Infineon Austria erwartet weiter "leicht sinkende Umsätze"

18. Dezember 2012, 13:06
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Rekordumsatz aus Vorjahr heuer nicht erreicht

Der heimische Halbleiterproduzent Infineon Austria mit Sitz in Villach in Kärnten hat im abgelaufenen Geschäftsjahr 2011/2012 per Ende September die Rekordzahlen aus 2010/2011 nicht halten können. Die Margen gerieten unter Druck. Das Betriebsergebnis sank von 165,7 Mio. Euro auf 106,9 Mio. Euro, der Umsatz sank im Vorjahresvergleich um 151 Mio. Euro auf 1,36 Mrd. Euro. "Die Zahlen liegen deutlich über der Krise 2008/2009", sagte Vorstandschefin Monika Kircher am Dienstag vor Journalisten in Wien. Heuer erwarte man "in Summe leicht sinkende Umsätze", man hoffe auf "keine Kurzarbeit".

Die "Cash-Position" Infineons sei aber "sehr gut"

Derzeit spüre man Zurückhaltung im Halbleitermarkt, im 2. Halbjahr, also im Frühjahr, "erwarten wir uns eine Trendwende, jetzt gibt es noch Unsicherheiten", sagte Kircher. Die "Cash-Position" Infineons sei aber "sehr gut".

Vor allem in Europa herrsche im Gegensatz zu anderen Weltregionen wie den USA und Teilen Asiens ein "rauerer Wind". Volkswirtschaftlich gesehen würden "einige die Lage noch zu positiv beurteilen". Im Halbleitergeschäft spüre man die Wirtschaftsentwicklung teils ein halbes Jahr vor anderen Branchen. Konjunkturprogramme der neuen chinesischen Regierung ließen schon in Kürze mehr Aufträge erwarten. In Villach beträgt die Produktionsauslastung derzeit nur 80 Prozent.

Seit Sommer greife bereits ein Kostensenkungsprogramm im Umfang von 25 Mio. Euro. Überstunden und Urlaub werden abgebaut, 100 Zeitarbeiter abgebaut. Neue Stellen gibt es nur "sehr selektiv". "Durch unsere gute Position hoffen wir aber, wenn der Aufschwung kommt unsere Marktanteil aufzubauen - wie schon beim letzten Aufschwung", sagte Kircher. Auch gehe man davon aus, den aktuellen Mitarbeiterstand von rund 3.000 zu halten.

Kurzarbeit sei zudem auch nicht zu erwarten, "weil dazu muss es schon ein Jahr lang eine deutliche Unterauslastung geben". Diese sehe man derzeit nicht.

"Für Infineon Österreich ist es auch ein Vorteil, dass ein Viertel des Umsatzes aus China stammt bzw. 45 Prozent aus Asien", sagte Kircher. Die Exportquote kratzt an der 100-Prozent-Marke.

Finanzvorstand Oliver Heinrich sprach bezüglich 2011/12 von einem "guten, erfolgreichen Jahr". Beispielsweise habe die Sales-Abteilung in Wien - die auf Kontakte mit Osteuropa spezialisiert ist - 52 Mio. Euro zum Gesamtumsatz beigetragen. Die Margen seien unter Druck geraten, "weil wir in den Planungen von anderen Werten - vor allem in der Industrie - ausgegangen waren", so Heinrich.

Gesunken

Der Aufwand für Forschung & Entwicklung kletterte im Prozentanteil am (gesunkene) Umsatz von im Vorjahr 16 auf heuer 20 Prozent und betrug rund 240 Mio. Euro. Im Vorjahr waren es 219 Mio. Euro gewesen.

Insgesamt werde ein Anziehen des Marktes erwartet, sagte Kircher. "Deswegen haben wir in den vergangenen beiden Geschäftsjahren auch fast eine halbe Milliarde Euro (453,7 Mio. Euro, Anm. vor allem in Villach, aber auch Graz) in erster Linie in Kapazitätserweiterungen investiert", sagte Kircher. Diese Investitionssumme bestätige "die klare Zukunft des Produktions- und Forschungsstandortes Villach für Infineon weltweit", sagte die Vorstandschefin.

Ohne Infineon wollte sie sich Kärnten gar nicht vorstellen - vom Gesamteinkaufsvolumen des Konzerns in Österreich von 190 Mio. Euro im abgelaufenen Geschäftsjahr wurden 115 Mio. Euro im südlichsten Bundesland ausgegeben; in Villach sind 2.500 der insgesamt rund 3.000 Mitarbeiter beschäftigt, in Klagenfurt weitere 230 (Graz: 240, Linz: 50, Wien: 10). "Auch dass 20 Prozent der Mitarbeiter aus der ganzen Welt stammen, ist ein wichtiger Einfluss auf Kärnten", sagte Technik-, F&E- und Innovations-Vorstand Sabine Herlitschka. Für ihre Firma bezeichnete sie Innovationen als "Lebenselixier".

Insgesamt sind mehr als 1.000 Mitarbeiter in der Forschung & Entwicklung tätig. Die Akademikerquote liegt bei 44 Prozent. Beschäftigung finden Menschen aus 55 Ländern der Erde. Samt zugekaufter Leistungen seien österreichweit an die 5.000 Menschen für Infineon tätig. (apa. 18.12. 2012)

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