Android: Kaum Geld für Google in China

18. Dezember 2012, 11:33
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Gerätehersteller und Drittanbieter profitieren

Android dominiert, wie in vielen anderen Ländern auch, den Markt. Die Volksrepublik verfügt über zahllose größere und kleinere Hersteller, die erschwingliche und teils recht potente Smartphones und andere Geräte mit dem Betriebssystem bauen. Besonders viel Geld verdient Google damit aber nicht.

Ohne Play Store und Google Apps

Laut Technology Review sind mittlerweile drei von vier ausgelieferten Smartphones mit Android bespielt. Am System selbst, das quelloffen und kostenlos verfügbar ist, verdient der Suchriese allerdings nicht. Die Eckpfeiler des Geschäftsmodells sind Werbung und die Bereitstellung einer Plattform für Inhalte, namentlich der Play Store.

Genau hier hapert es jedoch in China. Der Großteil der Handys und Tablets werden ohne Google Apps - darunter Gmail oder YouTube - oder Zugang zum Play Store ausgeliefert. Das hat unter anderem auch mit der strikten Zensur zu tun, die von der Regierung durchgesetzt wird. Die nachträgliche Installation ist zwar möglich, ein vernünftiger Zugriff auf den Google-Marktplatz setzt oft genug aber einiges an Tüftelei voraus. Zudem betreibt Google für das Play-Angebot und die Suche keine eigenen Server mehr in dem Land.

Ersetzt mit Baidu und Co.

Stattdessen packen die Hersteller oft die Angebote lokaler Dienstleister auf ihre Geräte. So schätzt man bei Baidu, praktisch Googles chinesisches Pendant in Sachen Websuche, dass die eigene App mittlerweile auf 80 Prozent aller verkauften Geräte anstelle des Google-Angebots integriert ist.

Auch mit Maps kann Google, mangels Aktualität und Daten, nicht punkten. Um an diese zu kommen, ist eine von der Regierung zu vergebene Lizenz notwendig. Hier kommen auf den Smartphones und Tablets gerne heimische Alternativen zum Einsatz. Eine Reihe von Herstellern stellt gar eigene Adaptionen des Android-Betriebssystems bereit, die noch stärker aus dem Google-Ökosystem losgeeist sind.

Im Clinch mit der Regierung

Die Probleme sind auch politischer Natur, eben weil Google und das chinesische Regime in puncto Zensur nicht nur einmal aneinandergeraten sind. Als Konsequenz hatte Google sein Engagement in dem Milliardenstaat 2010 stark reduziert, weil man sich den strikten Vorgaben nicht mehr beugen wollte. Auch Vorwürfe an die Offiziellen, Google-Server angegriffen zu haben, standen im Raum.

Der Ausstieg kam jedoch zu einem wirtschaftlich ungünstigen Moment. 2010 setzte - auch dank Android - rasanter Aufschwung im Telekommunikationssegment ein. Wer versucht, die Google-Dienste - die Suchserver sind mittlerweile in Hongkong geparkt - zu benutzen, muss sich mit langsamem Zugriff und bereits genannten Zensurmaßnahmen plagen.

Mehr Kontrolle

Auf der Suche nach einer Lösung versucht Google, die Verwendung von Android stärker zu kontrollieren. Im Zuge dessen entbrannte etwa Streit um das "Cloud Mobile" Smartphone von Acer, dass im Westen mit Android und in China mit Alibabas Aliyun OS bespielt ist. Der Vorwurf: Aliyun OS soll sich in hohem Maße direkt an Android bedient haben, was von der Firma prompt bgestritten wurde.

Derartige Reglementierungsversuche spielen für die Hersteller am nationalen Markt aber ohnehin kaum eine Rolle. Kontrolle gibt es faktisch keine, etwaiger rechtlicher Zugriff ist wiederum von der Kooperation der Behörden abhängig. Sich mit der Regierung anzulegen, ist nicht gut fürs Geschäft.

"Mit voller Wucht"

Dass Google angesichts des immer wichtigeren Marktes in China noch lange in Wartestellung verharren wird, ist aber unwahrscheinlich. Nicole Peng, Forschungsleiterin der Shanghai-Abteilung des Marktforschungsunternehmens Canalys, hält es für durchaus möglich, dass Google an einer Rückkehr "mit voller Wucht" arbeiten könnte. (red, derStandard.at, 18.12.2012)

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    Viele Androiden, wenig Umsatz - Google hat ein China-Problem.

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