Müsli und Softdrinks nach Maß

7. Jänner 2013, 11:52
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Online-Portale bieten Baukästen an und machen individuelle Produkte leistbar. Auch das Handwerk könnte so ein Revival feiern

Individuelle Tassen, Mousepads und bedruckte T-Shirts sind die Klassiker. Aber auch Maßhemden erleben im Online-Zeitalter ein Revival, und bepflanzte Blumenkästen landen per Post auf dem Balkon. Immer mehr Kunden lassen sich ihr eigenes Müsli mischen. Einheitsbrei ist passé.

Baukastensystem

Der Trend passt in unsere Zeit. Der Kunde sei ein Individualist, Kompromisse akzeptiere er kaum noch, sagt etwa Frank Piller, Professor an der RWTH in Aachen. Das werde nicht nur am personalisierten Nachrichtenkonsum deutlich, sondern eben auch in anderen Lebensbereichen. Unbegrenzt sind die Möglichkeiten für die Online-Kreativen dann aber doch nicht. Die meisten Unternehmen geben einen Baukasten vor, an diesen müssen sich die Kunden halten. Die Möglichkeiten sind aber durchaus so breit gefächert, dass dann doch kein Endergebnis aussieht wie das andere. 

Diese Produkte sind deutlich teurer als jene von der Stange. Das Internet sorgt dafür, dass es sich die breite Masse überhaupt leisten kann, individuell zu sein. "Die Unternehmen mögen zwar Unikate herstellen. Doch sie profitieren wie auch große Unternehmen von Skaleneffekten. Die Logistik, der Vertrieb, die Materialbeschaffung - durch die Massenherstellung von individuellen Produkten sparen die kleinen Firmen Kosten ein", so Die Welt. Mass Customization nennt man das. Den großen Markt bietet das Netz. 

Renaissance des Handwerks

Die neue Lust auf Individualismus hilft vor allem kleinen Unternehmen und Start Ups - und sie könnte auch zu einer Renaissance des Handwerks führen. Für große Unternehmen dagegen ist dieser Trend laut Die Welt eher eine Gefahr als eine Chance. Für sie ist es schwieriger, auf individuelle Fertigung umzustellen. Trotzdem ziehen sie nach. "Die großen Unternehmen erkennen, dass sie den Trend nicht aufhalten können", sagt Piller. Und sie reagieren. Coca-Cola etwa bietet in den USA Automaten an, die Softdrinks auf Bestellung mischen. Und seit kurzem kann man auch Schokolinsen von M&M mit persönlichen Botschaften bedrucken.

Auch der deutsche Schoko-Riese Ritter Sport wollte diesen Trend mitmachen, eine Umstellung der Produktion wäre aber schwierig gewesen. Vor ein paar Jahren kaufte sich Alfred Ritter deshalb in das junge Berliner Internet-Unternehmen Chocri ein. Dieses fertigt Schokolade auf Bestellung. Ein Drittel des Unternehmens gehöre dem Schokogiganten, so die Welt.

Anreiz Kundenbindung

Auch wenn sich mit individueller Produktion viel Geld verdienen lässt, geht deren wahre Bedeutung über die Umsatzzahlen hinaus. "Kundenbindung ist ein wichtiger Grund", zitiert die Zeitung Adidas-E-Commerce-Chef Harm Ohlmeyer. Schon seit fast zwölf Jahren können Kunden des Sportartikelherstellers individuelle Sneaker entwerfen. 90 Euro kosten "Samba"-Schuhe, die auf der Ferse den Namen des Besitzers tragen. "Miadidas" heißt die Linie. Die Logik dahinter: Wer sich lange im Internet mit einem personalisierten Modell beschäftigte, wird später auch andere Adidas-Produkte kaufen. (part, derStandard.at, 7.1.2013)

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    Nach einem Baukastensystem können sich die Kunden immer mehr Produkte selbst designen.

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