Nepal: Die "lebende Göttin" von Lalitpur

Ansichtssache

Bis zu ihrer Menstruation führt die "Kumari" ein abgeschiedenes Leben im Tempel. Dann muss sie sich zurechtfinden in einer Welt, die sie nicht kennt

foto: reuters/navesh chitrakar

Lalitpur ist die viertgrößte Stadt in Nepal mit einer reichen Geschichte, die bis ins 3. Jahrhundert vor Christus zurück reicht. Laut Überlieferungen soll sie sogar die älteste Stadt im Kathmandu-Tal sein.

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Die historische Vergangenheit Lalitpurs ist reichhaltig, die Kultur hat die Jahrhunderte überdauert und wird noch heute gelebt.

foto: epa/narendra shrestha

Dazu gehört auch die "Kumari", ein Mädchen, das als die Inkarnation der hinduistischen Göttin Durga ein eher einsames Leben im Tempel verbringt. Und zwar bis zu ihrer Menstruation. Sobald Blut fließt, hat das Mädchen ihre Göttlichkeit verloren und muss sich als Normalsterbliche in einer Welt zurechtfinden, die es nie kennen gelernt hat.

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Kumaris gibt es in ganz Nepal, die populärste lebt in Kathmandu. Im Alter von vier bis sieben Jahren werden die Mädchen ausgewählt. Für die Kinder bedeutet das ein isoliertes Dasein im Tempel zu führen. Allerdings haben die Mädchen Verpflichtune bei religiösen Festen. Beim Gai Jatra - dem Kuh-Fest - etwa wartet die Kumari in einem traditionellen Stuhl im buddhistischen Kloster Ratnakar Bilhar in Lalitpur auf die Gläubigen, um sie vor einer großen Prozession zu segnen.

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Landwirtschaft hat die Stadt einst reich gemacht und noch heute ist Lalitpur ein wichtiges Wirtschaftszentrum in Nepal.

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In der Stadt mit rund 170.000 Einwohnern gibt es 55 große Tempel und 136 Klöster. Jedes Kloster feiert einmal im Jahr ein Fest zur Gründung.

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Der Reichtum an Kunst, Architektur und Kultur zieht Besucher an. Lalitpur ist die künstlerische Hauptstadt Nepals mit einem großen Reichtum an Kunst, Architektur und Kultur.

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Die Kumari entstammt der buddhistischen Newar-Ethnie. Als es in Nepal noch einen König gab, besuchte er die Kumari einmal im Jahr, um ihr die Füße zu küssen und sich segnen zu lassen. Nachdem die Monarchie abgeschafft wurde, wird die lebende Göttin heute vom Premierminister besucht.

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Die Füße der kleinen Göttin gelten als heilig und sollen niemals den Boden berühren.

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Zu den Sehenswürdigkeiten der Stadt gehört der Baglamukhi Tempel, dessen Hof hier von einer Frau gereinigt wird.

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Von dem alltäglichen Geschehen in der Stadt unbehelligt, führt die Kumari ein Leben wie Gefangene. Sie verlässt den Tempel nur einmal im Jahr und zwar zum Rato Machhendranath-Fest, bei dem sie in einem Tempelwagen durch die Stadt gefahren wird.

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Heute erhalten Kumaris eine Art Schulbildung, um sie zumindest ein wenig auf das Leben nach dem Tempel vorzubereiten. Zudem erhalten sie eine kleine Unterstützung vom Staat, um ihr Überleben nach der Funktion als "lebende Göttin" abzusichern und ihnen dabei zu helfen, ein normales Leben führen zu können. (red, derStandard.at, 18.12.2012)

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9 Postings
die kumari ist einfach nur missbraucht.

die dunkle seite des buddhismus: jungrauenverehrung (kumari-puja) der anderen art. das Kind wird nackt verehrt, vom guru oder chela defloriert. falls das jemanden interessiert.
aus dem kloster rausgeworfen wird sie gemieden und schon keiner will sie heiraten.

Sch***, diese Photos sind soviel schöner als meine (der Neid frißt)

... aber es ist auf jeden Fall schön, wieder an das unglaublich exotische Nepal erinnert zu werden.

Ich habe übrigens gehört, daß die Kumari von Kathmandu eine beträchtliche Appanage ausbezahlt bekommt. Trotzdem will sie keiner heiraten, weil das Unglück bringen soll und die Ehemänner früh sterben (vielleicht hat das Mädchen sich ja einen kapriziösen Lebensstil angewöhnt, oder viel über Kräuter gelernt).

Insgesamt hätte ich es wohl nicht gerne, daß meine Tochter so einen Job machen muß.

Lieber Standard,

ich würde gerne statt "vor Christus" den nun allgemein gebräuchlichen Terminus "vor unserer Zeitrechnung" lesen.

Ein ganz, ganz wichtiger Beitrag, vielen Dank dafür.

Und womit genau beginnt "unsere Zeitrechnung"?

Also in Wikipedia

wird immer noch die Form v. Chr. gebraucht. Das ist ja auch nicht so schlimm.

Nepal ist eine Operettendemokratie wie Österreich.

Das sind noch die letzten Überbleibsel der Nepalesischen Kaiserzeit (aus den Urzeiten bis 2007 A.D) Wird sicher bald menschenwürdig angepasst. Ist nämlich ein Scheissjob, Kumai zu sein.

Es gibt eh eine linke Mehrheit im Parlament. Aber die streiten sich alle und tun sich verpackeln. Wer dann die größeren SUV's die Hauptstrasse runterfahren kann. Um das gehts.
Und dafür lassen sie die Verfassung nicht zu.

Oh Nepal, mein Nepal...

:(

hm

traurig, wohin wahn führt, wie ihn menschenäffchen auf diesem planet in dieser epoche der menschheitsgeschichte zelebrieren. bildung wäre ein gutes mittel, auch in nepal, dass diese hirngespinste und falschdeutungen verschwinden. eine tragödie, wie dumm sich hier wieder die gattung mensch zeigt

Sie erhalten so eine "Art" Schulbildung?

Wenn man es diesen Kindern schon antut, dann sollten sie wenigstens eine richtige Schulbildung bekommen. Wenigstens.

auch das ist..

..sklaverei.

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