Verdächtig aussehender Uhu aufgegriffen, aber rehabilitiert

  • Darf in Deutschland leben: Der rehabilitierte Uhu aus dem Sauerland.
    foto: winfried limpinsel

    Darf in Deutschland leben: Der rehabilitierte Uhu aus dem Sauerland.

Ein Fallbeispiel aus Deutschland zeigt, welchen Nutzen das "Barcoding" von Tierarten hat

München - Akte geschlossen: Im Kampf gegen Faunenverfälschung durch Bio-Invasoren ist in Deutschland ein Uhu in "Sicherheitsverwahrung" genommen worden. Der Grund: Das Tier zeigte eine für heimische Uhus untypische Gefiederfarbe. Möglich war daher, dass es sich um ein Exemplar einer asiatischen Schwesterart des in Mitteleuropa heimischen Uhus (Bubo bubo) handelte - und das dürfte hierzulande nicht freigelassen werden. Inzwischen wurde der verdächtige Vogel aber rehabilitiert, wie die Staatlichen Naturwissenschaftlichen Sammlungen Bayerns berichten.

Vor etwa einem Jahr landete das Tier in einer Auffangstation, weil es im Stadtgebiet von Duisburg und Mülheim/Ruhr offenbar die Nähe zum Menschen suchte und sehr zutraulich wirkte. Wahrscheinlich wurde das Tier von Menschen aufgezogen. Seither lebt der Uhu in einer Greifvogelauffang- und Wiederauswilderungsstation im Sauerland. Da Naturschützer die Auswilderung forderten, wurde die Zoologische Staatssammlung in München beauftragt, die Herkunft des Tiers festzustellen. 

Die Untersuchung

Der Genforscher Jerome Moriniere verwendete winzige Gewebeproben aus den Federkielen des Vogels und griff zum Vergleich auch auf gespeicherte Proben in der weltweiten Gen-Datenbank des "Barcoding"-Projektes zurück. Bei diesem Projekt untersuchen Wissenschafter einen bestimmten Genabschnitt, das so genannte COI-Gen, möglichst aller Tierarten und speichern diesen in einer Online-Datenbank. Dieser Genabschnitt besitzt für eine Art dann eine ähnliche Bedeutung wie ein Strichcode auf Waren im Supermarkt.

Moriniere konnte zeigen, dass es sich bei dem fraglichen Uhu einwandfrei um einen europäischen Uhu und nicht um einen importierten Bengalenuhu (Bubo bengalensis) handelt. Das Amt für Umwelt und Grün der Stadt Duisburg prüft nun die Chancen, den Uhu auf ein Leben in Freiheit vorzubereiten, oder - falls das nicht gelingt - für ein Zuchtprogramm im Zoo Duisburg einzusetzen. (red, derStandard.at, 22. 12. 2012)

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