkinder sehr gut zuhören können und auch sehr gute Fragen stellen, die dann hoffentlich auch gut beantwortet werden. Da macht Zuhören dann auch Spaß. In den Schulen ändert sich das meistens, weil Lehrer oftmals uninteressant(e) Dinge vortragen.
Es muss einfach die Motivation der Kids aufrecht gehalten werden. Ich bin, auf Grund latenter Geistesabwesenheit, leider kein sehr guter Zuhörer. Bzw. höre ich schon zu, aber eher in einem Sekundärsystem. Dafür habe ich immer sehr gute Antworten parat. Halt mehr Denker als Fühler.

Beobachtet mal ein Lehrerzimmer heimlich mit einer Videokamera - dann wisst Ihr was sich in unseren Schulen wirklich abspielt !

Unfähige Lehrer = unfähige Kinder !

Tipp!

Ab zur musikalischen Früherziehung mit den Kindern. Das fördert die soziale Kompetenz schult das Gehör und verlangt spielerisch ein Zuhören. Kostet wenig, bringt enorm viel.
Wenn Kinder gemeinsam musizieren müssen sie zwangsläufig aufeinander hören weil sonst klingts nach nix. Das Miteinander und das Aufeinander hören wird so spielerisch gefördert.

Fehlende Zuhör-Kultur in Wien

Als geborener Wiener bin ich in einem Umfeld permanenter Selbstdarstellungen und Monologisierungen aufgewachsen. Für die anderen Bundesländer kann ich das nicht beurteilen. Aber aus diesem Grund scheint es mir umso wichtiger, dass Eltern versuchen, aus diesem Teufelskreis auszubrechen, wie im Artikel unter "Eltern als Zuhör-Vorbilder" recht beschrieben. Leider wirken da die "sozialen" Netzwerke kontraproduktiv. Ein Blick in Facebook zeigt ein wahres Feuerwerk an Selbstdarstellungen, ein Abbild unserer "autistischen" Gesellschaft.

das ist nicht nur in Wien so.

Aber was Wunder? Aus jeder Flimmerkiste, aus jedem Doof-Magazin schreit es einem entgegen: ich, ich und nochmals ich.

danke fuer diesen artikel...

...bevor unsere kinder das zuhoeren lernen koennen, muessen wir erwachsene es wieder erlangen.

muss mich selber an der nase nehmen und ich werde versuchen mich nicht nur meinem kind gegenueber zu verbessern.

aber anstrengend ist es schon, speziell am weg in den kindergarten, wo die kleine im kinderwagen sitzt, und was sagt, was wegen umgebungsgeraeusch und subjektiver entfernung meist zu leise ist, dass man es kaum hoert.

ich werde mich noch oefter runterbuecken und nachfragen, wenn ich es wieder nicht verstanden hab

Kinder können nicht mehr zuhören

weil die Erwachsenen so viel Schrott reden.

Zuhören ist so ziemlich das anstrengendste was es gibt - du nimmst dich komplett zurück, fokussierst dich voll und ganz auf dein Gegenüber, um ihm den ganzen Raum für die Darlegung seiner Probleme und Ansichten zu lassen.

Du musst dich auf den Menschen einlassen um ein richtiges Gespräch führen zu können, erst dann entsteht Identifikation, Respekt und Verständnis, was wiederum die Grundlage für Problemlösungen schafft.

Egoismus, Machtspielchen, Darstellungszwang, Schnellebigkeit - alles was unsere momentane digitale Lebenskultur 'auszeichnet', spricht gegen diese anstrengende, zeitaufwendige Gesprächskultur.

Obwohl ich damit aufgewachsen bin - in meinem Umfeld wurde sehr viel Wert auf Gespräche, Geschichten erzählen, Diskussionen etc. gelegt - merke ich selbst, dass ich viel weniger Gespräche im ursprünglichen Sinn führe, einfach weil es die Wenigsten mehr können/wollen, oder schlicht keine Zeit dafür bleibt.

Nicht die Kinder sind das Problem..

Nicht selten, dass Leute die sich kennen zusammensitzen und jeder in sein Handy starrt.

Die voranschreitende Desozialisierung durch Unterhaltungselektronik entwickelt sich schon zu einer richtigen Krankheit.

Richtig, hab heuer im Sommer erlebt wie da "Generationen" zusammenprallen.

Chef fragt Mitarbeiter wie sich der Praktikant so anstellt. Der sagt, nicht so schlecht, aber wenn man mit ihm reden will schaut er so oft auf sein Handy und schreibt gleichzeitig SMS

Der Praktikant wurde nicht als Mitarbeiter übernommen und es hat ihn nicht einmal wer über sein Fehlverhalten aufgeklärt. Unglaublich, was in den nächsten Jahren an Humankapital draufgehen wird, weil viele nicht mehr wissen wie man ein Gespräch führt!

das kann ich bestätigen. ich habe mich vor jahren mal mit einem (ehemaligen) freund zum abendessen getroffen. das essen dauerte ca. 2 stunden (mehr zeit is ja net, bestellen, essen, kurz nachtisch, und nach hause). wollte halt die neuigkeiten der letzten zeit austauschen, mit dem ergebnis, dass wir ca. 15 min (wenn überhaupt) miteinander geredet haben, weil ständig sein handy geläutet hat und er da ran gegangen ist, und mit dem anrufer weiss gott wie lange telefoniert hat. hab mich dann nicht mehr mit ihm getroffen, hat mich nimma interessiert. sah es als zeitverschwendung meinerseits an.

das hab ich meinen kumpel abgewöhnt...während wieder mal das cell phone klingelte

beim gemeinsamen essen...sagte ich zu ihm leise...hee...wird sind beim essen...jo eh...war seine antwort...darauf nahm ich ihm das phone aus der hand und sprach hinein: sorry wir sind gerade beim essen, danke bis später und legte auf. seitdem benutzt er kein phone mehr wenn wir beide beim essen sind

Es fehlten Respekt und Wertschätzung

Zurecht ehemalig, der Freund. So was bringt mich auch nach 15 Jahren Handy im Alltagsgebrauch ärgstens auf die Palme.

Noch nie so intensiv wie jetzt, wo es anscheinend für jeden die größte Selbstverständlichkeit ist, in Gesprächen ans Handy ranzugehen, SMSn, spielen, selbst das Gespräch am Handy abrupt abzubrechen (jemand klopft gerade), oder in den öffentlichen Verkehrsmitteln anderen Fahrgästen seifenoperreifen Unsinn ins Ohr zu brüllen.

Der geheime Plan: Das nicht-Zuhören der Vorschüler in der Volksschule bekämpfen... mit Aufklärungsunterricht. Danke, Frau Minister Schmied!

Wie die Eltern so die Kinder....

Diskutiert man mit anderen oder erzählt jemandem irgend etwas, kommt es viel zu oft vor, dass man stets mitten im Satz unterbrochen wird. Diese Unsitte scheint weit verbreitet zu sein. Wenn also Eltern schon nicht mal hinreichend erzogen wurden, andere aussprechen zu lassen, wieso sollte das bei ihren Kindern dann anders sein.

Ich habe mir bereits schon antrainiert, mit erhobener Stimme einfach weiterzusprechen, sobald mich jemand unterbrechen will. Funktioniert aber nicht immer, in diesem Fall bekommt der Gesprächspartner eine Zurechtweisung. Ob er es sich dann merkt, sei dahingestellt.

Dieses um jeden Preis Aussprechenlassenmüssen kann aber auch ganz schön nerven.
In einer lebendigen Diskussion muß ein kurzer Einwurf gestattet sein, bis manche Leute mit ihren Sermonen zu Ende sind, hab ich schon wieder vergessen, was ich sagen wollte.
Mit manchen schnelldenkenden Menschen kann ich sogar simultan reden und wir verstehn uns trotzdem.

dein vorposter u. du ...nun ja, ihr habt beide recht...

leute, raus aufs land - schneeschale statt sat-schüssel! wirkt wunder und die gschroppen nehmen's gern an.

In einer Gesellschaft, die immer mehr aus soziopathischen Autist_innen besteht, ist dies allerdings kein Wunder.

wahres problem

das wahre problem sind nicht die tauben kinder, sondern die stummen eltern.

na, die sind ja im sinne des systems damit beschäftigt ewiges wachstum zu erwirtschaften, ihren kindern dadurch die lebensgrundlage zu entziehen, und nie mehr bezahlbare schuldenberge im privaten wie im öffentlichen bereich anzuhäufen....

kinder werden da wohl eher als lästig empfunden, und in die ganztagesprogrammieranstalt abgeschoben...

nennt sich informations-overkill - was da schon alles an müll auf die kinder einprasselt, sei es aus fernsehen, computer, radio, handy, frontalverblödungsunterricht kann nur dazu führen, daß die aufmerksamkeitsspanne sinkt und die kinder einfach abschalten - dann stopft man sie mit dem kokainderivat ritalin voll, und schon hat die pharmalobby einen dauerkunden mehr.

zeit zum nachdenken bleibt da keine , und auch die fähigkeit echte information aus diesem infomüll zu filtern, wenn überhaupt irgendeine wertvolle information dabei sein sollte, nimmt ab - ich würde das eher als eine art "programmierungsvorgang" bezeichnen, der mit lernen nichts mehr zu tun hat, und die kinder in stupide konsumsklaven verwandelt

Das nennt man "gestörte Verhältnisse" und die hat es früher genauso gegeben. Da haben die Leute halt nicht gehackelt um ihre "Schulden" zurückzuzahlen, sondern um mehr schlecht als recht zu überleben und genug zu essen zu haben. Da war nicht viel Zeit für Gerede und Befindlichkeiten, da ist gearbeitet worden und vor allem eines nicht "aufgemuckt" und "bled daherg'redt".

Da früher aber sogar die Zukunft besser war, war damals natürlich alles ganz anders.

früher war immer alles ganz furchtbar, die menschen waren dumm, und mussten hackeln bis zum umfallen, und nur heute fliegen die gebratenen tauben mit dem olivenzweig im schnabel...

das hat man den menschen vor 70 jahren erzählt, vor 200 jahren, vor 500 jahren....eigentlich haben jene die über das informationsmonopol, und somit auch über das exklusive recht geschichte zu schreiben, verfügten (egal ob kirchlich oder weltlich) nie etwas anderes erzählt - ist auch logo, denn welcher herrscher, welches system gibt schon zu, daß es andere vor ihm schon mal bessser gemacht haben?

darum lernen wir auch keine geschichte sondern nur geschichterln, meist über kreige, schlachten, große eroberer, not und elend - das steigert die zufriedenheit

Es war ANDERS aber nicht besser oder schlechter.

Diese ewige Jeierei wie schlimm doch heute alles ist und wie viel besser früher alles war gibt es seit es schriftliche Aufzeichnungen gibt und die Jeierer sterben nicht aus. Ja war eh viel besser - weil bei einem 10 KM Marsch den Berg rauf hat jeder die Klappe gehalten und nicht sinnlos durch die Gegend gelabert.

tja, und heute arbeiten die menschen 12 stunden am tag um es sich einmal im jahr leisten zu können in die berge zu fahren und einen 10km marsch zu machen, arbeiten dafür, ihre kinder so früh wie möglich in die staatlichen progammieranstalten zu stopfen um noch mehr arbeiten zu können, ihre eltern ins heim abschieben zu können, um dann im anschluss erst verarmt und einsam zu krepieren....

heute arbeiten wir offenbar sehr hart daran immer unglücklicher zu werden wärend wir uns die verfälschte vergangenheit motivierend vor augen halten...

irgendwie kommt mir langsam der verdacht, daß wir erst heute die höchste stufe der sozialperversion erreicht haben

Es tut mir leid wenn Sie solche Erfahrungen machen - die Leute in meiner Umgebung leben in sozialen Gefügen. Wer sich nie um ein gutes soziales Umfeld kümmert und immer nur nimmt und nie gibt, der endet halt so - das ist aber nicht die Regel.

Welche verfälschte Vergangenheit? Ich möchte nicht mit den 60er Jahren tauschen und schon gar nicht mit der Zeit davor. Weltretter und Untergangsstimmungsmacher sahen in der Welt schon immer Sozialperversion. Das können's durch die komplette aufgezeichnete Geschichte lesen. Die Zeit war aber noch nie so gut wie heute - auch wenn das System etwas in Schieflage geraten ist. Das wäre aber politisch mit e. paar Korrekturen durchaus ins Lot zu bringen und liegt nur am wollen.

und ob man ihnen das erzählt hat, damit sie ihren zehnten abliefern, den ablass bezahlen, oder das heutige zinssklaventum bejubeln spielt im endeffekt keine rolle - die lüge über die vergangenheit, die taktik immer nur das schlechte, und niemals das gute hervorzuheben, steigert einfach die akzeptanz der ist- situation, läßt uns leichter an die "alternativlosigkeit" glauben, und hat die menschen schon immer dazu bewegt über die grundlegenden fehler eines systems hinwegzusehen, weil, "früher war ja alles noch viel, viel schlimmer"

ich fange an daran zu zweifeln und sehe das bloß als geschickten schachzug momentane ungerechtigkeit und umverteilung nach oben mit alter ungerechtigkeit zu rechtfertigen.

PS mir hat man nichts erzählt - ich habe die bäuerliche Welt und elende Schinderei noch miterlebt - wenn auch schon in den "Ausläufern" - Sie labern von irgend etwas, das Sie theoretisch kennen. Früher war die Ungerechtigkeit noch viel schlimmer. Da wurde gar nicht umverteilt, sondern Knecht und Magd waren Knecht und Magd und hatten so wenig Rechte und Einkommen, dass IHnen die Ohren wackeln würden. Handwerker waren auch nicht besonders reich, sondern kamen gerade so über die Runden. Einzig eine kleine Schicht Adel u. Bürgertum lebte in Saus und Braus. Was daran besser gewesen sein sollte erklärens mir mal. Die letzten 4 Jahrzehnte waren die Ausnahme aber nie die Regel in der Geschichte.

ich rede nicht von einem früher das irgendjemand von uns erlebt haben könnte - wie gesagt, unser system ist jetzt 300 jahre alt, davor war die kirche am drücker, und davor der hochadel.....in dieser zeit hat sich nie was grundlegendes geändert - im endeffekt mussten alle immer buckeln bis zum umfallen, damit einige wenige arbeitslos in saus und braus leben konnten - das einzige was sich geändert hat ist die art wie man die menschen dazu motiviert hat mitzuspielen, und die körperliche gewalt ist halt irgendwann der psychischen gewalt gewichen, aber im endeffekt ging es immer darum den menschen angst zu machen damit sie sich fügen und ihnen eine art pseudo-ausweg aus der angst zu zeigen, damit sie so handeln wie es die herrscher wollten...

PS - das herumdreschen allgemeiner Schlagwörter und e. negativen Einstellung verbessert die Welt aber auch nicht - im Gegenteil, es macht Ihre persönliche nur noch schlimmer.

Angst muss man sich aber auch machen lassen und wenn man so handelt wie die Herrscher es wollen ist man zumindest heute selbst dran schuld, denn man hat wahrlich die Wahl.

Dass das System, das EU nach dem 2. Weltkrieg umgesetzt hat eines der besten, die es je gab mit allgemeinem Wohlstand ist, werden Sie ja hoffentlich nicht anzweifeln. Dass dies nach dem Fall des Kommunismus in Schieflage geraten ist ist eine Tatsache, hat aber nichts mit "Ihren Befürchtungen" zu tun, sondern bedürfte einiger Korrekturen. Wäre Ihnen lieber, dass statt e. Finanzkrieges ein realer geführt wird?

das system ist das beste - aber nur für jene die den zweiten weltkrieg verursacht haben um genau dieses system zu installieren, und die auch die einzigen sind, die im endeffekt davon profitieren

Wie bei so vielen Themen leben die Erwachsenen halt auch hier eine absolue Unkultur konsequent vor.

Heute werden Leute per Flugzeug für Tagesmeetings eingeflogen. Dort sitzen sie dann 6 von 7 Stunden mit gesenktem Kopf teilnahmslos im Raum und klappern auf ihrem Blackberry herum, ab und zu gehen sie auch zum Telefonieren raus oder werfen ein paar generische Bullshit-Floskeln zwecks Daseinsberechtigung ein. Am Abend fliegen sie mit null Information wieder heim. Zahlt sich aus.

Anderes Beispiel: Man trifft sich mit jemandem der während des Gesprächs permanent SMS, Facebookeinträge oder Ähnliches schreibt. Macht mich persönlich rasend - aber einmal wortlos aufstehen und einfach gehen wirkt wunder :)

Da geht es mir gleich wie Ihnen.

Das mit dem Aufstehen werde ich einmal versuchen.

Die Dauerberieselung soll wohl die eigene Unsicherheit verbergen.

In Bussen und U-Bahnen, oder überhaupt im öffentlichen Raum sieht man junge Leute nur mehr mit Ohrstöpseln. Was soll das?
Bei Nachfrage erhält man die Auskunft, dass sie ohne Musik nicht leben können. Dies ist doch nur eine Art zu vermitteln, ich will mit meiner Umwelt keinen Kontakt haben. Vielleicht müsste man sich dann einmal einem Gespräch und einer anderen ungefilterten Meinung stellen?

Ich genoss das Zugfahren in meiner Schulzeit immer. Viele interessante Gespräche mit komplett andersdenkenden Gesprächspartnern. Schließlich hat jede Meinung auch positive Dinge.

Ich sehe die Ohrstöpsel eher als Abschreckung, im Sinne von: "Ich kann dich eh nicht hören, red mich nicht an". Habe teilw. die Stöpsel drin, ohne überhaupt i-was zu hören. Mir ist es zu oft passiert das ich in der Ubahn angelabert wurde und in ein Gespräch verwickelt wurde, an dem ich überhaupt kein Interesse hatte. Ich hab bspw. besseres zu tun als i-wem zu erklären, was ein eReader ist und wozu ich den verwende.

Andere Meinungen hole ich durch Konversation unter Freunden, Kollegen, Bekannten, im Netz oder in Zeitungen.

Muss man sich von jedem volllabern lassen? Ich hasse nichts mehr als distanzlose Menschen, denen fad ist oder die einsam sind und einen in 1 Stunde ihre gesamte Lebensgeschichte raufgedrückt haben.

Es hat doch wohl jede/r das Recht mit denen zu reden mit denen er will oder eben auch nicht. Diese Unkultur der Nachhippiezeit jeden Furz und jede Befindlichkeit aufzublasen und nächtelang zu zerreden ist auch nicht das Gelbe vom Ei.

Diese Nachfrage stell ich mir bildlich so vor, wie wenn man solchen Menschen irgendwelche Alltagsfragen stellt: Verwirrter Blick, Abmontieren der Ohrstöpsel, Wiederholung der Frage, kurz angebundene Antwort, Montage der Ohrstöpsel ;-)

da haben sie schon recht, ich hab das pendeln auch immer genossen....
ABER: wer hatte denn schon ein handy? einen laptop mit internetz?.... das maximum war ein discman.
man konnte also schlafen, lesen oder tratschen.
jetzt: "muss" man den anderen beim telefonieren zuhören *brrr* od. man stöpselt sich zu. lesen geht auch nur mehr sehr schwer weils andauernd irgendwo piepst, klingelt oder jemand ins handy plärrt dass man glaubt der gesprächspartner sitzt am anderen ende des zuges...

Ja, die

Interessanten Gespräche gibt es wohl nicht mehr ...
Das letzte hatte cih beim Club2 mitgehört oder beim Gespräch mit einem ehemaligen Studienkollegen in der Forschung...
Sind Sitcoms-Situations, Modegags, handy Bugs(äh features) und oder ob der Hund heute gekackt hat so interessant ... nein, da hör ich auch lieber Musik, oder nehm ein Rätselbuch zur Hand....

Ich höre in den Öffis auch so gut wie immer Musik. Das hat aber nichts mit "sich nicht anderen Meinungen stellen wollen" zu tun, sondern einfach damit, dass mich das Gelaber der Leute rundherum nicht interessiert.

Sie geben ihrem Vorposter damit zu 100% recht.

Wenn man "Host gestern Saterday Neit Fiever gsehn, so oarg" und ähnlichen Blödsinn als "ungefilterte Meinung", die es wert ist, gehört zu werden, betrachtet, wahrscheinlich. Öffi fahren ohne Ohrstöpsel hat mich aber gelehrt, dass man nicht viel versäumt, wenn man sich das Gerede und Handy-Geplärre nicht antut. Da hör ich lieber Musik.

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