Frag doch Frau Rosalinde!

Im Sinne der Beratersuche wäre der ORF-Crew der Konsum der montägigen Untergangsdiskussion auf Puls 4 zu empfehlen

Gäbe es am Küniglberg Sinn für Pointen, hätte man den "Club 2" nicht vorigen, sondern diesen Mittwoch begraben. Und als Thema würde man das Weltende am 21. 12. gewählt haben. Wäre ein Abgang mit gutem Timing und Selbstironie gewesen. Indes, damit verlangte man von den ORF-Köpfen wohl Übermenschliches.

Womöglich hegt die Leitung sogar die Hoffnung, Endzeitsüchtige mögen mit ihrer Deutung des Maya-Kalenders recht behalten, wodurch ab 22. 12. auch jede Programmneuheit obsolet wäre. Ob des Zustands der tröpfchenweise verabreichten Reform und ihrer am Quotengriller brutzelnden Formate wäre das nur zu verständlich.

Sollte die ORF-Oberetage jedoch solch Untergangshoffnungen gar nicht hegen, will man ihr mitfühlend zumindest nahelegen, endlich die Dienste von Wahrsagern und Geistlichen anzunehmen, um Reformneuheiten auf ihre Aussichten hin abzutesten oder sie segnen zu lassen. Im Sinne der Beratersuche wäre der ORF-Crew der Konsum der montägigen Untergangsdiskussion auf Puls 4 zu empfehlen. "Pro und Contra" bot Visionäre auf, die - auf der alternaiven Seite der "Wissenschaft" tätig - infrage kämen. Zumindest ob ihres prognostischen Selbstbewusstseins. So prophezeite Hellseherin Rosalinde Haller den Weltuntergang erst für 2340 (es gibt also auch noch eine ORF-Zukunft).

Und sein Können demonstrierte Zeitenwende-Guru Gabriel Barylli mit dem Hinweis, es gebe einen Konnex zwischen Börsencrash und sonnenmagnetischen Erscheinungen. Diese beiden plus Pfarrer Toni Faber als beratende Testseher (und eine Horoskoperstellerin für neue Formate) wären etwas für die ORF-Führung, sollte deren Verzweiflung recht groß sein. (Ljubiša Tošic, DER STANDARD, 18.12.2012)

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