Weniger Todesstrafen in den USA

18. Dezember 2012, 11:08
  • Beamte der Southern Ohio Correctional Facility in Lucasville testeten mit Hantelgewichten, ob die Hinrichtungsbank einem 220 Kilo schweren Mann standgehalten hätte. Die verhängte Todesstrafe wurde schließlich in lebenslange Haft umgewandelt.
    foto: ohio dept. of rehabilitation and corrections/ap/dapd

    Beamte der Southern Ohio Correctional Facility in Lucasville testeten mit Hantelgewichten, ob die Hinrichtungsbank einem 220 Kilo schweren Mann standgehalten hätte. Die verhängte Todesstrafe wurde schließlich in lebenslange Haft umgewandelt.

Für drei Viertel aller Hinrichtungen seit 1996 waren Texas, Oklahoma, Mississippi und Arizona verantwortlich

Washington - Die Zahlen der verhängten und auch der vollstreckten Todesurteile in den USA gehen einem offiziellen Bericht zufolge zurück. Neun von 50 Bundesstaaten nahmen im Jahr 2012 Hinrichtungen vor, wie es in dem am Dienstag vorgestellten Jahresbericht des Informationszentrums für die Todesstrafe hieß. Zugleich sei die Zahl der neu verhängten Todesstrafen im Vergleich zum Rekordjahr 1996 um 75 Prozent zurückgegangen. Für drei Viertel aller Hinrichtungen im Land waren demnach die Bundesstaaten Texas, Oklahoma, Mississippi und Arizona verantwortlich.

Connecticut schaffte in diesem Jahr als 17. Bundesstaat die Todesstrafe ab. In insgesamt 29 Staaten gibt es entweder keine Todesstrafe, oder es wurden dem Bericht zufolge in den vergangenen fünf Jahren keine Hinrichtungen vorgenommen. Im Jahr 2012 wurden wie im Vorjahr 43 Menschen hingerichtet und damit die wenigsten seit dem Jahr 1999, dem Rekordjahr seit Wiedereinführung der Todesstrafe im Jahr 1976. Im Jahr 2012 wurde 78 Mal die Todesstrafe verhängt, im Rekordjahr 1996 waren es 315 entsprechende Urteile.

Strafe in Haft umgewandelt

Unterdessen wurde ein Todeskandidat am Montag im Bundesstaat Ohio von der Vollstreckung der Todesstrafe verschont. Seine Strafe wurde in lebenslange Haft umgewandelt. Der Gouverneur von Ohio, John Kasich, argumentierte, der Verurteilte habe keine angemessene Verteidigung erhalten. Zudem hatten seine Anwälte erklärt, die Injektion mit der Giftspritze würde den 220 Kilogramm schweren Mann möglicherweise nicht töten, sondern ihm große Qualen verursachen. (APA, 18.12.2012)

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Ich bin ja gerne für eine Diskussion (kommt, wie das Amen im Gebet) , über die "Sinnhaftigkeit" der Todesstrafe (persönlich bin ich mehr als dagegen) aber

ich bitte die Todesstrafengegner nicht zu argumentieren, dass die Todesstrafe gegen die Menschenrechtskonvention verstösst - dass tut sie nämlich nicht (sofern Verfahrensrechte eingehalten werden). Auszug aus der MRK (abbrufbar im RIS):

ABSCHNITT I - Rechte und Freiheiten

Artikel 2 - Recht auf Leben

(1) Das Recht jedes Menschen auf das Leben wird gesetzlich geschützt. Abgesehen von der Vollstreckung eines Todesurteils, das von einem Gericht im Falle eines durch Gesetz mit der Todesstrafe bedrohten Verbrechens ausgesprochen worden ist, darf eine absichtliche Tötung nicht vorgenommen werden.

1.) Was Sie hier zitieren ist die Europäische Menschenrechtskonvention, die betrifft die USA nicht.

2.) In der EMRK hat die Todesstrafe durch Zusätze (6. und 13. Protokoll) kaum noch Bedeutung.

Man sollte zu 2 noch erwähnen, dass mit dem 13. Protokoll die Todesstrafe ausnahmslos abgeschafft ist, und es nur drei Staaten in Europa gibt, die das noch nicht unterzeichnet haben.

Aserbaidschan und Russland sind noch auf dem Stand des 6. Protokolls (Todesstrafe in Kriegszeiten erlaubt).

Bleibt nur noch Weißrussland, das nicht im Europarat vertreten ist, und die Todesstrafe auch noch tatsächlich praktiziert.

"Der Gouverneur von Ohio, John Kasich, argumentierte, der Verurteilte habe keine angemessene Verteidigung erhalten."

aber lebenslänglich ohne angemessene verteidigung ist ok?

die berufungsoptionen sind bei LL etwas besser.

die werden vermutlich ausgeschöpft sein, wenn die todesstrafe vollstreckt werden hätte sollen.

Wirklich lustig...

...daß gerade die gottesfürchtigsten Bundesstaaten, so gern zur Hinrichtung greifen :-) Natürlich umso schärfer, umso dunkelhäutiger ein Verbrecher ist...

ES ist zusätzlich so, dass es auch relevant ist, welche Hautfarbe das Opfer hatte. Wenn man es wagt nen Weißen umzubringen, kommt man signifikant öfter auf den Stuhl als wenn man nur nen Schwarzen umbringt.
Das ist ja der eigentliche Skandal.

Übergewicht kann Leben retten!

.....im Rekordjahr 1996 waren es 315 entsprechende Urteile

Es ist schon erstaunlich, dass eine "Demokratie" wie die USA so viele Menschen hinrichten lässt und das nur wenige den Mut haben so einer "Demokratie" etwas entgegenzusetzten.Wahrscheinlich sind die politischen Interessen(wirtschaftlichen) zu groß um sich mit den Amis anzulegen !Aber wenn es um andere,meist im Osten liegende Staaten geht, so redet man offen über die Verletzung der Menschenrechte in diesen Staaten.

Vorschlag?

Wirtschaftliche Sanktionen?
Krieg?
diplomatischer Boykott?

Sollte eigentlich die Antwort sein. Jetzt nicht unbedingt für Beziehungen mit den USA, die ich schon noch für demokratisch halte, auch wenn sie die Todesstrafe haben. Aber z.B. Geschäfte mit China zu machen ist so wie z.B. mit einem Autohändler, der Mitarbeiter einperrt bzw. dem Betriebsrat einen Genickschuss gibt. Tja, komisch nur das hier (in den westlichen Ländern) alles soooo moralisch sind und sowas trotzdem kein Problem darstellt.

Vermutlich würde es in Europa auch nicht so rosig aussehen, wenn man die Frage der Todesstrafe tatsächlich einer demokratischen Abstimmung zuführen würde.

und warum sollte grundsätzlich eine Demorkatie keine Todesstrafe kennen?

Nicht falsch verstehen, Sie können schon gegen Todesstrafe sein - ich bin auch dagegen.

Aber warum Todesstrafe und Demorkatie sich grundsätzlich ausschließen sollen, erschließt sich mir nicht.
By the way, Japan verhängt auch Todesurteile. Auch keine Demokratie?

Stimmt. Doch Mord bleibt Mord, auch wenns ein demokratisch bestimmter ist. Demokratie heißt nicht Abwesenheit von Barbarei (siehe "Der Besuch der alten Dame")

Machen Sie sich doch kundig, was Mord ist. Eine rechtmäßig verhängte Todesstrafe ist schon der Definition nach kein Mord.

Das Verbrechen durch Umbenennung (Euphemismus!) zu schmälern macht es nicht ungeschehen. Fakt ist: Eine Person wird vorsätzlich getötet

Ich nenne es Mord. Und ja, Recht kann in gewissen Systemen morden. Recht ist ja auch nicht gleich Gerechtigkeit.

Naja, wenn Sie für Wörter Ihre Privatdefinitionen verwenden, dann ist das zwar Ihr gutes Recht, aber es macht halt die Kommunikation nicht unbedingt einfacher.
Genauso wie wenn Sie z.B. einen Rechtsakt als Verbrechen bezeichnen.

Die Verhängung selbst natürlich nicht. Die Ausführung der Todesstrafe ist natürlich nur durch die Ermordung eines Menschen möglich.

Ich habe ja über die Ausführung geschrieben. Mord wäre die nur, wenn dabei gegen bestehendes Gesetz verstoßen wird, was, wenn sie rechtmäßig ist, eben nicht der Fall ist.

Oder Indien...

Demokratie bedeutet Volksherrschaft. Will das Volk die Todesstrafe, gibt es diese. Sie haben recht, die beiden Dinge schließen einander nicht aus, sie haben sogar gar nichts, aber überhaupt nichts miteinander zu schaffen.

Die USA sind für nicht einmal 10% aller Hinrichtungen verantwortlich,

fassen aber ca. 90% aller Widerstände und Kritiken aus.

Daran liegts nicht.

Vielmehr gilt auch hier die Tatsache, dass man Menschenrechte schlecht von außen installieren kann, wenn das eigene Volk noch nicht so weit ist.

Aber immerhin gibt es in immer mehr Bundesstaaten eine Mehrheit gegen die Todesstrafe, was diesen klar rückläufigen Trend erklärt.

Gut, dass dieser Wahnsinn rückläufig ist! Wir sind ja nicht mehr in der Steinzeit, dass jemand entscheiden darf, ob jemand leben darf oder nicht. Wer ist soooo perfekt, das entscheiden zu dürfen? Bei Unzähligen hat sich später die Unschuld herausgestellt, wie soll man das dann je wieder gut machen?

aufhängen die Rotstrichler ;-)

Sie haben vollkommen recht..

eine Demokratie sollte sich nicht auf die gleiche Stufen wie Mörder stellen

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