Zweiter Prozesstag: Mensdorff in Erklärungsnot

18. Dezember 2012, 18:01
125 Postings

Die Erkenntnis Mensdorff-Pouillys: Er war sein Geld mehr als wert. Dennoch musste der Angeklagte Antworten schuldig bleiben

Wien - Entweder der Angeklagte war tatsächlich "zu blöd" und "naiv", wie er selbst sagt, um die Firmengeflechte, aus denen er sein Geld bezog, zu durchschauen - oder er lügt. Am Dienstag, dem zweiten Tag des Prozesses gegen Alfons Mensdorff-Pouilly, war der Andrang auf den Großen Schwurgerichtssaal des Straflandesgerichts geringer, die behandelten Themen aber brisanter. Denn der Richter wurde konkret: Es ging um " Inselfirmen", die niemandem gehören wollen, "Spielgelder" auf den Jungferninseln und die vielen Umwege, über die Millionen von British Aerospace (BAE) an Mensdorff-Pouilly geflossen sein sollen. Im Gegensatz zum Verhandlungsauftakt vergangene Woche war Mensdorff am Dienstag nicht zu Scherzen aufgelegt.

Seine Stimme ist belegt, seine Haltung aufrechter, er kommt immer wieder ins Stottern. Der Grund: Auf die meisten Fragen, die ihm Richter Stefan Apostol stellt, hat Mensdorff keine klare Antwort - "Herr Rat, ich hab das einfach nicht durchschaut."

Schlüsselfragen

Schlüsselfragen, nicht nur des Tages, sondern vermutlich des gesamten Prozesses, sind, wem die Briefkastenfirmen Brodmann und Foxbury mit Sitz auf den britischen Jungferninseln gehörten und weshalb dieses komplexe Unternehmensgeflecht konstruiert wurde. Denn Mensdorff bezog Teile der Gelder des britischen Waffenkonzerns über Umwege von diesen Firmen, die er nach eigener Aussage kaum kennt. Und einige der Beträge kamen nicht direkt von BAE, sondern der Firma Red Diamond, über die der Waffenkonzern die Schmiergeldzahlungen abgewickelt haben soll. Mit Bestechung habe das nichts zu tun: "Es wurde zwar darüber gesprochen, aber ich habe immer gesagt, dass wir das nicht brauchen."

Wovon Mensdorff ebenfalls nichts wissen will, ist, dass er, wie Staatsanwalt Michael Radasztics recherchiert hat, zur Hälfte Eigentümer von Foxbury ist. Wobei er zugibt: "Diese Inselfirmen werden ja gegründet, damit man die Besitzverhältnisse nicht feststellen kann." Sicher ist hingegen, dass er für Brodmann als Treuhänder tätig war und die Firma "keine Leistung erbrachte". Sie diente Mensdorffs Geschäftspartner und Mentor Timothy Landon als Wiese für sein "Spielgeld" , von dem seine Finanzberater nichts wissen sollten und das er in Aktien und Projekte in Dubai investierte.

Mehr könne Mensdorff zu den undurchschaubaren Unternehmensgeflechten jedoch nicht sagen: "Tim hatte bestimmt zwanzig solcher Firmen." Er habe sich auf seinen Mentor verlassen. Getan, was er sagte. "Ohne ihn würde ich heute noch Kartoffeln anbauen."

Am Ende der Verhandlung wurde dann die Eurofighter-Beschaffung thematisiert. Mensdorff hatte ursprünglich dem JAS 39 Gripen der BAE-Tochter Saab zum Zuschlag verhelfen sollen, wurde dann aber zurückgepfiffen, weil BAE mit dem Eurofighter mehr verdienen konnte. Die angeblichen "aggressiven Zahlungen" an Entscheidungsträger im Zuge der Ausschreibung hätten den Angeklagten "selber überrascht".

Im Laufe der Jahre hat Mensdorff einen "höheren sechsstelligen Betrag" von BAE bekommen. An Selbstbewusstsein scheint es ihm nicht zu mangeln: " Wenn ich mir das im Nachhinein anschaue, war ich eigentlich mehr wert, als ich gezahlt bekommen habe. Damals war ich aber zufrieden."

Am Mittwoch wird der Prozess fortgesetzt. (Katharina Mittelstaedt , DER STANDARD, 19.12.2012)

  • Alfons Mensdorff-Pouilly hatte am zweiten Prozesstag mit den Fragen des 
Richters erheblich zu kämpfen. Es ging um Inselfirmen, Spielgelder und 
seine eigene Leistung.
    foto: standard/cremer

    Alfons Mensdorff-Pouilly hatte am zweiten Prozesstag mit den Fragen des Richters erheblich zu kämpfen. Es ging um Inselfirmen, Spielgelder und seine eigene Leistung.

Share if you care.