Von der Fürsorge zur professionellen Sozialen Arbeit

Gudrun Ostermann
18. Dezember 2012, 11:52

Vor hundert Jahren wurde der Grundstein für die Ausbildung Soziale Arbeit gelegt. Mittlerweile gibt es an den Fachhochschulen auch immer mehr Masterstudiengänge. Was sich nicht geändert hat, ist der hohe Frauenanteil

Mit der Gründung der ersten Fürsorgerinnenschule in der Österreich-Ungarischen Monarchie in Wien durch Ilse Arlt wurde 1912 der Grundstein für professionelle Ausbildung für Soziale Arbeit und Sozialpädagogik gelegt. Bis 1938 wurden an der Schule mit dem Namen "Vereinigte Fachkurse für Volkspflege" Frauen zu Wohlfahrtspflegerinnen ausgebildet. Denn es sei zu wenig, nur zu helfen, "wie es das gute Herz meint", so die Motivation der Gründerin. Arlt musste während des Nationalsozialismus die Ausbildungsstätte schließen und konnte sie erst ab 1945 wieder fortführen.

Die Ausbildungseinrichtung diente aber auch als Forschungsstätte, wo an der wissenschaftlichen Aufklärung professioneller Fürsorge gearbeitet wurde. Denn Arlt war überzeugt davon, dass gesellschaftliche Rahmenbedingungen analysiert und verändert werden müssen, um soziale Not beseitigen zu können. 1921 erschien ihr Buch Die Grundlagen der Fürsorge.

Ein weiterer Meilenstein für die Professionalisierung der Sozialen Arbeit wurde 1962 gelegt. Damals wurden die Lehranstalten für gehobene Sozialberufe eingerichtet. Ab 1976 wurden diese Lehranstalten in Akademien für Sozialarbeit umgewandelt, zehn Jahre später die Ausbildungsdauer auf sechs Semester verlängert. An den Fachhochschulen Graz, Linz, Salzburg und St. Pölten gibt es ab 2001 die ersten Studiengänge für Soziale Arbeit. Bis zum Studienjahr 2005/06 wurde das Angebot aller Akademien für Sozialarbeit von den Fachhochschulen übernommen. Mittlerweile gibt es in jedem Bundesland ein Bachelorstudium Soziale Arbeit.

Mit der Aufnahme der Ausbildung ins Programm der Fachhochschulen wurde ein weiterer Professionalisierungsschub gesetzt, der auch immer mehr Studierende anlockt. Begannen im Wintersemester 2006/07 insgesamt 276 Personen das Studium Soziale Arbeit, so gab es in diesem Wintersemester bereits mehr als 700 Studienanfänger. Aber noch immer wird dieses Studium zum überwiegenden Teil von Frauen gewählt. Unter den Studienanfängern sind lediglich 171 Männer.

Vertiefende Masterstudien

Die Professionalisierung zeigt sich auch am steigenden Angebot an weiterführenden Masterlehrgängen für Absolventen der Sozialen Arbeit. So wird beispielsweise an der FH Kärnten das Masterstudium Soziale Arbeit: Entwickeln und Gestalten angeboten, das sich im Besonderen den gesellschaftlichen Herausforderungen widmet. An der FH St. Pölten können beim Masterstudium Soziale Arbeit die Kenntnisse moderner Sozialarbeitsmethodik und Sozialarbeitswissenschaft vertieft werden.

Die FH Vorarlberg und die FH Campus Wien haben einen Schwerpunkt für klinische Soziale Arbeit. Darüber hinaus wird in Vorarlberg und an der FH OÖ auch Interkulturelle Kompetenz für Sozialarbeit als Vertiefung angeboten. Das Masterstudium Soziale Arbeit, Sozialpolitik & -management am MCI wiederum orientiert sich an den Global Standards for Social Work Education & Training der International Association of Schools of Social Work. (Gudrun Ostermann, FH-STANDARD, 15.12.2012)

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4 Postings
Wow was für eine Entwicklung ...

Von der Fürsorge zur professionellen Sozialen Arbeit mit Master, demnächst Doktorat -- und: Die Pflege unserer Alten leisten die guten Frauen aus dem Osten ....

Durch das Auswahlverfahren, durch persönliche Entscheidungsträger der Professoren und durch die geringen Studienplätze, ist diese Ausbildung sehr elitär geworden und soziale Arbeit kann somit nur von einer Schicht angeboten werden, die sich slebst reproduziert.

vorsicht im diskurs: ilse arlt für soziale arbeit und sozialpädagogik heranzuziehen ist doch etwas ungenau, da es 2 getrennte entwicklungslinien sind.

zum einen ist im deutschsprachigen raum der terminus Soziale Arbeit für sozialarbeit und soziapädagogk meistens ein sammelbegriff, ilse arlt rekuriert allerdings auf sozialarbeit während sozialarbeit mit herman nohl und dem fast vergessenen paul nartop als geistige väter meistens herngezogen wird.

weshalb auch der professionalisierungsstreit recht rasch erklärt ist, da sozialpädagogik an universitäten etc. bereits länger verankert ist als die sozialarbeit. mit der fh soziale arbeit erhob diese in einem heterogenen ausbildungsfeld den alleinigen anspruch auf beides im gegensatz zu deutschl.

in deutschlland and sind sozialpädagogik einzelne studiengänge an einer fh oder uni unter einem dach als eigene spezialisierungen deswegen.

einer der viel in dieser hinsicht bewegt hat, ist ein gewisser herr niemeyer, der an der tu dresden die beiden richtungen zum studium sozialpädagogik,sozialarbeit und wohlfahrtswissenschaften zusammengefasst hat.

auch in österreich waren sozialarbeit und sozialpädagogik immer getrennt, es sind sogar nach wie vor einige arbeitsfelder beschränkt auf gewisse arbeitsbereiche (sozialarbeiter zb. nur auf jugendämtern). soziale arbeit bleibt aber ein sammelberiff beider richtungen, sozialpädagogik gibt es allerdings auch einzeln als kolleg oder masterstudium an den unis.

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