Bawag-Skandal: Schweigen über Refco

Blog19. Dezember 2012, 11:03
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Der wichtigste Bawag-Skandal wird nicht aufgebarbeitet - ein weiterer Fehler der Justiz

Wie DER STANDARD heute berichtet, will die Staatsanwaltschaft keinen weiteren Bawag-Prozess rund um die Causa Refco anstrengen. Das ist schade. Denn die Machenschaften rund um das amerikanische Brokerhaus sind deutlich interessanter als die fehlgeschlagenen Karibik-Spekulationen und haben auch viel mehr zum Fast-Kollaps der Gewerkschaftsbank beigetragen.

Vergessen wir nicht: Die Karibikverluste wurden vom damaligen Bawag-Chef Helmut Elsner gut versteckt - und von der Bank nach dem Jahr 2000 relativ gut verkraftet. Das Aus für das Elsner-Regime kam erst unter seinem Nachfolger Johann Zwettler durch den betrügerischen Bankrott von Refco, einem Hauptgeschäftspartner der Bawag.

Die Bawag war an Refco mit mindestens zehn Prozent beteiligt, sie war ihr wichtigste Gläubiger - und in einer Wahnsinnsaktion vergab der Bawag-Vorstand im Oktober 2005 wenige Stunden vor dem Konkurs der Refco noch einen Kredit von 350 Millionen Euro - Geld, das unwiederbringlich verloren war.

Und weil die Bawag in den amerikanischen Ermittlungen gegen Refco-Chef Phillip Bennett als Mittäter verdächtigt wurde, wurden ihr im April 2006 sämtliche Guthaben bei US-Banken eingefroren. Es war diese Maßnahme, die den damaligen Bawag-Chef Ewald Nowotny zu einem 625 Millionen Dollar teuren Vergleich mit den amerikanischen Klägern zwang. Die Bawag, so die Befürchtung, wäre sonst zusammengebrochen.

Bennett wurde 2008 von einem US-Gericht zu 16 Jahren Haft verurteilt. Elsner und Zwettler stehen seither im Verdacht, Komplizen einer der größten amerikanischen Betrugsfälle in der Zeit vor der Finanzkrise gewesen zu sein.

Und über die Beziehungen zu Refco, die so zentral für die Tätigkeiten der Bank waren, müssen auch andere Vorstände informiert gewesen sein.  2005 war Elsner nicht mehr Bawag-Chef, obwohl er im Hintergrund immer noch gewisse Fäden zog. Die Verteidigungslinie, dass der autoritäre Elsner alles entschied und niemanden informierte, passt für diese Episode nicht mehr so richtig.

Und auch Investor Wolfgang Flöttl soll enge Beziehungen zu Refco gehabt haben. Trug er hier vielleicht eine Mitverantwortung, die über die verfehlten Karibik-Spekulationen noch hinausgeht? Für alle Beteiligten gilt die Unschuldsvermutung.

All das werden wir nie erfahren, weil der Justiz nach den jahrelangen Bawag-I-Prozessen die Puste ausgeht. Damit bleibt ein entscheidendes Kapitel der heimischen Bankenpraxis nicht aufgearbeitet.

Rückblickend wäre es viel besser gewesen, zuerst die Refco-Affäre anzuklagen, wo Fehlentscheidungen und mögliche Malversationen viel offensichtlicher waren, und sich erst dann den verunglückten Karibik-Geschäften zuzuwenden.

Rückblickend muss man sagen: Bawag-Staatsanwalt Georg Krakow hat nicht nur die eigentliche Anklage verpatzt. Er hat den gesamten Fall von der falschen Seite aufgezäumt. Das war eine vergebene Chance für die Justiz. (Eric Frey, derStandard.at, 19.12.2012)

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    Helmut Elsner (rechts) hat die Verluste gut versteckt. Das Aus für dieses Versteckspiel kam erst unter seinem Nachfolger Johann Zwettler (links) durch den betrügerischen Bankrott von Refco, einem Hauptgeschäftspartner der Bawag.

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