Voest sieht Zukunft außerhalb Europas

Günther Strobl, 19. Dezember 2012, 18:25

In Kanada oder USA wird ein Werk für Vormaterial gebaut - um Linz und Donawitz abzusichern

Wien - "Hätten wir hier vergleichbar günstiges Gas, würden wir das Werk in Europa bauen. Dem ist aber nicht so." Wolfgang Eder, Vorstandsvorsitzender des Stahlkonzerns Voestalpine, sieht Europa in eine Richtung marschieren, in die auch die USA unterwegs waren, bis dort mit der Förderung von Schiefergas begonnen wurde. Seitdem sind die Gaspreise jenseits des Atlantiks in den Keller gerasselt und haben eine Welle von Industrie-Neuansiedlungen ausgelöst.

Voestalpine springt nun auf diesen Zug auf, nimmt gut eine halbe Milliarde Euro in die Hand und stellt ein Werk für Vormaterialien auf die grüne Wiese. "Zwei Standorte stehen in der Endauswahl", sagte Eder bei der Präsentation der neuen Konzernstrategie am Mittwoch in Wien, "einer ist in Kanada, der andere in den USA."

Möglichst günstiges Gas, möglichst viele Optionen, was die Rohstoffversorgung betrifft, und die passende Logistik zum Verladen der Eisenbriketts aufs Schiff: Das seien die wesentlichen Kriterien, an denen sich die Wahl des Standorts letztlich entscheide.

Kosten senken

Nach der geplanten Produktionsaufnahme Anfang 2016 sollen die in Nordamerika hergestellten Eisenbriketts die Kosten bei der Stahlerzeugung in Linz und Donawitz "um einen nicht geringen zweistelligen Millionen-Euro-Betrag" pro Jahr senken. Das Verfahren der Direktreduktion, das im geplanten Werk angewandt werden soll, ist seit vielen Jahren bekannt. Erst durch die niedrigen Gaspreise in Nordamerika sei es aber auch wirtschaftlich interessant geworden, sagte Eder.

Ob sich Linz und Donawitz damit auch langfristig absichern lassen, bezweifelt Eder. "Die europäische Politik muss umdenken, sonst marschieren wir in Richtung Deindustrialisierung", sagte der Voestalpine-Chef.

Bis zum Jahr 2020 soll der Konzern gemäß der am Dienstagabend vom Aufsichtsrat der Voestalpine genehmigten Strategie um rund acht Milliarden auf etwa 20 Milliarden Euro Umsatz wachsen - die eine Hälfte organisch, die andere Hälfte mittels Akquisitionen. Als durchschnittliches Ziel für die Ebitda-Marge wurden 14 Prozent genannt; die Ebit-Marge soll etwa neun Prozent betragen.

Geht es nach Eder und seinem Vorstandsteam, wird der Konzern nur noch ein Viertel seines Geschäfts mit der Herstellung von Stahl machen, den Rest soll die Verarbeitung beisteuern - insbesondere in den Bereichen Mobilität (Auto, Bahn, Flugzeug) und Energie (Öl, Gas, Strom, Erneuerbare). Derzeit lautet das Verhältnis etwa 30 zu 70 - nachdem man vor zehn Jahren noch einen Umsatzanteil von 55 Prozent bei Stahl und von 45 Prozent bei weiterverarbeiteten Produkten auswies.

Die Zahl der Mitarbeiter soll bis 2020 weltweit um gut 15.000 auf knapp 62.000 zulegen. Etwa zwei Drittel des Zuwachses werde außerhalb Europas erfolgen, ein Drittel in Europa. In Österreich, wo Voestalpine derzeit rund 21.000 Mitarbeiter beschäftigt, will man langfristig 20.000 halten.

Aktie im Plus

Die Analysten von JP Morgan haben unterdessen das Kursziel für die Aktien der Voestalpine von 29,0 auf 34,0 Euro erhöht. Die Kaufempfehlung "Overweight" wurde bestätigt. Die neue Strategie findet offenbar auch bei den Aktionären Gefallen: Der Aktienkurs des Stahlkonzerns lag am Mittwoch kurz vor Börsenschluss mit knapp ein Prozent im Plus. (Günther Strobl, DER STANDARD, 20.12.2012)

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12 Postings
Das Pleite-Thyssen - Stahlwerk in...

...Brasilien läßt grüßen.

Die Rechnung Eders ist mir suspekt!

Es geht um die Differenz beim Gaspreis, dafür baut man ein Werk in den USA für 500 Mio Euro. Gleichzeitig nimmt man auch die Frachtkosten für die Materiallieferung nach Europa in Kauf und das alles soll kaufmännisch gerechnet, richtig sein?
Das glaubt wer will, aber das ist Kostentechnischer Nonsens. Da gäbe es doch mit Sicherheit um vieles günstigere Lösungen, die dazu noch die Wertschöpfungskette großteils in Österreich belassen könnte. Manager von Betrieben dieser Größenordnung sind meistens abstrakte Denker und leider auch nicht unfrei von Selbstverliebtheit. Wer diese Typen kennt weiß, dass sie meist sakrosankt agieren wie die Herrgötter!

zumindest wird dank dem billigerem gas und umfeld dann auch der

industrielle abfallschmutzdreckgestank auch vor ort in die luft bzw umwelt befördert .. was aufgrund europäischen richtlinien warscheinlich auch begünstigt sein wird in dausa .. dallladallabill yaaaa !!

Als Stake- und überdies Shareholder der Voestalpine finde ich das gar nicht gut und frage mich, warum der Vorstand aus seinen Sünden nicht gelernt hat und nun schon wieder Kopf & Kragen riskiert!

Hoffe, dass der Staat in Zukunft sich nicht mehr so spendabel zeigt!

Also entweder im Gebiet der grossen Seen oder am Golf von Mexiko!

Man darf gespannt sein....

ich wünsche viel glück...

...ein richtiger meisterstreich wäre das aber vor 10 jahren geworden, wenn man erkannt hätte: die bohren wie verrückt, das wird ein riesen boom und gleichzeitig haben sie keine großen häfen um das zeug exportieren zu können

...aba jetzt? muss man schneller sein als die amis beim hafenbauen, kann sich das ausgehen? ... die haben in ihrer planrechnung hoffentlich mit mindestens doppeltem bis dreifachen gaspreis gerechnet

trotzdem viel glück

ja sie hätten schneller sein können, ja sie sollten mit höher werdenden gaspreisen in usa rechnen, aber: ich glaube nicht daran das die schere zwischen energiepreisen in usa und europa in den nächsten zig jahren wieder zugeht, dazu sind wir europäer viel zu überzeugt davon die welt retten zu wollen.

dank Finanzkrise und der Politik seit (mind. Reagan)...

...Die USA: ein Niedriglohnland ohne Umweltstandards.

Natürlich toll für Auslandsinvestments - und wie die Lebensqualität steigen wird! ;-)

Niedriglohnland ohne Umweltstandards? Da hat einer keine Ahnung von den USA. Wohin soll die Lebensqualität in den USA steigen? Die zählt ja ohnehin schon zu den höchsten der Welt. Österreich könnte da ein wenig Hilfe brauchen.

Mittelmaß in Sachen Lebensqualität mit der Tendenz nach unten.

Da ist jemandes Wissensstand offenbar aus den 70ern!

z.b. sind die Reallöhne, bis auf den Finanzsektor, in den USA seit damals nicht gestiegen.

Wirtschaft, Privathaushalte, Staat sind heillos überschuldet, defacto eigentl. insolvent.

Ein, durch Finanztricks und -spekulation, auf das höchste der Welt aufgeblasenes BIP hat wohl nichts mit Wohlstand - ausser für einige wenige - zu tun.

Ihr rosiges Bild von diesem Land stimmt mit dem Heute kein bisschen überein:

http://www.querschuesse.de/usa-47525... bor-force/

...soviel zur Lebensqualität - 1/6 der Bevölkerung lebt von Essensmarken.

wie sieht es mit unserer lebensqualität aus...

...wenn wir uns freiwillig weiter deindustriealisieren?
wenigstens haben die menschen dann viel zeit weiter gegen alles und jeden zu demonstrieren, der so verrückt ist hier zu investieren und dabei den einen oder anderen arbeitsplatz zu schaffen...
ach so, da kommen ja dann haufenweise "green jobs".
die energieberatung wird tatsächlich boomen, aber nur um den leuten letztendlich mitteilen zu müssen, dass sie mit ihrem arbeitslosengeld wohl nicht darum herumkommen werden, bei kerzenlicht im pullover zuhause zu sitzen. wenigstens eine sehr umweltverträgliche lebensart...aber halt leider nicht, was wir uns gemeinhin als "lebensqualität" vorstellen.

Du hast

keine Ahnung, was in den USA bezahlt wird, oder?

Hier geht es außerdem um die Energiekosten - die Personalkosten sind bei einem Schwerindustriewerk < 5 % der Gesamtkosten.

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