Langanhaltende Folgen von Nikotin im Gehirn

19. Dezember 2012, 13:19
  • Die Tomographie-Bilder zeigen, dass die Bindung zum mGluR5-Protein (rot=starke Bindung) im Gehirn von Rauchern im Durchschnitt um bis zu 30 Prozent verringert ist (oberste Reihe). Auch die Ex-Raucher (mittlere Reihe) zeigten eine Reduktion dieses Proteins um bis zu 20 Prozent. Die unterste Reihe zeigt die Menge des Proteins im Gehirn von Menschen, die nie geraucht haben.
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    foto: upd, universität bern / pet-zentrum, universitätsspital zürich

    Die Tomographie-Bilder zeigen, dass die Bindung zum mGluR5-Protein (rot=starke Bindung) im Gehirn von Rauchern im Durchschnitt um bis zu 30 Prozent verringert ist (oberste Reihe). Auch die Ex-Raucher (mittlere Reihe) zeigten eine Reduktion dieses Proteins um bis zu 20 Prozent. Die unterste Reihe zeigt die Menge des Proteins im Gehirn von Menschen, die nie geraucht haben.

Schweizer Forscher stellten fest, dass die Auswirkungen von Nikotin länger und stärker sind als bisher angenommen

Bern - Ehemalige Raucher haben bis zu vier Jahre ein erhöhtes Rückfallrisiko wieder zum Glimmstengel zu greifen. So lange braucht vor allem die Psyche, um das Abhängigkeitspotential zu mindern.

Nikotin verursacht im Gehirn eine sowohl stimulierende wie auch beruhigende Wirkung und kann kurzfristig die Konzentrationsfähigkeit verbessern. Bei wiederholtem Nikotinkonsum kommt es jedoch zur Toleranzbildung. Das heißt, die positiven Wirkungen werden schwächer und der Verzicht auf Nikotin führt oft zu Entzugssymptomen wie Unruhe, Gereiztheit, Angst, Lustlosigkeit, Kopfschmerzen, Schlafproblemen, Konzentrationsstörungen, Hungergefühl und Gewichtszunahme.

Die Langzeitfolgen des Nikotinkonsums auf das Gehirn konnten bislang allerdings noch nicht ausreichend geklärt werden. Forscher der Universität Bern und Zürich stellten nun in einer Studie fest, dass diese Folgen länger andauern und stärker sind als bislang angenommen wurde.

Ex-Raucher weisen ebenfalls Veränderung auf

Die Entwicklung der Nikotin-Sucht ist eine Art Lernprozess. Der Hirnbotenstoff Glutamat spielt dabei eine zentrale Rolle. "Von Tierstudien ist bekannt, dass Glutamat auch bei der Entwicklung von Abhängigkeit, die ebenfalls eine Art Lernprozess darstellt, wichtig ist", erklärt Gregor Hasler, Chefarzt an den Universitären Psychiatrischen Diensten (UPD) Bern. Aus diesem Grund haben die Mediziner das Glutamat-System bei Rauchern, Ex-Rauchern und Nicht-Rauchern untersucht.

Laut Angaben der Wissenschaftler wurde dabei über die neu entwickelte Methode der Positron-Emissionstomographie ein wichtiges Protein des Glutamat-Systems gemessen: der metabotrope (stoffwechselaktive) Glutamat-Rezeptor 5 (mGluR5).

Die Studie ergab, dass die Menge dieses Proteins im Gehirn von Rauchern im Durchschnitt um 20 Prozent verringert war, in einzelnen Hirnregionen wie dem unteren Frontallappen und den Basalganglien um bis zu 30 Prozent. Auch bei Ex-Rauchern, die im Durchschnitt 25 Wochen abstinent waren, zeigte sich eine Reduktion dieses Proteins um 10 bis 20 Prozent.

"Diese Veränderung des Glutamat-Systems bei Rauchern ist im Ausmaß und in der Verteilung weit größer, als man bisher angenommen hat", erläutert Gregor Hasler. Für die Forscher besonders unerwartet sei, dass die Erholung des Glutamat-Systems offenbar sehr lange dauert. Es ist wahrscheinlich, dass diese sehr langsame Normalisierung zu der sehr hohen Rückfallrate bei Ex-Rauchern beiträgt, so die Experten.

Möglicher Einfluss auf Angststörungen und Übergewicht

Bisher ungeklärt ist laut Gregor Hasler, inwieweit die anhaltenden Veränderungen des Glutamat-Systems Lernprozesse im Allgemeinen beeinflussen - und ob die Reduktion des mGluR5-Proteins zum erhöhten Risiko für Angststörungen bei Rauchern und für Übergewicht bei Ex-Rauchern verantwortlich ist.

"Hinsichtlich der Entwicklung von Medikamenten, die auf das mGluR5-Protein einwirken, ist zu berücksichtigen, dass sich die Wirkung bei Rauchern und Ex-Rauchern deutlich von der Wirkung bei Nicht-Rauchern unterscheiden könnte. Diese Medikamente könnten zudem das Potenzial haben, das Rückfallrisiko, die Entzugssymptome und andere psychische Folgen des Nikotinkonsums zu reduzieren", betont Hasler. (red, derStandard.at, 19.12.2012)

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Ich habe leicht lachen!

Nachdem ich vor rund sieben Jahren das Rauchen "aufgegeben" habe...

Freuen Sie sich nicht zu früh

Glaub ich werd jetzt genüßlich eine rauchen.

wowww ... was für eine coole wortmeldung!!!!

Interessant - rauchen Sie denn manchmal auch nicht-genüsslich? ;-)

ja.. nein..

Ich habe einige Zeit genüsslich geraucht, bis ich dann vor mehr als einem halben Jahr eine Zigarette geraucht habe und diese alles andere als genossen habe.
Plötzlich haben mir Zigaretten einfach widerwärtig geschmeckt, deshalb habe ich das mit dem Rauchen dann gleich bleiben lassen.

Früher, wenn ich mit Rauchen pausiert habe, habe ich trotzdem bei Bier und Kaffee das Rauchen vermisst. Diesmal fehlt mir gar nichts :)

Same here!

hab auch von einen Tag auf den anderen aufgehört … aber ich bin auch erst 19 ;)

PS: 6 Monate Rauchfrei

der weg führt über den schmerz und die trauer

ich war furchtbar traurig als ich aufgehört hab, immerhin ist das rauchen bei allem anerkennen der sucht, ja auch ein netter begleiter gewesen all die jahre. ich fand, man durchläuft alle phasen der trauer wie zb auch bei einer trennung oder einem todesfall.

welchen grund das genau im gehirn hat und welche suchtfaktoren dafür verantwortlich sind, ist letztlich zweitrangig.

die krux ist , dass man wenn jemand stirbt ihn nicht einfach zurückholen kann. die zigarette ist im moment der größten verzweiflung immer greifbar und schwupps, raucht man wieder. so mehrfach im freundeskreis erlebt.

durchtauchen durch die trauer und am ende des tunnels ist dann wirklich licht, ganz ehrlich! wie bei einer geburt, das kind muss raus, so oder so.

ja stimmt, trauer beschreibt es am besten.

mit einer dames bist du nie allein.

kennen sie den slogan noch?

Das ist mal ein echt sachliches und ehrliches Posting von einem Raucher, solche Unterhaltungen würde man sich eher wünschen als das übliche bösartige Hin und Her zwischen Rauchern und Nichtrauchern!

Na ja, "y_sky" arbeitet ja auch seinen persönliche Trauer auf. Da fällts auch "jedem" leicht, ein Beileid dazu auszudrücken, Rauchern wie Nichtrauchern.

Beim bösartigen(!) Hin(!) und Her(?) zwischen Rauchern und Nichtrauchern gehts aber um GANZ was anderes.

Raucher - will ja immer weiter rauchen, auch an typischen gemeinsamen Auftenthaltsorten aller Menschen (Raucher & Nichtraucher). Für eine Sucht werden dann halt auch oft ansonsten(!) selbstverständliche soziale Verhaltensweisen einfach so vergessen.

Nichtraucher - will halt einfach NIE Rauchen, was ein wenig schwierig wird, wenn Raucher dies schlicht und einfach ziemlich wurscht ist. Eine "no Win" Situation für jeden Nichtraucher. Schweigt man, wird man zum (mit)rauchen genötigt. Schweigt man nicht wird man trotzdem(!) zum (mit)rauchen genötigt UND ist plötzlich auch noch der Böse(!) Spaßverderber.

Amen!

Ein Amen ist da ein wenig unüberlegt gewählt,

sofern Sie das ewige Hick Hack wirklich selber stört.

Mit Ihrem Amen bekräftigen Sie ja jetzt sogar das ewige Hickhack, noch dazu auf "Höchster Ebene"!

;-)

Naja, ich kenne einige Raucher in meinem Bekanntenkreis, die sehr rücksichtsvoll sind und NIEMALS frech und fordernd vor Nichtrauchern rauchen täten, die sogar in ihrer eigenen Wohnung raus gehen, wenn Nichtraucher zu Besuch kommen. Ich finde also schon, dass man sich einigen kann, da ich SOLCHEN Rauchern zwischendurch auch viel mehr nachsehe als denen, die meinen, dass man gefälligst weichen soll, wenn man ihres Dunstes überdrüssig wird.
Ihre Rede kommt mir einfach zu sehr ins Nichts führend vor, auch zu langatmig, deshalb das Amen. :-)

Da stimme ich völlig mit Ihnen überein

Wenn man sich gegenseitig mehr oder weniger gut KENNT, fällt es deutlich leichter gegenseitige Rücksicht zu üben.

Aber bei dem HickHack gehts ja auch in erster Linie um die gesellschaftpolitische Diskussion zB in den Standard-Foren.

Meine für Sie langatmige(!) "Rede" ist aus dieser Sicht eigentlich sogar NUR nur eine extrem vekürzte Zusammenfassung meiner Erfahrung zu diesem Thema in den (Nicht)Raucher Foren des Standards.

Möglicherweise führt diese Zusammenfassung hier jetzt zu nichts. Aber immerhin befinden wir uns ja im Gesundheitsforum. Dahin verirren sich normalerweise eh NUR an Gesundheit Interessierte.

"nur an Gesundheit Interessierte"..., zählen Sie Kettenraucher wirklich zu solchen? Ich nicht.
Ich bin allgemein auch bei sogenannten "Fremden" rücksichtsvoll, egal mit was, nicht nur bei guten Freunden. Von Menschen mit Charakter und Zivilisiertheit würde ich mir das einfach erwarten, auch in einem Forum. Doch in einem solchen merkt man leider ja oft auch mehr als im direkten Gespräcäh, wie die Leute WIRKLICH denken und das ist nur äußerst selten diskussions- oder gar kompromissbereit, zu allerletzt Fehler eingestehend oder Unwissen zugebend...

musste aufgrund von magenbeschwerden mit dem kaffeetrinken aufhören, ging mir ähnlich. das verlustempfinden für eine wohlschmeckende gewohnheit war spürbar.

leider leider sind suchterkrankungen erkrankungen u keine charakterschwäche. selbstverständlich muß der wille zur gesundung am anfang einer therapie stehen wie bei jeder anderen krankheit auch. unglücklicherweise ist die therapie von suchterkrankungen sehr sehr schwierig, prognose übel.bei nikotin jedoch günstoge prognose,das ist die gute nachricht

bullshit

so einen mist hört man z.b. oft von rauchern...
nikotin ist einer der am meisten süchtig machende stoff überhaupt. oder wie erklären Sie sich die vielen, offenbar stark süchtigen raucher?
ich habe schon einige drogen konsumiert, am hartnäckigsten war in puncto abhängigkeit noch immer der ordinäre tschick.

also irgendwie hat uduk schon recht.

hab selbst, als wirklich schwerer raucher vor 1 jahr aufgehoert, alles eine einstellungssache.
wenn du wirklich willst geht es, und zwar nur im "kalten entzug" also ohne kaugummi und pflaster oder was auch immer.
interessant ist dass ich zeitweise heute nach 1 jahr mehr verlangen habe als nach 14 tagen. kommt z.b. mit der tasse kaffee im buero dazu muss die obligate zigarette irgendwie "gehirn-fix-verdrahtet" sein.

das kann ich nur teilweise nachvollziehen.

in meinem fall war das ab-und-zu verlangen nach einem zug mit einem gedanken an den grausigen geschmack weg. ganz anders aber, als ich einmal schwach geworden bin, dann war mir der geschmack wurscht und ich war sofort wieder voll drin in der sucht. dann gabs auch zeiten, da hab ich nur geraucht, wenn ich betrunken war. nur alle paar monate, dafür eine nach der anderen....

Bevor jemand jammert - Ich will ja nur Missionieren - will ich nicht, mir ist es egal, ob jemand raucht, nicht raucht, oder in einer Räucherkammer wohnt -

Ohne das Wort "Abhängig", könnte sich Allan Karr schon längst einen neuen Beruf suchen, nicht zu reden von den vielen Herstellern von Nikotinpflastern. 'g'

So lässt sich auch leichte Argumentieren, "Aber ich bin ja abhängig, und "die Sucht" lässt mich ständig zur Zigarette greifen ...". Unsinn. Totaler Unsinn.

Es benötigt nicht mal viel Willen, damit Aufzuhören, wer will - kann es, ohne Produkte, ohne Geld für Bücher, Pflaster, Spritzen, ...

Der einzige und einfachste Weg ist, es zu lassen, und die Schritte hin zur Zigarette zu ändern. Langeweile - Frust - Ärger verschwinden mit und ohne Zigarette nicht, und nach dem Sex, gibt es auch anderes um wieder ruhig zu werden. :-o

ich habe ganz leicht und ohne Entzugserscheinungen aufgehört. davor war ich jahrelang EXTREM ABHÄNGIG.
ich bin noch immer nicht davon überzeugt, dass ich auch ein zweites Mal so einfach aufhören könnte, wenn ich wieder anfinge

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