Staatsanwalt klagt Ex-Porschechef an

19. Dezember 2012, 17:46
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Die Übernahmeschlacht zwischen Volkswagen und Porsche ist zwar schon vier Jahre vorbei. Doch nun hat sie ein pikantes juristisches Nachspiel

Der Plan war kühn, und am Schluss scheiterte er auch. Eigentlich wollte der deutlich kleinere Stuttgarter Sportwagenbauer Porsche vor einigen Jahren Europas größten Autokonzern VW übernehmen. 2008 sichert sich Porsche zunächst wesentlichen Einfluss bei VW, indem es seine Anteile auf 35,14 Prozent aufstockt. Danach ist gegen den Willen der Stuttgarter in Wolfsburg nichts mehr möglich.

Doch schon ein Jahr später wendet sich das Blatt. Im Zuge der Finanzkrise geht Porsche das Geld aus, VW-Aufsichtsratschef und Porsche-Miteigentümer Ferdinand Piëch entzieht Wiedeking das Vertrauen, dieser verlässt im Juni 2009 die Firma. Seither hat ihn die Staatsanwaltschaft im Visier, nun ist ihre Anklage fertig.

Sie wirft Wiedeking, der 17 Jahre lang an der Spitze von Porsche stand und den Sportwagenbauer wieder profitabel machte, vor, gemeinsam mit seinem ebenfalls angeklagten Finanzchef Holger Härter im Zuge der Übernahmeschlacht mit VW die Anleger getäuscht zu haben.

"Den Angeschuldigten wird vorgeworfen, in von ihnen im Jahr 2008 veranlassten öffentlichen Erklärungen des Unternehmens in Bezug auf den Beteiligungserwerb an der Volkswagen AG unrichtige Angaben gemacht zu haben", heißt es in einer Erklärung der Staatsanwaltschaft.

So habe Porsche zwischen März und Oktober 2008 in mindestens fünf öffentlichen Erklärungen eine bereits bestehende Absicht zur Aufstockung seiner Beteiligung an Volkswagen auf 75 Prozent dementiert. Dadurch seien Investoren auf die falsche Fährte gelockt und der Aktienkurs von VW zugunsten von Porsche beeinflusst worden.

VW-Aktionäre sauer

Erst im Herbst 2008 erklärte Porsche offiziell, mehr als 75 Prozent der Stimmrechte an VW erwerben und den Konzern damit doch beherrschen zu wollen. Die VW-Aktien schoss daraufhin in die Höhe, VW avancierte zeitweilig zum teuersten Unternehmen der Welt. VW-Aktionäre allerdings, die wegen der Porsche-Dementis auf einen fallenden Kurs der VW-Aktie gesetzt hatten, schauten durch die Finger. Mehrere Investoren wollen wegen dieser Verluste vor Gerichten in Deutschland und den USA Schadenersatz in Milliardenhöhe erstreiten.

Wiedeking ist seit seinem Ausscheiden bei Porsche nicht untätig. Er investiert in Schuhe, Pharma und PR-Agenturen und ist auch für den österreichischen Immobilienunternehmer René Benko (Signa) tätig. Eine Pizzeria eröffnet er demnächst auch.

Die Anschuldigungen weist er als haltlos zurück. "Ich bin mit mir im Reinen", erklärte er im Stern. Wie das Abenteuer VW-Übernahme letztendlich endete, ist bekannt: VW drehte den Spieß um und bewahrte den Angreifer Porsche im Jahr 2009 vor dem finanziellen Ruin. Dafür aber musste Porsche eine knapp fünfzigprozentige Beteiligung an seinem Fahrzeuggeschäft an die Wolfsburger abtreten.  (Birgit Baumann aus Berlin, DER STANDARD, 20.12.2012)

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    Ex-Porsche-Chef Wendelin Wiedeking ist seit Jahren im Visier der Staatsanwaltschaft. Sie will nun Anklage erheben.

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