Verkaufsverbote oder eine Waffe für jeden Lehrer

Reportage17. Dezember 2012, 18:12
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Nach dem Amoklauf von Newtown spricht auch Präsident Obama vorsichtig von strengeren Regeln beim Verkauf von Waffen

Manche Republikaner wollen hingegen aufrüsten. Der Ort des Massakers, die Volksschule in Newtown, bleibt vorerst geschlossen.

 

Über Nacht bekam einen bitteren Beigeschmack, was auf dem weißen Schild steht. "Sandy Hook School - 1956 - Visitors Welcome": Nicht nur, dass sie keine Besucher mehr empfängt, die Grundschule von Sandy Hook, eingeweiht im selben Jahr, als Elvis Presley zum King of Rock 'n' Roll avancierte. Auf absehbare Zeit wird es dort auch keinen Unterricht geben. Im neuen Jahr sollen die 436 Kinder, die Adam L.s Amoklauf überlebten, Schulen in Nachbarorten besuchen, dann will man weitersehen. Wer weiß, ob die Sandy Hook School jemals wieder öffnet. Vielleicht müssen die Abrissbagger anrücken, weil man keinem zumuten kann, am Ort des Albtraums je wieder Lesen und Rechnen zu lernen.

Zunächst aber dreht sich die Debatte vor allem darum, wie die Schulen besser geschützt werden können. Überall in den USA wurden am Montag die Patrouillen im Umfeld von Schuleinrichtungen verstärkt, überall parkten Polizeiautos mit rot-blauen Warnleuchten an den Zufahrten. Und Priscilla Dass-Brailsford, Trauma-Expertin der hoch angesehenen Georgetown University, gab den guten Rat, das alles so weit wie möglich zu ignorieren. "Das Wichtigste ist, die Routine zu wahren, sicherzustellen, dass unsere Kinder zur Schule gehen".

Dann ist da die Hoffnung, dass die Politik die Weichen endlich neu stellt. Dem Wall Street Journal zufolge denkt das Weiße Haus darüber nach, schnellstmöglich zurückzukehren zu einem Gesetz, das den Verkauf hochleistungsfähiger Geschoßmagazine untersagt. Es geht um Magazine mit mehr als zehn Patronen, die es einem Amokschützen ermöglichen, dutzendfach zu feuern, ohne nachladen zu müssen.

Im 1994 noch unter Bill Clinton beschlossenen "Assault Weapons Ban" war so ein Passus schon einmal verankert, ebenso wie das Verbot, bestimmte halbautomatische Waffen zu vertreiben. Nach zehn Jahren lief das Gesetz aus, nachdem die National Rifle Association enormen Druck ausgeübt hatte, es nicht zu verlängern.

Dianne Feinstein, demokratische Senatorin aus Kalifornien, ist nach dem New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg die erste Politikerin von Rang, die eine sofortige Kehrtwende hin zur alten Regelung fordert. Sobald im Januar der neu gewählte Kongress zusammentritt, will Feinstein eine entsprechende Novelle einbringen, damit "die Waffen des Krieges aus unseren Straßen verschwinden".

Obama will Korrekturen

Auch Barack Obama kündigte, wenn auch noch recht allgemein, baldige Korrekturen an, als er sich bei einer Trauerfeier mit einer Rede in Newtown an die Nation wandte. "Wir können das nicht länger tolerieren. Es darf keine Ausreden für Untätigkeit geben", betonte der Präsident. "Sind wir wirklich bereit zu sagen, dass wir machtlos sind angesichts eines solchen Gemetzels? Sind wir bereit zu sagen, dass solche Gewalt, wie sie unsere Kinder Jahr für Jahr heimsucht, der Preis für unsere Freiheit ist?"

Aber nicht jeder sieht es so. Wie schon so oft nach einem Amoklauf in den USA gibt es Stimmen, die fordern, auch die Lehrer zu bewaffnen, sodass ein zu allem entschlossener Eindringling auf Gegenwehr stößt.

"An meiner Haltung hat sich überhaupt nichts geändert", sagt Jason Chaffetz, ein republikanischer Kongressabgeordneter aus Utah. Statt den Waffenhandel zu regulieren, sollte das Parlament lieber darüber nachdenken, wie die Nation mit mental kranken Menschen umgehe.

Chaffetz' texanischer Kollege Louie Gohmert spitzt es noch stärker zu, wenn er sein Nein zu strengeren Waffengesetzen begründet. Bei Gott, meint Gohmert, er wünschte sich, bei der Direktorin der Sandy Hook School hätte eine Flinte im Büroschrank gestanden. Dann wäre sie dem Angreifer nicht so hilflos gegenüberstanden, "mit nichts in ihren Händen", als sie so heroisch hinaus auf den Korridor stürmte. (Frank Herrmann aus Newtown /DER STANDARD, 18.12.2012)

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    US-Präsident Barack Obama bei einer Gedenkveranstaltung für die Opfer des Amoklaufs in Newtown.

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