Erneut Angriffe auf Mitarbeiter von Impfkampagne in Pakistan

19. Dezember 2012, 09:31
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Islamistische Aufständische lehnen Impfungen ab

Peshawar - Nach der Ermordung von sechs Mitarbeitern einer Impfkampagne sind in Pakistan erneut Impfhelfer angegriffen worden. Zwei Mitarbeiter gaben nach Medizinerangaben am Mittwoch in einem Vorort von Peshawar Tropfen zur Schluckimpfung gegen Polio aus, als sie von Unbekannten von einem Motorrad aus beschossen wurden. Ein Mitarbeiter wurde lebensgefährlich verletzt. Zwei weitere Impfteams wurden in den Städten Nowshera und Kharsadda angegriffen, dabei wurde ein Passant leicht verletzt.

Pakistan ist eines von weltweit drei Ländern, in denen die Kinderlähmung noch verbreitet ist. Am Montag startete die Regierung eine dreitägige Impfkampagne gegen die Krankheit. In dem Land lehnen aber noch immer tausende Eltern eine Impfung ihrer Kinder ab. Grund sind Vorbehalte bestimmter Geistlicher und islamistischer Aufständischer. Im Juni untersagte der Taliban-Kommandant im Stammesgebiet von Nord-Waziristan jede Impfung auf "seinem" Gebiet. Er verdächtigte die Mitarbeiter der Kampagne, Spione zu sein.

Verschärft wurde das Misstrauen auch durch eine falsche Impfkampagne gegen Hepatitis des US-Geheimdiensts im März 2011 in Abbottabad. Der Einsatz in der nordpakistanischen Garnisonsstadt sollte dazu dienen, DNA-Proben von der Familie des Al-Kaida-Führers Osama bin Laden zu bekommen, der dort vermutet wurde. Die Proben bestätigten den Verdacht, am 2. Mai 2011 tötete ein US-Sonderkommando Bin Laden. Ende Mai wurde ein pakistanischer Arzt wegen seiner Beteiligung an der angeblichen Impfkampagne zu 33 Jahren Haft verurteilt. (APA, 19.12.2012)

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