Österreicher lassen sich vom Weltuntergangs-Hype kaum verunsichern

Expertenrunde zum Thema "Welt und Untergang: vom Mythos zur Angst" - Apokalypse kommt aus den Köpfen westlicher Esoteriker

Wien - Der von Esoterikern propagierte vermeintliche Weltuntergang am 21. Dezember lässt die Österreicher verhältnismäßig kalt. Zumindest statistisch gesehen lassen sich die Bürger anderer Länder von dem Thema mehr verunsichern. Ursprung des medial aufgebauschten Hypes seien jedenfalls nicht die Maya gewesen, erklärte eine Expertenrunde am Montagabend bei der Diskussionsveranstaltung "Science Talk" zum Thema "Welt und Untergang: vom Mythos zur Angst" in Wien. Die Idee von der Apokalypse sei in den Köpfen von Menschen der westlichen Welt entstanden und auf die Mayas projiziert worden. Weder der Maya-Kalender noch die Astronomie böten eine Grundlage für Angst und Besorgnis.

"Wir Österreicher reagieren eher unhysterisch", konstatierte Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle. Dies bescheinigten auch Statistiken, im Vergleich zu anderen Ländern herrsche in Österreich wenig Panik, so der Astronom und Wissenschaftsautor Florian Freistetter, der die Veranstaltung moderierte. Zu denken gäbe ihm aber, erklärte Töchterle, dass die Denkmuster aus dem Mythos auch in einer scheinbar aufgeklärten Welt noch vorhanden seien ? "auch wenn wir es wahrscheinlich weit von uns weisen wollen", so der Altphilologe.

Wissenschaftskritische esoterischen Bewegung

Verwundert zeigte sich der Maya-Experte Nikolai Grube von der Universität Bonn, dass sich Menschen überhaupt für die Prophezeiungen "von so einem exotischen Volk, mit dem wir eigentlich nichts zu tun haben" interessieren. "Dieser Weltuntergang der Maya ist in unseren Köpfen entstanden", sagte er. Die westliche Welt hätte ihn bloß auf die Maya projiziert. Er sei Teil einer großen esoterischen Bewegung, die man auch als Wissenschaftskritik deuten könne, weil die großen Probleme dieser Welt bis jetzt von der Wissenschaft nicht richtig gelöst wurden. "Ich denke, dass gerade auch in esoterischen Kreisen Weltuntergänge immer wieder projiziert werden, weil sie Möglichkeiten bieten, eine große Lösung von außen zu erwarten", so Grube.

Tatsächlich böte der Maya Kalender keinerlei Anlass für Weltuntergangsstimmung. Die Maya hätten den 21. Dezember 2012 wohl so gefeiert, wie wir den Übergang von einem in das nächste Jahrtausend, meinte Grube. Denn an diesem Tag wäre das Ende des dreizehnten Vierhundertjahreszyklus (Baktun) erreicht, dann seien 5.200 Mayakalender-Jahre zu 360 Tagen vergangen, was für die Maya zweifelsohne ein großes Ereignis gewesen wäre, sagte er. Laut Hieroglyphenschriften würde an diesem Tag sogar der Gott Bolon Yokte die Mayas beehren.

Das Missverständnis sei, dass der Maya-Kalender nun aufhöre. Das sei "Quatsch", und es gäbe zahlreiche Inschriften, die auf einen vierzehnten und fünfzehnten Baktun hinweisen. "Der Kalender wird weitergezählt", sagte Grube.

Keine Gefahr aus dem All

Der Weltuntergang sei immerhin schon einmal vor etwa 65 Millionen Jahren eingetreten, erklärte Christian Köberl, Direktor des Naturhistorisches Museums Wien (NHM). Allerdings geschah das aus der Sicht der Dinosaurier, ausgelöst durch den Einschlag eines Asteroiden auf der Halbinsel Yucatan im heutigen Mexiko. Die Überlebenden hätten anschließend ihre Chancen genutzt und ihre Nachfahren könnten heute darüber referieren, scherzte er. Von den größeren Himmelsobjekten wisse man mittlerweile die Bahnen und zumindest in den nächsten 50 oder 100 Jahren würde von ihnen keine Gefahr drohen, sagte Köberl.

Am 21. Dezember werde auch keine besondere Planetenkonstellation stattfinden, so Freistetter. Die Planeten des Sonnensystems würden nicht, wie manchmal behauptet, alle in einer Reihe stehen, und die Wirkung der geballten Schwerkraft, die dabei entstünde, könne der Erde auch nichts anhaben. Der Mond hätte jeden Monat mehr Einfluss auf die Erde, als eine solches Ereignis verursachen würde. (APA/red, derStandard.at, 18.12.2012)


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Astrodicticum Simplex: Weltuntergang 2012 - Fragen und Antworten

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