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Unter jonasmekasfilms.com/diary lässt sich die anhaltende filmische Arbeit des bald 90-jährigen Avantgardepioniers Jonas Mekas verfolgen.
"Outtakes From the Life of a Happy Man" lautet der Titel des jüngsten Films von Jonas Mekas, der am 24. Dezember 90 Jahre alt wird. Das Centre Pompidou in Paris würdigt den Pionier des US-amerikanischen Avantgardekinos derzeit ebenso wie die Londoner Serpentine Gallery, zudem sind die Schlüsselwerke des unermüdlichen Filmemachers endlich auch auf DVD erhältlich. Aktuell nachvollziehen lässt sich Mekas' filmisches Schaffen auch auf dessen Website.
Unter jonasmekasfilms.com/diary führt der Meister des filmischen Tagebuchs seit März 2010 fort, was seine Arbeit seit Jahrzehnten einzigartig macht: das Verarbeiten des Alltags zu formal avancierten Filmen, in denen einst Andy Warhol und John Lennon ebenso auftauchten wie die Filmemacher-Kollegen Stan Brakhage und Peter Kubelka, Schneestürme in der Großstadt oder im Off-Ton gesprochene Reflexionen zur aktuellen Lektüre.
1922 in Litauen geboren und in der NS-Zeit von den Nazis im Arbeitslager Elmshorn gefangen gehalten, begann Mekas 1949 nach seiner Ankunft im New Yorker Stadtteil Williamsburg mit einer 16-Millimeter-Kamera seine filmische Tätigkeit, die bis heute anhält. Tagebuchfilme wie "Walden" (1969) und "Reminiscences of a Voyage to Lithuania" (1972) wurden zu Meilensteinen des US-Avantgardekinos, dem er auch als Autor, Kurator und Archivar sowie mit Gründungen wie den Anthology Film Archives auf die Sprünge half.
"It's exciting my friends", stellt Jonas Mekas mit einem kleinen Videoclip seine aktuelle Website vor, mit der er noch schneller und unmittelbarer auf alltägliche Ereignisse und Stimmungen reagieren kann. Eine filmische Einladung zur aktuellen Ausstellung in London und die Geschichte seiner fünf Bolex-Kameras finden in Videonotizen ebenso Platz wie die Wall-Street-Protestbewegung, der Regen in Brooklyn und die Begeisterung für ein Kinderbuch mit Tierlauten.
Das Gedenken an 9/11 fällt beim langjährigen New Yorker Mekas zugleich unaufgeregter und erschütternder aus als sonst wo: ob als auf dem Hausdach gefilmte Beobachtung des Einsturzes des World Trade Center oder als lyrische Liebeserklärung an die Zwillingstürme, in der sich Mekas' filmische Kunst verdichtet zu einem visuellen Haiku erleben lässt. Long may he film! (Karl Gedlicka, derStandard.at, 23.12.2012)
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