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1952 nahm das erste LD-Stahlwerk den Betrieb auf. Die neue Art der Stahlproduktion wurde zum Exportschlager.

Flüssiges Roheisen und Schrott werden in einen großen Tiegel, einen sogenannten Konverter, gefüllt. Der Schrott soll dabei wiederverwertet werden und gleichzeitig zur Kühlung dienen. Eine wassergekühlte Lanze bläst reinen Sauerstoff auf das Roheisenbad. Dadurch reduziert sich darin der Kohlenstoffanteil. Liegt er unter zwei Prozent, ist aus Eisen Stahl geworden. Stahl, der auf diese Weise nach dem sogenannten LD-Verfahren hergestellt wurde.
Vor 60 Jahren, am 27. November 1952, wurde das erste Werk, das mit diesem davor in Linz entwickelten Verfahren arbeitete, von der damaligen Vöst in Betrieb genommen. Die feierliche Eröffnung mit Präsident Theodor Körner fand am 5. Jänner 1953 statt. Die neue, effizientere Art, Stahl zu produzieren, breitete sich nach und nach weltweit aus. Die Japaner waren die Ersten, die sich dafür interessierten, erklärt die Historikerin Michaela Schober, die bei der Voestalpine für Konzerngeschichte und Dokumentation zuständig ist.
Weltweite Verbreitung
Das erste Werk im Ausland entstand 1954 in Hamilton, in der kanadischen Provinz Ontario. In Indien entstand das erste Werk, an dessen Bau die Vöst selbst beteiligt war. 1960 wurden vier Prozent der weltweiten Stahlproduktion mit dem Linz-Donawitz-Verfahren hergestellt, 1970 bereits 40 Prozent, und heute sind es rund zwei Drittel. Anfangs kursierten mehrere Varianten des Namens: LD stand auch für Linz-Düsenstahl oder Linz-Durrer nach dem Schweizer Forscher Robert Durrer, der Vorarbeiten zu dem Verfahren leistete. Die Bezeichnung Linz-Donawitz war naheliegend, weil beide Standorte beteiligt waren, das Verfahren zur Betriebsreife zu führen, und die ersten beiden Werke eben in Linz und Donawitz gebaut wurden.
Dass sich im Jahr 1949 Metallurgen in Linz zusammenfanden, um eine verbesserte Stahlproduktion zu erproben, resultierte aus einem klaren Auftrag der österreichischen Regierung, erklärt Schober: Das Vorhaben einer "Einführung eines in Österreich in der eisenschaffenden Industrie noch nicht angewendeten Blasstahlverfahrens" war in den Bestimmungen des Eisen- und Stahlplans aus dem Jahr 1948 festgeschrieben. "Hier stand definitiv fest, dass etwas geschehen musste", erklärt Schober. Und: "Der Plan diente als Grundlage zur Vergabe von Marshallplan-Mitteln."
In Linz war erst 1938 begonnen worden, ein Eisen- und Stahlwerk zu errichten, das allein auf Rüstung abgestellt war. "Linz war nicht ausgelegt auf Friedensproduktion", sagt Schober. Es habe zu wenig Schrottaufkommen gegeben, und ein neues Verfahren sollte vom Importschrott unabhängig machen. Durrer hatte bei Versuchen ab Ende der 30er-Jahre, Sauerstoff in den Tiegel zu blasen, die nötigen Grundlagen geschaffen, und mittlerweile wurde reiner Sauerstoff auch billig und industriell erzeugt, sodass es erstmals möglich war, sich im großindustriellen Stil an die Umsetzung des neuen Idee zur Stahlherstellung zu machen.
Der erste Durchbruch
Am 3. Juni 1949 begann man also am damaligen Gelände der Vöst in Linz mit den ersten Versuchsreihen. Nach ersten Fehlschlägen und nachdem man den Druck reduzierte und die Blasrohrspitze in weitere Entfernung vom Roheisenbad rückte, war es dann so weit. "Am 25. Juni 1949, nach nur drei Wochen, war dann der Durchbruch geschafft", blickt Michaela Schober zurück. Die erste Charge von mit Sauerstoff hergestelltem Stahl in guter Qualität floss aus dem Linzer Versuchskonverter.
Nach weiteren zwei Jahren Entwicklungszeit war das LD-Verfahren 1951 betriebsreif. Bereits 1949 entschied der damalige Voest-Generaldirektor, der aus Baden-Württemberg gebürtige Heinrich Richter-Brohm, ein Stahlwerk auf Basis des zu dem Zeitpunkt noch nicht ausgereiften LD-Verfahrens zu errichten. "Das war damals ein ziemlich großes Risiko", resümiert Schober. Die Entscheidung rechnete, sich und das neue Verfahren zur Stahlproduktion ging als Pioniertat des Wiederaufbaus in die Geschichte ein. (Alois Pumhösel, DER STANDARD, 19.12.2012)
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