In fragmentierten Regenwäldern werden Fledermäuse zu Schlüsselorganismen

24. Dezember 2012, 20:54
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Fruchtfressende Fledermäuse verbleiben häufig in großer Zahl selbst in kleinen Waldabschnitten und spielen wichtige Rolle bei der Samenverbreitung

Tropische Regenwälder zählen zu den artenreichsten Ökosystemen der Erde. Seit Jahrzehnten stehen diese Systeme unter starkem menschlichem Einfluss. Einst flächendeckende Regenwälder müssen Plantagen oder Viehweiden weichen. Das Resultat sind Reste natürlichen Lebensraums, eingebettet in eine heterogene, menschlich beeinflusste Landschaft. In Folge dessen sinkt die Artenvielfalt in den verbleibenden Habitaten und besonders größere Säugetiere und Vögel, die wichtige Samenausbreiter darstellen, verschwinden, wodurch die Funktion des gesamten Ökosystems in Gefahr gebracht wird. Ein internationales Forscherteam konnte nun zeigen, dass Fledermäuse, die sich von Früchten ernähren, häufig in großer Zahl selbst in kleinen Waldfragmenten verbleiben und dabei eine besonders wichtige Rolle bei der Samenverbreitung spielen.

Eine Reihe aktueller Studien zeigte für eine Vielzahl von Tiergruppen, dass Habitatfragmentierung (die Umwandlung großflächigen, natürlichen Lebensraums in kleinere Fragmente) selbst auf kleinem Raum zu verringertem oder unterbrochenem Austausch von Individuen zwischen Populationen führen kann. Die Folge sind verringerter genetischer Austausch zwischen und erhöhte Inzucht innerhalb der Populationen.

"Dadurch steigt der Verwandtschaftsgrad und letztlich sinkt die genetische Vielfalt innerhalb der teils isolierten Populationen, da wenig 'frisches Blut' von außerhalb einfließt", so Fledermausexperte Ripperger vom Museum für Naturkunde Berlin. Dies gefährdet wiederum das langfristige Überleben der Populationen, da genetische Diversität häufig als wichtig im Zusammenhang mit der Anpassungsfähigkeit von Organismen an sich ändernde Umweltbedingungen diskutiert wird. Inwiefern fruchtfressende Fledermäuse in landwirtschaftlich dominierten Gegenden von derartigen Effekten betroffen sind, war bisher trotz ihrer wichtigen Rolle für gestörte Ökosysteme weitgehend unbekannt.

Genetische Verarmung durch Habitatfragmentierung

Daher untersuchten die Autoren Fledermäuse im karibischen Tiefland Costa Ricas, deren Populationen durch Viehweiden, Ananas- und Bananenplantagen getrennt sind. Die Ergebnisse zeigen, dass Fledermauspopulationen in diesen Gebieten trotz der Flugfähigkeit der Tiere und der damit verbundenen hohen Mobilität, nicht in regelmäßigem genetischem Austausch stehen, sondern teilweise durch die vom Menschen genutzten Flächen isoliert scheinen. Als eine Folge zeigen die einzelnen Populationen unterschiedlich stark ausgeprägte genetische Verarmung. Der Grad der Verarmung steht einerseits im Zusammenhang mit der Fläche des verbleibenden natürlichen Lebensraums, da größere Waldstücke vermutlich eine größere Anzahl von Tieren beherbergen können und so der Verlust genetischer Diversität verlangsamt wird.

Zum anderen wurde die genetische Vielfalt der Populationen durch Reste verbleibenden Lebensraums, wie beispielsweise Galeriewälder, in der nahen Nachbarschaft der Waldstücke positiv beeinflusst. Solche Strukturen bieten die Möglichkeit, geschützter als in offenem Gelände zu benachbarten Waldfragmenten zu gelangen und so zum genetischen Austausch beizutragen. Die Studie zeigt die Dringlichkeit von Schutzmaßnahmen in stark anthropogen beeinflussten Gebieten auf, damit Schlüsselorganismen wie samenausbreitende Fledermäuse auf lange Sicht zur Funktion des verbleibenden Ökosystems beitragen können. (red, derStandard.at, 22.12.2012)

  • Eine Gruppe der von den Forschern untersuchten Fledermausart Dermanura watsoni. Die Studie zeigte, wie wichtig Schutzmaßnahmen sind, damit Schlüsselorganismen wie samenausbreitende Fledermäuse auf lange Sicht zur Funktion von Ökosystemen beitragen können.
    foto: simon ripperger

    Eine Gruppe der von den Forschern untersuchten Fledermausart Dermanura watsoni. Die Studie zeigte, wie wichtig Schutzmaßnahmen sind, damit Schlüsselorganismen wie samenausbreitende Fledermäuse auf lange Sicht zur Funktion von Ökosystemen beitragen können.

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