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Riesenleberegel werden zehn Zentimeter lang und hausen in der Leber von Tieren.
Sie werden beachtliche zehn Zentimeter lang, mehrere Zentimeter breit und sind flach wie Flundern. Mit ihrer schleimigen roten Oberfläche sehen amerikanische Riesenleberegel (Fascioloides magna) nicht gerade gustiös aus, und auch ihr Lebenswandel ist eher destruktiv. Der Riesenleberegel ist schließlich ein Parasit. Seine amerikanische Variante wurde im 19. Jahrhundert in Europa eingeschleppt und wütet seit dem Jahr 2000 auch in den Lebern von Hirschen und Rehen in den Donauauen östlich von Wien.
"Die Rothirsche halten dem Parasiten besser stand, für die Rehe hingegen sind die Auswirkungen dramatisch. Wir gehen von einem Befall von bis zu 70 Prozent der Tiere aus", sagt Helmut Sattmann, Parasitologe und Leiter der Abteilung für wirbellose Tiere im Naturhistorischen Museum in Wien (NHM), der sich seit Jahren mit den Leberegel beschäftigt.
"Die jungen Würmer wachsen im Lebergewebe heran und paaren sich in der Leber. Die Eier werden dann über Galle und Darm ausgeschieden", schildert Sattmann den Infektionsverlauf, der für manche Tiere mit dem Tod endet. Für die Parasiten geht es aber weiter: Wenn die schwimmfähigen Larven im Wasser schlüpfen, suchen sie in Schnecken einen Zwischenwirt. Dort entwickeln sie sich weiter und vervielfachen sich durch ungeschlechtliche Vermehrung hundertfach, bis sie die Schnecken verlassen und sich an Pflanzen und ähnlichen Strukturen nahe dem Ufer anheften. "Wenn dann Hirsche und Rehe diese Pflanzen fressen, gelangen die Parasiten wieder in den Körper, und der Zyklus ist geschlossen", sagt Sattmann.
Schnecken als Überträger
Die Kleine Sumpfschnecke (Galba truncatula oder passenderweise Leberegelschnecke) ist der wichtigste Zwischenwirt und neben den Innereien des geschossenen und gefallenen Wildes im Fokus der Parasitologen: Tausende Schnecken an den verschiedensten Standorten zwischen Wien und Bratislava wurden bereits auf einen Wurmbefall untersucht. Nun wollen die Forscher in einem EU-Projekt über die Grenzen hinausschauen. "Wir versuchen zu rekonstruieren, durch welche Mechanismen sich die Infektion verbreitet", sagt Sattmann.
Entlang der Donau wurde der amerikanische Riesenleberegel bereits in den 1980er-Jahren in den slowakischen Auen und in den 90ern in Ungarn nachgewiesen. Auch aus Kroatien, Serbien und Bulgarien gibt es Meldungen. Erst kürzlich ist der Parasit erstmals in Deutschland aufgetaucht, in Tschechien ist er schon lange verbreitet. In den Donauauen sind die Parasiten vom Süd- ans Nordufer gewandert. "Uns interessiert, wie hoch das Risiko ist, dass sich die Parasiten in umliegende Gebiete ausbreiten, und unter welchen Bedingungen sie sich etablieren", sagt Sattmann.
In einem Punkt kann er jedoch beruhigen: Im Gegensatz zu ihren europäischen Kollegen scheinen die amerikanischen Riesenleberegel für den Menschen nicht gefährlich zu sein. (Karin Krichmayr, DER STANDARD, 19.12.2012)
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