Nachrichten in aller Kürze
Alles zur Community
Nachrichten, die zu Ihnen kommen: Newsletter, Feeds und SMS
Alles zu unseren mobilen Angeboten: Apps, Mobilversion und SMS
Unsere Radio- und TV-Angebote
Die Zeitung im Internet: Abo, E-Paper, Anzeigen und mehr
Alles über die Redaktion von derStandard.at
Alles über Onlinewerbung, Stellenanzeigen und Immobilieninserate

Was wie eine Sonne aussieht, ist das Bild einer durch Makuladegeneration geschädigten Netzhaut, Patienten erleben die Erkrankung als "blinde Flecken".
Die Geräte sehen aus wie bei jedem Optiker. Ein an ein Mikroskop erinnerndes Gestell mit einer kleinen Kinnablage. Christian Simader, Augenarzt an der Universitätsklinik des Wiener AKH, stellt bei einem Patienten gerade den richtigen Abstand zwischen Kinn und Augen ein. " Nicht blinzeln", sagt er, und was dann passiert, ist die hohe Kunst technischer Lichtbrechung und Interferenz. "Wir schicken Lichtwellen ins Auge, die von den verschiedenen Schichten der Netzhaut jeweils unterschiedlich zurückgeworfen werden", erklärt er.
Der Patient, Jahrgang 1928, ist einer von 125.000 Betroffenen in Österreich, die an fortgeschrittener, altersbedingter Makuladegeneration (AMD) leiden. Jährlich kommen zwischen 3000 und 4000 Neuerkrankungen dazu. Die Krankheit ist zwar einfach zu diagnostizieren, allerdings wollen die Forscher der Med-Uni die unterschiedlichen Formen der Erkrankung und ihre Verlaufsformen besser verstehen, um zielgerichtet Maßnahmen ergreifen zu können.
Durchblick mit Technik
Die optische Kohärenztomografie (OCT) ist eine Methode, die nicht nur die Netzhaut an sich, sondern auch ihre einzelnen Schichten bildlich darstellt. "Wir erfassen Gewebe bis in die Tiefe", erklärt Simader, dessen Aufmerksamkeit ganz auf den Bildschirm gerichtet ist. Das Ergebnis einer OCT-Untersuchung sieht aus wie tektonische Schnitte durch eine Landschaft. Simader sucht nach Flüssigkeitseinschlüssen, Zysten und Narben, die sich als unterschiedliche Helligkeitswerte darstellen. "Die hellste breite Linie ist die Fotorezeptorenschicht, man erkennt deutlich, dass sie immer wieder unterbrochen ist", sagt er, als der Patient das kleine Untersuchungszimmer in der Ambulanz für Augenheilkunde im AKH verlassen hat. Solch detaillierte Befunde einer AMD seien aus zwei Gründen wichtig.
Erstens: In der Augenheilkunde geht es darum, verschiedene Formen und Grade der AMD zu bestimmen und zweitens: diesem exakten Befund entsprechend, angepasste Therapien zu verabreichen. Und noch etwas ist entscheidend: Mit OCT lässt sich der Erfolg einer laufenden Therapie beobachten. Nur dann, wenn die Medikamente, die direkt ins Auge appliziert werden, wirklich helfen, ist es sinnvoll, sie zu verabreichen. Das ist wichtig, denn die heute zur Verfügung stehenden Medikamente haben selten, aber doch auch Nebenwirkungen und sind teuer: mit OCT wird eruiert, zu welchem Zeitpunkt Patienten von welcher Dosis profitieren.
"Die Diagnose AMD ist kein Synonym für Erblindung mehr, wie viele glauben", sagt Ursula Schmidt-Erfurt, Vorsteherin der Wiener Augenklinik und Leiterin des Projekts. Durch Methoden wie OCT kann die Erkrankung frühzeitig erkannt werden, also bevor die Sehfähigkeit zerstört ist. Im aktiven Frühstadium einer AMD wirken Medikamente besser. So konnte mit bildgebenden Verfahren die Erblindungsrate bei der aktiven Form der AMD von 20 auf zwei Prozent gesenkt werden.
International vernetzt
Hinter diesem Fortschritt liegen Systematik und gewaltige Rechenleistung. "Wir betreiben eigene Server", sagt Simader, in riesigen Datenbanken werden OCT-Bilder aus zahlreichen Studien gesammelt. Für die Forscher an der Augenklinik geht es vor allem auch um die Auswertung dieser Bilder - sowohl jedes einzelnen Patienten im Verlauf einer Therapie als auch, was allgemeine Mustererkennung bei AMD betrifft.
Telemedizin ist in der Forschung der Augenheilkunde zu einem Schlüsselbegriff geworden. 2005 initiierte Schmidt-Erfurth das Vienna Reading Center (VRC), das, heute vernetzt mit 400 Augenzentren rund um den Globus, multizentrische Studien durchführt. "Von Beginn an, also auch damals, als die OCT-Technologie noch nicht so weit verbreitet war, war es uns ein Anliegen, dass all unsere Abläufe digital sind, vom Sammeln der Daten bis zur Begutachtung", sagt Simader. Worum es bei diesem kollektiven Datenauswerten geht? Die Computer-Algorithmen so weit zu verbessern, dass das System automatisch quantitative Parameter wie die Dicke einzelner Netzhautschichten erfasst und auch sämtliche morphologische Parameter quantifiziert werden. Ziel ist, aus den Millionen von Bildern relevante Muster für die Prognose von Krankheitsverläufen erstellen zu können.
Das VRC geht nun in die nächste Runde. Am 1. 1. 2013 startet an der Wiener Augenklinik in Kooperation mit dem Zentrum für medizinische Physik und biomedizinische Technik der Universitätsklinik für Radiodiagnostik und einem der führenden US-Institute im Bereich Imaging ein Christian-Doppler-Labor unter der Leitung von Schmidt-Erfurth. Gemeinsam haben das Bundesministerium für Wirtschaft und Novartis drei Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Offizieller Auftrag: " ophthalmologische Bildgebung und -verarbeitung, Self-Learning-Systeme und populationsbasierte Analysen der häufigsten Netzhauterkrankungen unserer Zeit". OCT liefert auch bei der Untersuchung der Netzhaut von Diabetikern wichtige Hinweise. (Karin Pollack, DER STANDARD, 19.12.2012)
Vor zehn Jahren wurde das IMBA gegründet: Was das mit Fußball zu tun hat und warum es in der Genetik zur Revolution kommt, sagt IMBA-Chef Josef Penninger
Vom Stadtrand bis ins Zentrum: Überall in Wien tummeln sich Mäuse, auch Wald- und Steppentiere
Der diesjährige Wittgenstein-Preis ging an die Oberflächenphysikerin Ulrike Diebold - doch was genau macht eine Oberflächenphysikerin?
Die Pharmazeutin Daniela Schuster erstellt 3-D-Modelle von Arzneistoffen
Die Europäische Union investiert Milliarden in eine umweltschonende Luftfahrt - CO2- und Umweltziele werden dennoch nicht erreicht
Wem eine Erfindung gehört, ist von vielen Faktoren abhängig: Eine Software soll einen Überblick schaffen - und dabei helfen, geistiges Eigentum zu verwerten
Der US-Psychoanalytiker Otto F. Kernberg erforscht das Phänomen Liebe
Österreich auf Rang 16 bei europäischen Patenten
Kompetenzen für globalen Wettbewerb gefragt: OECD-Expertin Joanne Caddy diskutierte in Wien
Schulprojekte sollen den Forschernachwuchs fördern
Gesundheitsmanagement schaut häufig mehr auf die Statistik als auf den Patienten - in Krems erarbeitet man eine Kalkulation, die dabei auch individuelles Patientenverhalten einbezieht
Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.