Darmerkrankungen: "Epidemie" bei Kindern

18. Dezember 2012, 12:24
  • Wenn jemand bis zu 20 Mal pro Tag und zu unvorhergesehenen
 Zeiten die Toilette aufsuchen muss, wird das Leben massiv belastet.
    foto: apa/dpa/jörg carstensen

    Wenn jemand bis zu 20 Mal pro Tag und zu unvorhergesehenen Zeiten die Toilette aufsuchen muss, wird das Leben massiv belastet.

Die Zahl der Kinder, die aufgrund schwerer chronisch-entzündlicher Darmerkrankungen stationär behandelt werden mussten, hat sich in Österreich in den letzten 15 Jahren verdoppelt

Chronisch entzündliche Erkrankungen sind in den vergangenen fünf Jahrzehnten in den hoch entwickelten Staaten um das zehn- bis 15-fache angestiegen. Vor allem Kinder und Jugendliche sind immer stärker davon betroffen. Zu diesen chronisch-entzündlichen Krankheitsbildern zählen unter anderem Asthma, Typ 1 Diabetes, Multiple Sklerose und die diversen Formen von chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED).

Vorwiegend Umwelteinflüsse

Unter den beiden häufigsten Formen von CED - Morbus Crohn und die Colitis Ulcerosa - leiden in Europa etwa drei Millionen Menschen. Das Auftreten der Krankheit ist in jedem Alter möglich, aber zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr liegt der statistische Erkrankungsgipfel. Dies berichten die European Crohn's and Colitis Organisation (ECCO) und die European Federation of Crohn's and Ulcerative Colitis Associations (EFCCA) und rufen zum gemeinsamen Handeln auf.

Walter Reinisch, Gastroenterologe am Allgemeinen Krankenhaus der Stadt Wien (AKH), Medizinische Universität Wien, beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit chronisch-entzündlichen Krankheitsformen, speziell mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen: "Mit einer genetischen Disposition lassen sich nur ein geringer Teil dieser Erkrankungen erklären. Es sind vorwiegend Umwelteinflüsse, welche chronisch-entzündliche Erkrankungen auslösen." Die Ursachen scheinen fehlerhafte und einseitige Ernährung, Medikamenteneinnahmen wie z. B. Antibiotika, aber auch Rauchen, Stress, der Lebensstil und das Lebensumfeld in den Städten und gesteigerte Hygiene zu sein.

Massiver Anstieg chronisch-entzündlicher Darmerkrankungen

Bauchschmerzen, mehrwöchige Durchfälle, Gewichtsverlust, Müdigkeit, Leistungsabfall, Fieber: Wenn derartige Symptome immer wieder in Intervallen auftreten, besteht der Verdacht auf eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung (CED). Der Leidensweg eines Betroffenen zeigt sich vor allem im Alltag.

Wenn jemand weiß, dass er bis zu 20 Mal pro Tag und zu unvorhergesehenen Zeiten die Toilette aufsuchen muss, wird das Leben massiv belastet. Soziale Kontakte würden zum Teil abrupt abgebrochen, so beschreiben Ärzte und Betroffene den oft lange verheimlichten Leidensweg der CED-Erkrankten.

Reinisch unterstreicht, wie wesentlich ein konzentrierter Kampf für mehr Darmgesundheit ist. "Wir erleben derzeit eine Epidemie an Erkrankungen, die wir vor 50 Jahren nicht oder kaum kannten und die alle in gewisser Weise mit dem Darm zusammenhängen. Wir haben immer mehr junge Patienten, die chronische Krankheiten entwickeln. Die Zahl der Kinder, welche aufgrund schwerer chronisch-entzündlicher Darmerkrankungen stationär behandelt werden mussten, stieg in Österreich in den letzten 15 Jahren um 100 Prozent. Bei Menschen bis zum 25. Lebensjahr verdoppelt sich die Mortalitätsrate, wenn sie unter chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen leiden."

Trotz intensiver Forschung noch keine Heilung

Morbus Crohn und Colitis Ulcerosa sind chronische Krankheiten mit denen die Betroffenen lebenslang konfrontiert sind. Sie betreffen Männer und Frauen gleichermaßen und beginnen typischerweise zwischen dem zweiten und dritten Lebensjahrzehnt. Allerdings erkranken auch bereits Kinder. In den Laborbefunden können oft keine eindeutigen Beweise für Morbus Crohn oder Colitis Ulcerosa gefunden werden.

Somit sind zusätzliche Untersuchungen, insbesondere Darmspiegelungen, notwendig. Die Krankheit ist durch moderne Therapiekonzepte gut zu behandeln, obwohl trotz intensiver Forschung auch heute noch keine Heilung im eigentlichen Sinne möglich ist.

Vom Auftreten der ersten Symptome bis zur Diagnose kann es bei Morbus Crohn Monate bis Jahre dauern, da es vielfach mangelhaftes Wissen über die Symptome und Alarmsignale gibt. Einige funktionelle Störungen des Magen-Darm-Traktes weisen ähnliche Symptome auf, daher ist das Beachten typischer Morbus Crohn-Signale sehr wichtig, wie zum Beispiel Blut im Stuhl, Entzündungszeichen im Blut oder Stuhl, aber auch Fieber und Gelenkschmerzen. 

60 Prozent operative Eingriffe

Prinzipiell kann Morbus Crohn den kompletten Verdauungstrakt befallen, vom Mund bis zum After. Derzeit führt die Erkrankung an Morbus Crohn bei 60 Prozent aller Betroffenen im Endeffekt zu einem operativen Eingriff, so die Zahlen aus ECCO Guidelines.

Aktuelle Zahlen und Studienergebnisse zum Bereich chronisch-entzündliche Darmerkrankungen werden bei der internationalen Pressekonferenz "Join the fight against IBD" am 13. Februar 2013 in Wien vorgestellt. Am 14. Februar 2013 folgt eine Podiumsdiskussion zum Thema "Crohn's and Colitis in Europe: The burden of disease in young people". (red, derStandard.at, 19.12.2012)

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interessant..

sido versus heinzl: zigtausende postings!
epidemische ausbreitung von darmerkrankungen bei kinder: 50 postings

unglaublich, wie man heutzutage noch die psychodynamik bei damerkrankunge ausspart!!!

.....wie kann man nur so medizinisch über diese sehr schwere erkrankung schreiben!!! kein wörtchen über die Psyche.... nicht umsonst ist mein freund im medizinschen drehkreuz der Krankenhäuser wegen seiner colitis ulcerosa verfangen gewesen. er hat cortison geschluckt, alle zwei Jahre einen Schub und das 12 Jahre lang. Das was ihm wirklich geholfen hat war eine hochfrequente psychoanalytische Behandlung (Psychoanalyse 4x die Woche) Er konnte so das Cortison reduzieren und hat seit mehr als vier Jahren keinen Schub mehr gehabt. Wenn man ihn als Kind schon von einer Psychologin anschauen hätten lassen und seine große Aggressionshemmung diagnsotiziert hätte, wäre ihm vielleicht das ganz ersprart geblieben. Die Erkrank.ung braucht eine intens

kranke kinder:

kürzliche eine US studie, in der festgestellt wurde, dass zwischen der zunahme von diabetes typ 2 und der feinstaubbelastung ein zusammenhang besteht.

Das klingt unsinnig. Studie zitieren!

weg mit der milch

scharfe klo-tapete

Ein Beispiel: Gluten im Weizen

Soweit ich es kürzlich gelesen habe, hat sich der Glutenanteil in den letzten Jahrzehnten vervielfacht (insofern ist auch die Gentechnik Teil der Geschichte).

Und weil Weissbrot in allen verschiedenen Variationen unseren kulinarischen Alltag beherrschen, ist es kein Wunder, wenn der Darm damit sprichwörtlich immer mehr zugepflastert wird - mitsamt vieler anderer erworbener Ernährungsgewohnheiten, die ihm einfach nur schaden und chronisch krank machen.

Mein Rezept: selber kochen und genießen, anstatt mit Wurstsemmeln den Geschmack verlieren.

anstieg bei kindern um 100%?

wie lautet da die erklärung? rauchen, stress kann es ja nicht gut sein...
denaturierte bzw.ungesunde nahrung, spritzmittel und sonstige chemische behandlungen und beimengungen wohl schon eher? wird da ernsthaft geforscht?

letztendlich interessant, dass die unterleibsgegend bei kindern immer mehr betroffen ist.
spermienanzahl pro milliliter im vergleich zu unseren grossvätern ist ja schon länger bekannt...

Aber brav weiter das handy in den hosensack stecken...

(ein möglicher Anteil...)

da wird noch nicht anständig geforscht: dafür braucht man viel geld, und zeit. wer wird dieses geld zur verfügung stellen? pharmaindustrie? landwirtschaft? regierung? lebensmittelindustrie? Sie stellen hier die entscheidende frage! wer will herausfinden, das wir seit jahrzehnten teil eines gewaltigen experiments sind?

stimmt.

gestern sah ich einen themenabend auf arte über kinderspielzeug. da habe ich haarstreubende details erfahren, z.b. dass ein toxischer stoff in autoreifen nur 0,1 ng (?) aber in kinderspielzeug das 100 fache betragen darf. die eu hat kürzlich die grenzwerte bei kinderspielzeug h i n a u f gesetzt! und die kontrollen sind mehr als mangelhaft, vor allem bei den importen aus fernost. welches ministerium sorgt sich eigentlich um den konsumentenschutz?

Der Staat "schützt" die Konsumenten eh!

Denn durch das geplante Vergiften unserer Kinder werden brave Staatszombies kreiert, die dann als Arbeitssklaven ganz leicht kontrollierbar sind.

Wäre dem nicht so, könnte vieles nicht sein auf diesem Planeten. Von unnötigen Giften im Impfstoff, über Fluor in Zahnpasta und Wasser, bis hin zur Genmanipulation und legalem Vollpumpen von Tieren mit Antibiotika und anderen Giften, von der Gemüseproduktion ganz zu schweigen.

Doch solange die Masse meint, dass das alles Unsinn ist und als "Esoterik" abtun, wird sie auch weiter im Tiefschlaf gehalten....

Klingt plakativ natürlich super, aber:

Auch wenn Kinder Spielzeug oft in den Mund nehmen und damit vielleicht den Dreck in den Körper kriegen, wenn der Reifenabrieb als Feinstaub aber sowas von garantiert in die Atemwege eines jeden kommt, dann erwart ich mir auch da extrem strenge Grenzwerte.

warum solche dinge passieren: lobbying! irgendwer fände es gut zb. die derzeit in verwendung befindlichen glühbirnen zu ersetzen, irgendjemand verdient damit viel geld, und wer dritter zieht die richtigen fäden. heureka! ein neues gesetz!! danke EU

Korreliert mit der Zunahme von Milchprodukten sowie "weißen" Produkten (Weißmehl, Zucker etc) in unserer Ernährung...

Es ist keine Zunahme von Produkten, sondern ein qualitativer Abwärtsgang unserer Nahrungsmittel.

das begleitende bild spricht bände von gemütlichkeit und dringenden bedürfnissen...
not!

herrlich

naja...ich wusste warum ich diesen artikel gelesen muss...wegen den postings von lesern die natürlich die ganze wahrheit kennen.
schuld an diversesten darmerkrankungen sind nämlich: gentechnik, stress, fehlende zuwendung, antibiotika, nestle, pharmakonzerne...hab ich was vergessen?

Also bitte dann:

was ist den dann schuld?

Der Heilige Geist?

In anderen Zivilisationen ist es seit vielen tausenden Jahren klar, dass der Darm essentiell für das Heilsein des gesamten Körpers ist.

Wenn Sie nun Mist fressen und so quasi dauervergiftet werden, ist der Schluss logisch, dass das ein Problem ist. Und dass sich psychischer und emotionaler Stress negativ auf den "Magen" auswirkt, wussten schon Ihre Urgroßeltern.

Und JA: Nestlè vertreibt hochgiftige Produkte, die noch dazu oft durch Ausbeutung und unter Blut produziert wurden!

doch, sie haben nochwas vergessen: ignoranz

danke für diesen artikel

den erkrankungsanstieg seit dem einsatz von genmanipulierten weizen, mais,..etc sollte man untersuchen!!!! die beimengung von ATI (zur schädlingsbekämpfung) löst nämlich bei vielen menschen eine offensichtliche "glutenunverträglichkeit" aus (ist es aber nicht). etliche verdauungserkrankungen sind wahrscheinlich darauf zurückzuführen. vor allem kinder sind da sensibler. seltsamerweise werden untersuchungen in diese richtung wenig gefördert...
und blöderweise ist dieses ATI mittlerweile in allen weizen, mais sorten drin und nicht mehr wegzubringen... eine reportage darüber würde mich sehr interessieren....

Amylase-Trypsin Inhibitoren wurden konventionell hochgezüchtet; die ach-so-böse Gentechnik hat damit nicht zu tun

ATI ist mittlerweile über genmanipulation in jeder weizen/maispflanze zu finden! es gibt immer noch keine statistiken, die sich mit dem anstieg dieser menschlich herbeigeführten veränderung und dem anstieg von verdauungserkrankungen, bzw. unverträglichkeiten beschaäftigen- wie gesagt, ..nicht so interessant.....aber erfreulich das Sie sich ihrer sache "ach so" sicher sind

Wenn Sie meinen, dass Weizensorten mit transgen hochregulierten ATI im Österreich im Umlauf sind, können Sie sicher die Sorten dazu posten; weil ich konnte keine finden.

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