Christkindl: Bockbiere rund um die Weihnachtszeit

23. Dezember 2012, 17:19
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Conrad Seidl über ein mehr oder weniger traditionelles Bockbier zur Weihnachtszeit

Vom Bockbier hat wohl jeder seine eigene Vorstellung, geprägt von Tradition, Herkunft oder kulinarischen Vorlieben: Der Münchner will es hübsch dunkel und malzaromatisch für seine "fünfte Jahreszeit" zur vorösterlichen Fastenzeit - die entsprechende Trinkkur fällt meist heftig aus, weil der Bock dort 18 Grad Stammwürze hat. Der Zillertaler trinkt einen ähnlich starken (aber etwas helleren) Bock am ersten Maiwochenende zum Gauderfest; jener Bock ist so süffig, dass man leicht zu viel erwischt, gerade wenn es schon etwas wärmer ist. Im Rest Österreichs (und in vielen Gegenden Deutschlands) ist die Bockbierzeit allerdings der Advent, der ja auch einmal eine Fastenzeit war, in der man das Bier zur Stärkung und als flüssige Nahrung getrunken hat.

Und auch der weihnachtliche Bock hat eine beachtliche Vielfalt zu bieten: Jeder Braumeister macht sich ja sein eigenes Christkindl-Geschenk, indem er einen Bock nach eigenem Gusto braut. Wobei die meisten über viele Jahre ihrem persönlichen Rezept treu bleiben. Reinhard Bayer in Schlägl zum Beispiel. Sein Bock zeichnet sich durch eine sehr intensive Hopfung aus, und jedes Jahr fragt er sich, ob er es mit der Bittere nicht übertrieben hätte - um nach den ersten Verkostungen festzustellen, dass es mit dem Rezept durchaus seine Richtigkeit hat.

Christkindlbock nur vom Fass

Anders geht der Schwechater Braumeister Andreas Urban heran: Von seinem Christkindlbock genannten Weihnachtssud sind stets nur wenige Fässer (und leider gar keine Flaschen) verfügbar - und da wird jedes Jahr ein neues Rezept erprobt. Das diesjährige Ergebnis ist ein leicht trübes, bernstein-kupferfarbenes Bier mit fruchtigem Duft nach frischen Feigen. Der Antrunk ist gerade vollmundig, aber kaum süß - der Hopfengeschmack (Spalter Select, Magnum, Perle und Celeja) drängt sich rasch vor und findet eine Balance mit dem wärmend-alkoholischen Grundcharakter. Im Nachtrunk zeigt sich wieder die deutliche Bittere, die zum Weitertrinken anregt.

Bleibt die Frage, wie traditionell das wohl ist. Fraglos entspricht die Farbe dem "Wiener Biertyp", der ja vor 170 Jahren in der Schwechater Brauerei entwickelt worden ist - er wurde damals als relativ hell und relativ klar empfunden. Andere (Stark-)Biere dürften dunkler und trüber gewesen sein, auch wenn das gar nicht allen Konsumenten bewusst war, weil man eher aus Tonkrügen als aus Biergläsern getrunken hat. Aber das ist schon wieder eine andere Geschichte. (Conrad Seidl, Rondo, DER STANDARD, 21.12.2012)

  • Bockbiere rund um Weihnachten: Mal mehr, mal weniger traditionell.
    foto: matthias cremer

    Bockbiere rund um Weihnachten: Mal mehr, mal weniger traditionell.

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