"Über die Herren Ultranationalisten lachen"

Eine bissige Satire macht sich über Praktiken der Schweizer "Weltwoche" lustig, Verleger Roger Köppel ist "amüsiert"

Zürich/Wien - Wenn Roger Rightwing zur "Kreativsitzung" ruft, zelebriert der Medienmann gern ein Ritual: "Wo wachsen die schönsten Blumen?", pflegt er in die Runde zu rufen. Die Antwort kommt wie aus einem Munde: "Auf dem Mist!" Der Chefredakteur hakt nach: "Wo sprießen die besten Ideen?" Wieder antwortet der Chor: "Auch auf dem Mist!"

Ähnlichkeiten mit real existierenden Figuren sind beabsichtigt in Dante Andrea Franzettis Buch "Roger Rightwing köppelt das feingeistige Tischgespräch" (Lenos-Verlag). Roger Rightwing, das ist in Wirklichkeit Roger Köppel, umstrittene Verlegerpersönlichkeit der Schweizer "Weltwoche".

Die bissige Satire stellt das Wochenblatt in ein journalistisch katastrophales Licht. Rightwing praktiziert Journalismus der übelsten Sorte, hetzerisch und tendenziös, vor allem aber ist er Erfüllungsgehilfe von "Dark Vader", einer unverkennbaren Parodie auf Christoph Blocher, Chef der rechten SVP.

"Bettler verbrannt"

Ruft "Dark Vader" im Büro Rightwings an, pflegt dieser "bei Abnehmen des Hörers vom Stuhl in die Höhe" zu schnellen "wie der Springteufel aus der Scherzpackung" und ist bereit für Wünsche aller Art. So könnte es auch in Wirklichkeit sein. Das Naheverhältnis zwischen Verleger und Parteichef ist landbekannt. Die "Weltwoche" gilt als Sprachrohr Blochers.

Selbst bei aller Übertreibung erscheint das journalistische Selbstverständnis des "Weltwoche"-Chefs nach der Lektüre von Franzettis Buch einmal mehr als fragwürdig. Manches ist erfunden, längst nicht alles. So kursiert tatsächlich, dass Köppel seinen Wikipedia-Eintrag zu seinen Gunsten umschreibe. Dass bei Redaktionskonferenzen tatsächlich die Hymne gespielt werden soll, ist freilich Fiktion.

Doch abgesehen von charakterlichen Eigenheiten des Verlegers sind in dem 110 Seiten starken Bändchen schwere Seitenhiebe auf die Arbeitsweise der Wochenzeitschrift versammelt: "Wer ist unser nächster Feind?", fragt Rightwing seine Journalisten. Feindbilder steigern die Auflage, das weiß der Zeitungsmann. "Etwas behaupten können nur die Souffleure des feingeistigen Tischgesprächs", sagt Rightwing. Also wird behauptet. Auf der Suche nach einem Tiger, der aus dem Zoo ausgebrochen ist, schlägt Rightwing vor: "Wir können einem Ausländer die Schuld in die Schuhe schieben." Dazwischen spielt er Videospiele: "Er hatte schon achtzehn Bettler verbrannt, vierzehn Nutten totgeschlagen."

"Es ist an der Zeit, über diese Herren Ultranationalisten zu lachen", sagt Franzetti. Der Journalist und Autor unterrichtet an einer Zürcher Fachhochschule und schreibt für "Journal 21". Dort sind seine Rightwing-Kolumnen zuerst erschienen.

Blocher soll in der "Weltwoche" und in der "Basler Zeitung" die Fäden ziehen, wird immer wieder behauptet. Diese Verbindungen zwischen Verleger und Politiker stehen im Zentrum eines weiteren Kunstprojekts. Wie berichtet wird im Mai im Zürcher Theater am Neumarkt Köppel und der "Weltwoche" öffentlich der Prozess gemacht mit realen Zeugen und echtem Richter. Köppel will nicht auftreten, schickt aber Anwälte.

"Mit Heiterkeit und Entspanntheit" nehme er Buch und Theaterstück zur Kenntnis, sagt Köppel im Gespräch mit dem STANDARD. Franzettis Buch sei "primitiv" und "reine Polemik, die sich selbst disqualifiziert". Den Schauprozess schaue er sich "amüsiert an".

Presserat verurteilt

Zuletzt verurteilte der Presserat die "Weltwoche" wegen eines Covers mit einem Kind, das eine Waffe auf den Betrachter richtet und Roma-Kriminalität illustrieren sollte: "Wir haben das Foto als symbolisches Bild verstanden. Es war nicht die Absicht, Kinder zu kritisieren." Der eigentliche Skandal sei nicht das Cover, sondern die Kriminalität der Roma-Clans.

Die Schweizer Printlandschaft steht unter Druck, sowohl "Weltwoche" als auch "Basler Zeitung" verlieren massiv Auflage, mehr als zehn Prozent innerhalb eines Jahres. Von Krise will Köppel aber nichts wissen: Das Blatt habe sich "profitabel positioniert". Er investiere in Redaktion und Recherche. Die "Weltwoche" sieht er als "unbequeme Stimme der Vernunft". (Doris Priesching, DER STANDARD, 19.12.2012)

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