Kohle wird wichtiger als Erdöl

18. Dezember 2012, 18:00
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Internationale Energieagentur erwartet schon 2017 Gleichstand der zwei Energieträger

Paris/Wien - Der Kampf gegen die Erderwärmung scheint ein Kampf gegen Windmühlen zu werden: Allen verbalen Bekenntnissen zum Trotz wird Kohle in zehn Jahren wichtigster Energielieferant und damit das Öl ablösen. Bereits 2017, also in spätestens fünf Jahren, wird der Kohleverbrauch den Ölkonsum egalisiert haben, sagt die in Paris ansässige Internationale Energieagentur (IEA) voraus.

Kohle ist schon jetzt der Klimakiller Nummer eins: Ein Kohlekraftwerk stößt gut doppelt so viel CO2 aus wie ein modernes Erdgaskraftwerk.

Der Grund für den steigenden Kohlekonsum ist in den großen Schwellenländern China und Indien zu suchen, deren überdurchschnittliches Wirtschaftswachstum mit Kohle befeuert wird. " Dank der üppigen Vorräte und der unersättlichen Nachfrage nach Energie von den Schwellenmärkten hat Kohle in der ersten Dekade des 21. Jahrhunderts fast die Hälfte des Anstiegs der weltweiten Nachfrage gestillt", sagte IEA-Chefin Maria van der Hoeven bei der Vorstellung des Kohlereports am Dienstag. In den kommenden Jahren werde China den gesamten Rest der Welt mit seinem Kohlebedarf überholen, Indien werde zweitgrößter Kohlekonsument. "Wenn sich an der aktuellen Politik nichts ändert, wird Kohle Öl innerhalb einer Dekade einholen", sagte van der Hoeven.

Den Zahlenspielen der IEA zufolge wird der weltweite Ölverbrauch 2017 bei 4,32 Milliarden Tonnen liegen. Der Kohleverbrauch in Öläquivalent entspräche dann 4,4 Milliarden Tonnen.

In allen Ländern der Erde wird nach den IEA-Berechnungen der Kohleverbrauch ansteigen - außer in den USA. Dort wird vor allem Erdgas stark nachgefragt. Van der Hoeven sieht die USA und deren "effizienten Gas-Markt" als mögliches Vorbild für andere Länder, um CO2-Ausstöße zu reduzieren.

Amerikanische Kohle, die wegen des Überangebots an billigem (Schiefer-)Gas in den USA nicht mehr konkurrenzfähig ist, wird vermehrt in europäischen Kraftwerken verbrannt. Solange Kraftwerksbetreiber nicht mehr als sieben Euro je Tonne CO2 zahlen müssen, ist das von der EU initiierte Emissionshandel kein wirksames Mittel. Nach Standard-Informationen müsste die Tonne CO2 60 Euro kosten, damit die hinsichtlich Emissionen deutlich besseren Gaskraftwerke konkurrenzfähig sind. Darauf deutet aber nichts hin; auch nicht, dass die vorwiegend aus Russland kommenden Gaslieferungen für Europa deutlich günstiger würden. (Günther Strobl, DER STANDARD, 19.12.2012)

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