Weihnachten feiern mit Alzheimer-Erkrankten

  • Gemeinsame Treffen und Festlichkeiten sollten vorzugsweise im kleinen 
und vertrauten Kreis stattfinden, sonst können Demenz-Kranke schnell 
überfordert sein und verwirrt oder ängstlich reagieren.
    foto: apa/dpa/boris roessler

    Gemeinsame Treffen und Festlichkeiten sollten vorzugsweise im kleinen und vertrauten Kreis stattfinden, sonst können Demenz-Kranke schnell überfordert sein und verwirrt oder ängstlich reagieren.

Psychiater empfehlen, Betroffene an den Vorbereitungen teilnehmen zu lassen - Das Zugehörigkeitsgefühl ist besonders wichtig

In Österreich gibt es derzeit rund 120.000 Demenzpatienten, die meisten davon sind an Morbus Alzheimer erkrankt. Mindestens 200.000 nahe Angehörige tragen die Hauptlast der Betreuung und Pflege.

Anlässlich der bevorstehenden Feiertage appelliert die Österreichische Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie (ÖGPP), die Betroffenen an den Weihnachtsvorbereitungen teilnehmen zulassen. Das stärkt das Zugehörigkeits- und Selbstwertgefühl.

Einbindung in gemeinsame Aktivitäten

Durch das Übernehmen von einfachen Beschäftigungen könnten Menschen, die an einer Alzheimer-Erkrankung leiden, in der Weihnachtszeit in gemeinsame Aktivitäten eingebunden werden, hieß es in einer Aussendung. "Indem man Demenzkranken die Chance gibt, sich zugehörig und nützlich zu fühlen tut man ihnen etwas Gutes. So kann man sie beispielsweise dazu anregen, einfache Handlungen auszuführen, wie den Tisch zu decken, Gemüse zu putzen oder Kekse auszustechen", rät Christian Haring, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie (ÖGPP) und Leiter der Psychiatrie des Landeskrankenhauses in Hall in Tirol.

Ideal sei es, wenn man Beschäftigungen findet, die für die Betroffenen von Bedeutung sind, die sie entspannen und nicht überfordern. Grundsätzlich solle man nur bei den Dingen eine Hilfestellung geben, welche die demenzkranke Person nicht mehr selbstständig erledigen kann. "Die Eigenständigkeit sollte, soweit möglich, erhalten bleiben, denn sie ist auch für kranke Menschen eine wichtige Grundlage für die Selbstachtung und die Lebenszufriedenheit", erklärt der Experte.

Weil es demenzkranken Menschen oft schwer fällt, das auszudrücken, was sie gerne möchten, wird ihre Aufmerksamkeit oft unterschätzt. Die Wahrnehmung von Menschen mit Demenz sei jedoch meist noch sehr gut. Auch wenn die Betroffenen manchmal ihre Gedanken und Gefühle nicht mehr zeigen könnten, würden sie Treffen mit Freunden oder der Familie durchaus genießen.

Rituale im kleinen Kreis

Doch Rücksicht ist geboten: Gemeinsame Treffen und Festlichkeiten sollten vorzugsweise im kleinen und vertrauten Kreis stattfinden, sonst können Demenz-Kranke schnell überfordert sein und verwirrt oder ängstlich reagieren. Hektik, fremde Personen aber auch ein laufender Fernseher sind ungeeignet. Vorteilhaft ist es beispielsweise, bekannte Rituale zu vollziehen wie den gewohnten Spaziergang, das Singen traditioneller Weihnachtslieder oder Geschichten aus früheren Tagen auszutauschen.

"Vertraute Situationen und Verhaltensweisen können dem Betroffenen dann Sicherheit und Geborgenheit verleihen und ihn entspannen. Sie erinnern ihn an die Vergangenheit, der er sich aufgrund seiner Krankheit oft mehr verbunden fühlt, als der Gegenwart", erklärt Haring.

Als Weihnachtsgeschenke für Demenz-Kranke eignen sich besonders gut Dinge, die die Sinne der Betroffenen durch Klänge, Lichteffekte, Tasterlebnisse oder Düfte anregen und mit Erinnerungen verbunden sind. Geeignet sind beispielsweise Fotos von Familienmitgliedern, ein früheres Lieblingsparfum, ein Bildband von der Gegend wo die Person aufgewachsen ist oder Musik zum Mitsingen. "Ruhige und insbesondere mit Erinnerungen verbundene Musik kann Demenz-Kranken zu angenehmen Momenten verhelfen. Auch duftende Kekse, welche die Person früher selber gerne zubereitet hat, sind geeignete Geschenke", rät der Experte.

In der westlichen Welt sind fünf bis zehn Prozent der Menschen über 65 Jahren sowie 30 bis 40 Prozent der Menschen über 80 Jahren von Demenz betroffen. Je früher die Krankheit erkannt wird, desto besser kann die fortschreitende Verschlechterung der geistigen Fähigkeiten durch Medikamente und begleitende Verfahren verzögert werden. (APA/red, 18.12.2012)

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