Schweiz: Adoption für gleichgeschlechtliche Paare

18. Dezember 2012, 17:13
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Künftig soll Lesben und Schwulen in eingetragener Partnerschaft die Stiefkindadoption erlaubt sein. Die allgemeine Adoption bleibt ihnen aber weiterhin verwehrt

Regenbogenfamilien - das sind Familien, "in denen sich mindestens ein Elternteil als lesbisch, schwul, bisexuell oder transgender versteht." So lautet die Definition des Schweizer Dachverbandes Regenbogenfamilien, der sich seit seiner Gründung 2010 für die soziale und rechtliche Gleichstellung von Familien engagiert, die nicht dem klassischen heteronormativen Modell von "Vater-Mutter-Kind" entsprechen.

Die Herkunftsgeschichte der Kinder in queeren Familien ist dabei ganz unterschiedlich - sie können aus vorangegangenen heterosexuellen Beziehungen stammen oder in eine lesbische oder schwule Beziehung hineingeboren oder als Pflegekinder aufgenommen worden sein. Transgender-Eltern können ihr Coming-out vor oder nach der Familiengründung haben.

Ja zur Stiefkindadoption

Eines haben die Kinder in sogenannten Regenbogenfamilien jedoch gemeinsam: Rechtlich gesehen sind sie anderen Kindern nicht gleichgestellt - zumindest bis jetzt. Am 13. Dezember 2012 entschied der Schweizer Nationalrat mit 113 Pro- und 64 Gegenstimmen, das Recht auf Stiefkindadoption auch auf gleichgeschlechtliche Paare auszuweiten. Ein entsprechender Gesetzesentwurf soll nun ausgearbeitet werden.

Künftig sollen also lesbische und schwule Paare in eingetragenen Partnerschaften das Kind des Partners beziehungsweise der Partnerin adoptieren können. Auch für die betroffenen Kinder würde dies enorme Verbesserungen im Hinblick auf ihre rechtliche Absicherung bedeuten: Sie können etwa im Todesfall des leiblichen Elternteils mit dem zweiten Elternteil zusammenleben oder haben, wenn der nicht-leibliche Elternteil stirbt, einen Erbanspruch sowie Anspruch auf Waisenrente. Ebenso können Co-Mütter und Co-Väter ihre Rechte und Pflichten als Eltern in Zukunft gleichberechtigt wahrnehmen.

Nein zur allgemeinen Adoption

Den Stein ins Rollen brachte der Dachverband Regenbogenfamilien im letzten Jahr mit seiner Petition "Gleiche Chancen für alle Familien". "Wir sind sehr erfreut, dass der Nationalrat die Lebensrealität von Tausenden von Kindern in der Schweiz anerkannt hat und unsere Familien rechtlich absichern will", erklärt Martina Scheibling von Känel vom Dachverband gegenüber dieStandard.at. Der aktuellen Entscheidung des Schweizer Parlaments ging jedoch eine heftige Debatte voraus.

Insbesondere die rechtspopulistische Schweizer Volkspartei wehrte sich vehement gegen das Adoptionsrecht und berief sich dabei auf das seit 2007 geltende Partnerschaftsgesetz: Damals seien die Adoption und der Zugang zur Fortpflanzungsmedizin für homosexuelle Paare bewusst ausgeklammert worden, um eine breitere Akzeptanz der Vorlage zu erreichen - dem Volk habe man "hoch und heilig versprochen, dass die Adoption nicht in Frage kommt", zitiert etwa die "Neue Zürcher Zeitung" einen SVP-Politiker. Entsprechend hielt die Schweizer Regierung schon 2011 die "uneingeschränkte Öffnung der Adoption für gleichgeschlechtliche Paare zum heutigen Zeitpunkt nicht für opportun".

Nachzügler Österreich

Die Entscheidung im Schweizer Nationalrat ist also ein Teilerfolg: Die allgemeine Adoption bleibt gleichgeschlechtlichen Paaren weiterhin versagt. Der Dachverband Regenbogenfamilien will sich jedoch weiter für eine vollständige Gleichstellung einsetzen.

Hierzulande lässt eine entsprechendes politische Entscheidung jedenfalls noch auf sich warten, wie auch Barbara Schlachter vom Verein Famos - Familien Andersum Österreich in einer Aussendung festhält: "Das Schweizer Modell an dem sich das österreichische Partnerschaftsgesetz damals bei der Einführung orientiert hat, wurde nun erweitert. Wann zieht Österreich nach?" (viyu, dieStandard.at, 18.12.2012)

  • Bisher hatten Kinder in "Regenbogenfamilien" in der Schweiz faktisch keinen zweiten rechtlichen Elternteil. Der Nationalrat hat nun die Beseitigung dieses Missstands beschlossen.

    Bisher hatten Kinder in "Regenbogenfamilien" in der Schweiz faktisch keinen zweiten rechtlichen Elternteil. Der Nationalrat hat nun die Beseitigung dieses Missstands beschlossen.

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