Daniel Inouye: Ein US-Pionier sagt Aloha

Porträt | Kim Son Hoang
19. Dezember 2012, 10:11

Vom potenziellen Feind zum Kriegshelden und Senator: Einer der vielschichtigsten US-Politiker ist mit 88 Jahren gestorben

Die Rollen, die Daniel Inouye in seinem Leben spielte oder spielen musste, waren vielfältig: Feind der USA, Kriegsheld der USA, Pionier der US-Politik, Reformer der US-Geheimdienste, Aufdecker in US-Skandalen und zusammengefasst einer der einflussreichsten US-Senatoren der letzten Jahrzehnte. Nun ist Daniel Inouye am Montag im Alter von 88 Jahren gestorben.

Inouye wurde am 7. September 1924 in Honolulu als das älteste von vier Kindern geboren. Seine Eltern emigrierten zuvor aus Japan auf die damals von den USA annektierte Inselgruppe Hawaii. Nach dem Highschool-Abschluss bereitete er sich an der Universität von Hawaii auf das Medizinstudium vor, er wollte Chirurg werden.

Inouye, der "feindliche Ausländer"

Im Laufe des Jahres 1941 - die USA wahrten formal noch ihre Neutralität im Zweiten Weltkrieg - reagierte Washington auf die globalen Aggressionen Japans mit restriktiven Maßnahmen gegenüber japanischstämmigen Einwanderern. Unter anderem wurde ihnen der Eintritt in die US-Army verweigert.

Um seine Loyalität gegenüber den USA unter Beweis zu stellen, arbeitete Inouye in Pearl Harbor als freiwilliger Sanitäter und erlebte so auch den japanischen Angriff am 7. Dezember 1941 mit. Was folgte, waren der offizielle Kriegseintritt der USA und Umsiedlungen bzw. Zwangsinternierungen von japanischstämmigen Einwanderern an der Westküste der Vereinigten Staaten. Zudem wurden sie von der US-Regierung als Sicherheitsrisiko, als "feindliche Ausländer" eingestuft. Das betraf trotz aller vorgelebten Loyalität zu den USA auch Inouye.

Im Jahr 1943 wurde der Bann der US-Army gegen japanischstämmige Einwanderer aufgehoben, Inouye unterbrach sein Studium und trat sofort bei. Er wurde Mitglied des 442. Infanterieregiments, das ausnahmslos aus Soldaten mit asiatischen Wurzeln bestand. Im Laufe des Zweiten Weltkriegs avancierte dieses Regiment zur am höchsten ausgezeichneten Einheit der US-Army. Und Inouye trug dazu einen maßgeblichen Teil bei.

Inouyes Heldentat

Das Regiment wurde nach Europa geschickt und agierte vor allem in Italien und Frankreich. Im April 1945, kurz vor Kriegsende, ereignete sich, was Inouye später höchste militärische Orden einbrachte: Bei einem Angriff in Italien geriet sein Platoon unter Beschuss von drei deutschen Stellungen mit Maschinengewehren. Obwohl bereits in der Magengegend angeschossen, kämpfte sich Inouye den Erzählungen zufolge vor und zerstörte zwei der Stellungen. Mit einer Granate in der rechten Hand kroch Inouye in Richtung letzte Stellung, als feindliches Feuer seinen rechten Arm durchlöcherte. Dieser, schilderte Inouye einmal, hing nur mehr regungslos an seinem Körper, nicht mehr fähig, die Granate wegzuwerfen. Mit der linken Hand schließlich habe er die Granate ergriffen und sie auf die feindliche Stellung geschleudert. Danach fiel er in Ohnmacht. 

Zu sich kam Inouye wieder in einem Militärkrankenhaus. Sein rechter Arm musste amputiert werden, insgesamt verbrachte er nach seiner Heldentat zwei Jahre in Spitälern. Als Belohnung wurde ihm das Distinguished Service Cross verliehen, das im Jahr 2000 zur Medal of Honor aufgewertet wurde, der höchsten militärischen Auszeichnung in den USA.

Der Einstieg in die Politik

In seiner Zeit in medizinischer Behandlung lernte Inouye einen gewissen Bob Dole kennen, ebenfalls Kriegsveteran und Jahrzehnte später, genauer gesagt 1996, erfolgloser Präsidentschaftskandidat der Republikaner. Inouye schloss Freundschaft mit Dole, und durch ihn kam erstmals der Gedanke auf, in die Politik zu gehen. Inouyes ursprünglicher Plan, Chirurg zu werden, war mit nur noch einem Arm schließlich nicht mehr realisierbar.

Zurück in den USA, studierte Inouye zunächst Jus an der George-Washington-Universität. Nach seinem Abschluss kehrte er nach Hawaii zurück und verdiente sich seine ersten politischen Sporen im dortigen Abgeordnetenhaus.

Politischer Pionier Inouye

Das Jahr 1959 wurde schließlich ein Meilenstein sowohl für Hawaii als auch für Inouye. Die Inselgruppe wurde zum 50. Staat der USA erklärt, und Inouye war ihr erster vollberechtigter Abgeordneter im Washingtoner Repräsentantenhaus. Drei Jahre später wurde er in den Senat gewählt, dem er bis zu seinem Tod fast 50 Jahre lang angehören sollte. Nebenbei wurde Inouye so zum ersten japanischstämmigen Politiker in den beiden Häusern des US-Kongresses.

In diesem fast halben Jahrhundert agierte Inouye als bescheidener, kompetenter Senator, der nicht gerne das Rampenlicht suchte, dann und wann fand es aber ihn. Etwa im Jahr 1968, als er auf dem Demokratischen Parteitag in Chicago die Keynote Speech halten durfte und danach sogar als Vizepräsidentschaftskandidat gehandelt wurde.

Oder im Jahr 1973, als er Teil des Watergate-Untersuchungsausschusses war und sich als kompetenter und hartnäckiger Fragensteller in den vom Fernsehen landesweit übertragenen Sitzungen einen entsprechenden Ruf erarbeitete.

Der CIA-Reformator

Auch im Jahr 1976 leistete er von allen geschätzte Arbeit, als er maßgeblich dazu beitrug, die in die Kritik geratenen Nachrichten- und Geheimdienste zu reformieren. Zuvor war bekannt geworden, dass CIA und Konsorten ihre Kompetenzen überschritten hatten.

Im Jahr 1987 schließlich spielte er eine tragende Rolle in jenem Untersuchungsausschuss, der die Iran-Contra-Affäre aufarbeitete. Dabei kam ans Tageslicht, dass ranghohe Militärs und Politiker entgegen der offiziellen US-Politik Waffen an den Iran verkauft hatten. Mit den Einnahmen wurden die Rebellen in Nicaragua im Kampf gegen die sandinistische Regierung unterstützt.

Zum Abschied ein "Aloha"

2010 schließlich verstarb Robert Byrd, der Senator mit der längsten Amtszeit der bisherigen US-Geschichte (51 Jahre, 5 Monate und 26 Tage). Inouye rückte dadurch zum dienstältesten und somit ranghöchsten Politiker im Senat auf, dem sogenannten President pro tempore. Der liegt nach dem US-Vizepräsidenten und dem Sprecher des Repräsentantenhauses an dritter Stelle in der Nachfolgeregelung des Präsidenten, sollte dem etwas zustoßen. Wenige Monate später wurde Inouye in seine neunte Amtszeit im Senat wiedergewählt.

Nun, etwa zwei Jahre später, starb Daniel Inouye an den Folgen von Atembeschwerden, einem Leiden, für das er schon mehrmals in Behandlung war. US-Präsident Barack Obama würdigte ihn als "wahren amerikanischen Helden". Von seiner Ehefrau und seinem Sohn verabschiedete er sich am Sterbebett mit einem "Aloha". (Kim Son Hoang, derStandard.at, 19.12.2012)

Share if you care
Posting 1 bis 25 von 30
1 2

kenne ihn nur aus der dokumentarflimreihe "the war" von ken burns. er kam da immer sehr sympathisch und intelligent rüber. "the war" ist im übrigen auch sehr zu empfehlen.

ein außerordentlich

... beeindruckender Lebenslauf. Auch bemerkenswert ist, dass sich US Senator Inouye nicht allzu sehr ins Rampenlicht der Tagespolitikgestellt hat - was gerade bei einem Politiker irgendwie Charakterstärke beweist. Denn leider bekommen sonderbare Persönlichkeiten ohne Substanz, wie etwa eine Sarah Palin, erheblich mehr Aufmerksamkeit seitens der US Boulevardmedien.

Wenn du mal

20 Jahre oder mehr im Senat sitzt hast du das nicht wirklich nötig. Alleine durch die Vorsitze in den diversen Komitees hast du soviel Macht - da brauchst du kein Rampenlicht mehr.

Er war Vorsitzender des United States Senate Committee on Appropriations - sprich sämtliche, nicht durch Gesetzgebung verplante Ausgaben der USA wanderten durch seine Hände (bildlich gesprochen) -

Ins rampenlicht musste er sich nicht drängen - Wer etwas wollte musste so oder so zu ihm.

Gross...

Bei einem Artikel ueber einen englischsprechenden Menschen bissi zweideutig!

Obama würdigte ihn als "wahren amerikanischen Helden". Zitat

Wer sind dann im Gegenschluß die nicht wahren amerikanischen Helden? Na egal.
"kroch Inouye in Richtung letzte Stellung, als feindliches Feuer seinen rechten Arm durchlöcherte." Zitat
Dass sind Geschichten die Friedensnobelpreisträger beeindrucken.

menschen wie inouye verdanken wir es,...

... dass sie ihren schmarren in freien foren loswerden dürfen (und wir ihn lesen müssen).
ohne den einsatz dieser menschen wäre europa heute faschistisch (egal ob's ein faschismus der nsdap oder der kommunisten wäre - beide hatten ihre gulags und ihren terror).
bitte plazieren sie ihr us-bashing wenigstens in den dafür geeigneten dumm-foren.

A geh bitte.. Die totalitarismus theorie ist sooooo..

1980!!

Wir haben es ohne wenn und aber der Roten Armee zu verdanken, dass wir nicht mehr im Faschismus leben!!

Alles andere ist westliche Geschichtsfälschung.

jawollll mein führer!!!!

sie können gerne in ihrer traumwelt leben - historisch korrekt ist ihr ansatz nicht.
wäre das dritte reich nicht zum 2-frontenkrieg gezwungen worden wäre die heeresgruppe mitte trotz kursk nicht zusammengebrochen.
so nebenbei war es die bindung der dt. luftwaffe durch den bomberkrieg aus england, der stalins falken die lufthoheit a.d. ostfront sicherte.
ohne diese strategischen hebel hätte die 44er offensive der roten armee auch ganz anders ausgehen können.

Sie sollten das Psoting als Sarkasmus kennzeichnen!

Ansonsten kommt vielleicht jemand auf die Idee sie koennten das ernst meinen!

So ein schmarrn. Glauben Sie die Nazis wurden von solchen Einzelkämpfern besiegt. Die gab es bei der SS auch. Zweitens wurden die Nazis nicht im Westen erledigt, sondern im Osten. Sie brauchen ja nur einmal die Opferzahlen z.B. zwischen der Invasion in der Normadie und Kursk vergleichen. Das Entscheidende war die inmense materielle und personelle Überlegenheit.

Das gleiche habe ich auch geschrieben, aber wurde wohl zensiert. Der faschismus wurde von den sowjets erledigt, nicht von den USA.

nur ohne die materielle hilfe der USA und deren kriegseintritt

hätten ihr freund stalin keine chance gehabt. Und letztlich haben uns die usa auch davor bewahrt, nach 1945 teil der sowjetischen einflusssphäre zu werden. auch das ist damit gemeint, dass sie es menschen wie inouye zu verdanken haben, in freien foren posten zu dürfen.

Das ist der Punkt: bei der Invasion in der Normandie ging es nicht mehr darum, die Nazis zu besiegen, denn die waren schon besiegt, hatten das nur noch nicht eingesehen, sondern zu verhindern, dass die Russen bis Paris durchmarschieren.

Die US-Waffenhilfe an die Sowjets war mit ziemlicher Sicherheit nicht kriegsentscheidend.

Der verstorbene in allen Ehren. Aber solche "Heldentypen" waren im 2. Weltkrieg nur mehr für die Presse wichtig, entscheidend waren eben andere Sachen. Gut, wären alle davon gerannt und hätten die Waffen nicht bedient, würde es sicher schlecht ausschauen. Aber das ist ein Allerweltsargument.

wie bitte? ohne die us-waffenhilfe ...

... hätte es 1944 keine rote armee mehr gegeben. die verlagerung der produktion jenseits des ural's wäre ohne die von den usa gelieferte infrastruktur nie gelungen - und ohne us-trucks wäre von dort kaum munition a.d. front gelangt.
stalin selbst hat die invasion gefordert - dem war ziemlich klar, dass das dritte reich bei verfügbarkeit aller ressourcen durchaus die möglichkeit gehabt hätte seine armeen zu stoppen.
aber bitte - linke narren küssen halt heute noch stalins stiefel. zum glück hat es der kriegseintritt der usa sichergestellt, dass die rechten idioten heute nicht auch hitler's stiefel küssen.

natürlich war der Zweifrontenkrieg entscheidend, d.h aber auch, dass sie sich einmal überlegen können, was passiert wäre, wenn Dt. alle seine Ressourcen im Westen hätte einsetzen können.

Denn Zweifrontenkrieg haben außerdem nicht die Westmächte in ihrer Klugheit herbeigeführt, sondern Dt. hat sich ihn selbst "geschenkt".

Ich möchte auch wissen, warum gleich ein Stalinverherrlicher sein soll, wenn man feststellt, dass die dt. Militätrmachinerie im Osten und nicht im Westen zusammengebrochen ist.

so kann man auch aussagen relativieren.

ich zittieren '... bei der Invasion in der Normandie ging es nicht mehr darum, die Nazis zu besiegen, denn die waren schon besiegt, hatten das nur noch nicht eingesehen...'.
Ohne die invasion in der normandie wären extrem kampfstarke einheiten f.d. krieg im osten bereitgestanden.
wie die kämpfe um polen und o-preussen zeigten, war das kein spaziergang f.d. rote armee.
bei entsprechender material- und mannschaftsstärke hätte sich der krieg bis 1946/47 ausdehnen können - und ob er dann noch v.d. alliierten gewinnbar gewesen wäre, darf bezweifelt werden (insbesonders da die lufthoheit über europa gegen die neue ta 183 mit r4 bzw x4 luft-luft-raks gefährdet gewesen wäre).

Besiegt waren sie aber trotzdem, mit der Invasion wurde es halt leichter, schneller, ohne sie wären die Verluste der Russen noch deutlich höher gewesen, waren eh so schon gewaltig. Die Deutschen hätten die neuen Flugzuege doch gar nicht in ausreichender Zahl bauen können, und schon gar nicht die Piloten dazu ausbilden können, die im stande gewesen wären, diese schwierige Maschine erfolgreich zu fliegen. Hätten die Deutschen nur gegen Russland gekämpft hätten sie vielleicht gewonnen, das stimmt schon. Aber ohne die Russen, wäre es den Westmächten schlecht gegangen, Afrika wäre wohl verloren, an eine Invasion gar nicht zu denken gewesen etc.

die niederlage des dritten reiches ...

... hat zwei wurzeln - die kriegserklärung an die usa - und damit im endeffekt die invasion in der normandie und der grundlose angriff angriff auf die sowjetunion (insbesonders mit einem unbesiegten england vor der haustür).
ohne russland wären die westmächte kaum zu einer invasion i.d. lage gewesen und ohne die westmächte hätte russland weder den ersten ansturm abfedern noch zur gegenoffensive antreten können.
beide waren notwendig die irren in zentraleuropa zur vernunft zu bringen und beide haben ihre verdienten helden.
ps. die baukapazitäten waren da - ausbildung und infrastruktur waren der engpass. ohne einen 2frontenkrieg hätte es aber genug sichere zonen gegeben.

Na schön,lassen wir es bei dem.

Warum Sie aber so grob werden (am anfang), verstehe ich nicht.

tut mir leid - ihr ansatz ...

... hat bei mir den eindruck erweckt, sie hätten nur die leistungen der roten armee im blick (die ich definitiv nicht gering schätze). leider gibt es gerade in der us-kritischen szene die tendenz, die opfer der usa im 2.wk wegen der dummheit der nachfolgenden politikergnerationen zu ignorieren.

'Die US-Waffenhilfe an die Sowjets war mit ziemlicher Sicherheit nicht kriegsentscheidend. '

Nein, Millionen Tonnen Weizen, Treibstoffe, Metalle und andere strategische Resourcen, HUNDERTTausende Fahrzeuge wie Lokomotiven, Lastwagen, Panzer, Flugzeuge.........nein, eigentlich brauchte das die Sowjetunion gar nicht!

Zitat: Als Maxim Litwinow, stellvertretender Volkskommissar für auswärtige Angelegenheiten, im September 1941 bei einer Besprechung im Kreml mit Roosevelts Sonderbeauftragten Harriman die Liste der zugesagten amerikanischen Hilfslieferungen vor Augen sah, sprang er von seinem Stuhl auf und rief aus: „Jetzt gewinnen wir den Krieg!“

http://de.wikipedia.org/wiki/Lend... owjetunion

"Nein, Millionen Tonnen Weizen, Treibstoffe, Metalle und andere strategische Resourcen, HUNDERTTausende Fahrzeuge wie Lokomotiven, Lastwagen, Panzer, Flugzeuge.........nein, eigentlich brauchte das die Sowjetunion gar nicht! "

Komisch, warum lieferten dann die Amerikaner den Russen HUNDERTTausende von Tonnen an Ausrüstung?

Fragen sie bitte den Vorposter warum die Sowjets das Spielzeug haben wollten.....

Dass immer die mit den skurillsten Nicks ...

...die düxxsten Beiträge ( gegen wen es ging, wurde an anderer Stelle schon erwähnt - daran liegst eben!) beitragen.

Posting 1 bis 25 von 30
1 2

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.